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Langsamer Mauerfall beim Wohneigentum

12.05.2016 - 14:15

Generation für Generation schwinden die Unterschiede zwischen Haushalten in den alten und den neuen Bundesländern, was den Besitz von Häusern oder Eigentumswohnungen angeht. 

Ost-West-Vergleiche lohnen sich auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wende bisweilen noch. Denn: Die Lebensverhältnisse in den alten und den längst nicht mehr so neuen Bundesländern unterscheiden sich zum Teil nach wie vor. Und weiterhin lässt sich beobachten, dass sie sich Schritt für Schritt einander angleichen. Das gilt etwa fürs Wohnen in den eigenen vier Wänden. Im Westen besitzt etwas weniger als die Hälfte der Haushalte Wohneigentum (46 Prozent), im Osten nur etwas mehr als jeder dritte (36 Prozent) – auf den ersten Blick ein deutlicher Unterschied. Erst auf den zweiten Blick wird die Annäherung des Ostens an den Westen deutlich, wie eine Auswertung von LBS Research und dem Immobilienforschungsinstitut empirica zeigt.

Typischerweise im Alter zwischen 30 und 50 kaufen sich Menschen in Deutschland ein Haus oder eine Eigentumswohnung, heißt es in der Auswertung. Und gerade in dieser Altersgruppe unterscheiden sich die Anteile der Eigentümer zwischen Ost und West nicht mehr allzu sehr:

  • Bei den 40- bis 49-Jährigen liegt die Wohneigentumsquote im Osten bei 46 Prozent, im Westen bei 53 Prozent – ein Unterschied von 7 Prozentpunkten. 
  • In der jüngeren Altersgruppe zwischen 30 und 39 besitzen im Osten 28 Prozent, im Westen 32 Prozent Wohneigentum – ein Abstand von nur noch 4 Prozentpunkten. Insgesamt ist der Anteil der Eigentümer in dieser Altersgruppe noch geringer, weil viele erst einige Jahre später Wohneigentum erwerben.

Wohneigentumsquote steigt im Westen kaum noch

Für die Studienautoren spiegelt sich in den Zahlen ein „enormer Aufholprozess“ wider. Der zeigt sich erst recht bei der Gegenüberstellung mit der Generation zwischen 70 und 79 Jahren, einem Alter, in dem Menschen seltener erstmals eine Wohnung oder ein Haus kaufen. Ostdeutsche in diesem Alter leben nur zu 32 Prozent in den eigenen vier Wänden, Westdeutsche zu 58 Prozent – ein Abstand von 26 Prozentpunkten.

Die Geschichte hinter dieser Differenz: In der DDR war Immobilieneigentum unüblich. Häuser und Grundstücke gehörten meist dem Staat oder Baugenossenschaften. Wohnungsbau und Mieten waren staatlich geregelt. Letztere lagen so niedrig, dass ein Immobilienkauf finanziell ohnehin kaum attraktiv war. Für Altbauten waren die Mieten auf dem Niveau von 1936 eingefroren, für Neubauten wurden sie 1981 zentral festgelegt und lagen durchschnittlich bei umgerechnet 45 Euro-Cent pro Quadratmeter (Zahlen der Konrad-Adenauer-Stiftung). Diese Wohnungspolitik wirkt bis heute nach.
 
Anteil der Haushalte mit Wohneigentum in %
  West Ost
insgesamt 46,3 36,4
30- bis 39-Jährige 32 28
40- bis 49-Jährige 53 46
Quelle: empirica/LBS Research

Auf längere Sicht erwarten LBS Research und empirica, dass sich die Verhältnisse beim Wohneigentum insgesamt weiter angleichen. Gleichzeitig stellen die Wissenschaftler fest, dass die Wohneigentumsquote im Westen stagniert. Im Vergleich zu 2003 sei sie in den neuen Ländern von 34,8 auf 36,4 Prozent gestiegen, im Westen blieb sie nahezu gleich bei rund 46 Prozent.

Möglicherweise geht die Angleichung so weit, dass sich ein Ost-West-Vergleich zu diesem Thema in zwei oder drei Jahrzehnten erübrigt – wieder eine Mauer weniger in den Köpfen.    

(nze)

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