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Wohngebäudeversicherung: Wenn sich das Abbruchunternehmen in der Adresse irrt

27.09.2010 - 21:06

Bei Beschädigungen am eigenen Haus aufgrund von Abbrucharbeiten in der Nachbarschaft ist es teilweise besser, die eigene Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung zu bemühen, als die Haftpflichtversicherung des verantwortlichen Unternehmens. Denn im ungünstigsten Fall zahlt diese überhaupt nichts.

Dass sich ein Abrissunternehmen versehentlich am falschen Haus zu schaffen macht, ist ein eher unrealistisches Szenario. Ausgeschlossen ist es jedoch keineswegs: Im Januar 2009 unterlief Arbeitern eines Abbruchunternehmens im pfälzischen Dudenhofen eben genau dieser Fehler. Die Abrissbirne hatte bereits den Dachstuhl des Hauses stark in Mitleidenschaft gezogen, als den Arbeitern klar wurde, dass sie im Begriff sind das falsche Gebäude abzureißen. Doppeltes Pech: Das stark beschädigte Haus stand unter Denkmalschutz.

Das dargestellte Ereignis ist ein äußerst seltener Extremfall. Wesentlich häufiger kommt es vor, dass umstehende Gebäude durch Abrissarbeiten beschädigt werden. In diesen Fällen besteht zwar ein Anspruch auf Schadenersatz, doch diesen geltend zu machen ist schwierig und zeitintensiv. Außerdem erstattet die Haftpflichtversicherung des Bauunternehmers nur den Zeitwert der beschädigten Immobilie.

Deutlich schneller und einfacher ist es, die eigene Wohngebäude- oder Hausratversicherung mit der Schadenregulierung zu beauftragen. Diese prüft zuerst, ob der verursachte Schaden von der bestehenden Police abgedeckt ist. Dies trifft etwa dann zu, wenn durch die Bauarbeiten Wasser- und Gasleitungen beschädigt wurden. Ein weiterer Vorteil der Abwicklung über die Hausratversicherung: Sie zahlt den Neuwert des Gebäudes. Im Anschluss nimmt sie die Haftpflichtversicherung des für die Schäden verantwortlichen Bauunternehmens in Regress und gleicht die Differenz zwischen Neu- und Zeitwert mit den Versicherungsbeiträgen aus.

Alternativ können die Forderungen auch parallel bei der Haftpflichtversicherung des Verursachers und der eigenen Versicherung eingereicht werden, jedoch kann es hierbei zu sehr komplizierten Abstimmungsprozessen mit beiden Assekuranzen kommen. Wird der entstandene Schaden nicht von der eigenen Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung abgedeckt, muss sich der Geschädigte direkt an das verantwortliche Abrissunternehmen wenden. Zum Beispiel ist in einer Wohngebäudeversicherung meist kein Schutz gegen Rissbildung durch Vibration integriert.

Da die Abbruchunternehmen in der Regel für die Abrissarbeiten verantwortlich sind, können sie im Schadenfall auch haftbar gemacht werden. Schwierig wird dies jedoch, wenn die Unternehmen eine sogenannte Radiusklausel in ihrer Haftpflichtpolice verankert haben. Der zufolge haftet der Versicherer nur dann, wenn Gebäude außerhalb eines festgelegten Umkreises beschädigt werden. Für etwaige Schäden innerhalb des Radius ist das Unternehmen selbst verantwortlich. Oft ist es hier fraglich, ob der Geschädigte überhaupt Geld vom Verursacher bekommt, denn bei hohen Ersatzansprüchen aufgrund von umfangreichen Schäden könnte die Zahlungsfähigkeit der Abrissfirma gefährdet werden.

(tei)

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