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Umstrittener Unfallschutz bei Rufbereitschaft

01.03.2013 - 15:00

Die digitalen Telekommunikationsmedien führen dazu, dass wir immer besser, leichter und im Grunde überall und ständig erreichbar sind – während der Arbeit und in der Freizeit. Die Grenzen zwischen Arbeits- und Berufswelt verschwimmen zunehmend, vor allem in Fällen von Telearbeit und Rufbereitschaften. Hierbei wird ein Thema oftmals unterschätzt – der Unfallversicherungsschutz. Dabei ist ein Unfallschutz von existentieller Bedeutung. Nicht umsonst müssen Arbeitgeber eine entsprechende Versicherung für ihre Arbeitnehmer zwingend abschließen. Wann und wo der Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung greift, sollte bestmöglich geklärt sein. Da dies jedoch oftmals nicht möglich ist, ist die Wirksamkeit nicht selten ein Streitthema vor Gerichten. Wie beispielsweise auch vor einiger Zeit vor dem Landessozialgericht in Nordrhein-Westfalen.

In dem verhandelten Fall war eine Altenpflegerin während ihrer Rufbereitschaft mit ihrem Hund Gassi gegangen – mit Einverständnis des Betriebs. Während des Spaziergangs bekam sie von diesem einen Anruf auf ihr Mobiltelefon, welches sie von ihrem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Im Moment des Anrufs wollte sie gerade eine Straße überqueren, übersah dabei die verschneite Bordsteinkante und kam zu Fall. Durch den Sturz erlitt die Frau eine Knöchelfraktur. Da sich der Unfall ihrer Ansicht nach aufgrund des Telefonats ereignet hatte und somit ein Arbeitsunfall vorlag, wendete sie sich an die Berufsgenossenschaft. Für diese lag jedoch kein Arbeitsunfall vor. Deshalb verweigerte die Genossenschaft die entsprechenden Versicherungsleistungen. Somit kam es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Rufbereitschaft ist eine gemischte Tätigkeit

Laut dem Urteil des nordrhein-westfälischen Landessozialgerichts stellt die Ausübung einer Rufbereitschaft eine sogenannte gemischte Tätigkeit dar. Sie besteht aus einem privaten (Hund ausführen) und beruflichen Teil (Diensttelefonat). Dieses Zusammenspiel und die Gleichzeitigkeit sind für eine Rufbereitschaft wesentlich und im Prinzip notwendig. Daher lautet die entscheidende Frage: Hätte die Frau auch telefoniert, wenn sie nicht gegangen wäre. Da dies in diesem Fall zu bejahen ist, liegt laut Gerichtsurteil eine „gemischte Handlung“ (gehen und telefonieren) und damit ein Arbeitsunfall vor.

Somit ist die gesetzliche Unfallversicherung dazu verpflichtet, die vereinbarten Leistungen zu erbringen. Die Berufsgenossenschaft hat noch die Möglichkeit beim Bundessozialgericht eine Revision einzulegen – ob sie von diesem Recht Gebrauch gemacht hat, ist noch unklar. Mit einer privaten Unfallversicherung hätte die Frau – bei einem dauerhaften körperlichen Schaden – sehr viel schneller eine finanzielle Unterstützung erfahren.

Private Unfallversicherung deckt Lücken des gesetzlichen Unfallschutzes

Während die gesetzliche Unfallversicherung nur Arbeitsunfälle abdeckt und es oftmals strittig ist, wann ein solcher Unfall vorliegt, empfiehlt es sich eine private Unfallversicherung abzuschließen. Ein privater Unfallschutz hat viele Vorteile. Zwei sind von besonderer Bedeutung. Zum einen leistet eine private Unfallversicherung nicht nur bei Berufs- sondern auch bei Privatunfällen – unabhängig davon, ob die gesetzliche Unfallversicherung in der Leistungspflicht ist oder nicht. Das heißt, bei einem Arbeitsunfall erhält der Versicherte zweimal Leistungen.

Zum anderen erhält der Versicherungsnehmer bei einem vom Arzt eindeutig diagnostizierten, unfallbedingten und dauerhaften Personenschaden sehr schnell Kapitalzahlungen und muss seinen Leistungsanspruch nicht langwierig und kostenintensiv einklagen.

Zudem können die Leistungen der Unfallversicherung optional erweitert werden, zum Beispiel durch eine Unfallrente oder ein Krankenhaustage- und Genesungsgeld. Gerade für Selbstständige, die aufgrund einer Verletzung ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben können, ist eine private Unfallversicherung unentbehrlich. Da es verschiedene Versicherungsangebote gibt, lohnt es sich, Unfallversicherungen zu vergleichen.

(mtr)

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