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Urteil: Apfelernte in Nachbars Garten ist kein Arbeitsunfall

27.11.2014 - 16:44

Die freiwillige Pflege eines an ein Betriebsgelände angrenzenden Grundstücks ist nicht durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. Auch dann nicht, wenn die freiwilligen Gärtnerarbeiten während der Dienstzeit erfolgen. Das hat das Sozialgericht (SG) Heilbronn kürzlich entschieden. Firmeninhaber, die meinen, ein verwildertes Nachbargrundstück würde ihre Kunden abschrecken und die Seriosität des Unternehmens gefährden, handeln auf eigenes Risiko.

Im konkreten Fall ging es um ein mittelständisches Unternehmens in der Nähe von Schwäbisch Hall. Zwischen dem eingezäunten Firmengelände und einer angrenzenden Straße verläuft ein Grünstreifen, auf dem mehrere Apfelbäume gedeihen. Die Grünfläche ist Eigentum des Landkreises Hohenlohekreis. Da nach Ansicht des Geschäftsführers die zuständigen Behörden die Pflege der Bäume und Wiese kläglich vernachlässigten, nahm er die Sache selbst in die Hand. Das Erscheinungsbild seiner Firma würde durch das ungepflegte Grundstück beeinträchtigt, befand der Geschäftsführer.

Gesetzliche Unfallversicherung gilt nicht während der Freizeit

So mähten die Mitarbeiter seines Unternehmers regelmäßig den Rasen auf dem Grünstreifen. Er selbst erntete die Äpfel und verkaufte sie sogar. Als der Firmenchef im September 2012 mit einer Hakenstange die Früchte von Baum schüttelte, zog er sich einen Bänderriss an der Schulter zu und musste operiert werden. Da er bis heute an den Folgeschäden der Verletzung leidet, verlangte er Leistungen von seiner Berufsgenossenschaft. Diese lehnte die Anerkennung als Arbeitsunfall jedoch ab.

Apfelschütteln sei keine unfallversicherte Beschäftigung, argumentierte die Berufsgenossenschaft. Dies wurde nun vom SG Heilbronn bestätigt. Nach Ansicht der Richter habe die Pflege und Apfelernte nicht dazu gedient, das äußere Erscheinungsbild zu verbessern. Heruntergefallene Äpfel würden von Kunden nicht als störend empfunden. Dass der Unternehmer die Früchte sogar privat verkauft habe, unterstreiche zudem, dass die Erntetätigkeit der Freizeit zuzuordnen sei. Deshalb wurde der Unfall auch zu Recht nicht als Arbeitsunfall anerkannt und Leistungen verweigert.

Private Unfallversicherung deckt Freizeitunfälle

Der Firmenchef wollte für sein Unternehmen das beste und zugleich ein wenig Geld verdienen.  Nun muss er mit den körperlichen und finanziellen Folgen seines Unfalls alleine fertig werden. In solchen Fällen ist es hilfreich, eine private Unfallversicherung abgeschlossen zu haben. Auch eine Rechtsschutzversicherung hätte hier nützlich sein können, da sie im Versicherungsfall sämtliche Gerichtskosten übernimmt. Der große Vorteil eines privaten Unfallschutzes liegt darin, dass er sowohl Berufs- als auch Freizeitunfälle abdeckt.

Hätte der Kläger eine private Unfall-Police abgeschlossen, würde die Versicherung abhängig von der vereinbarten Versicherungssumme und Gliedertaxe eine Kapitalzahlung leisten. Eine Unfallrente, wenn im Versicherungsschutz enthalten, erhalten Versicherungsnehmer, wenn ein Invaliditätsgrad von 50 Prozent vorliegt. Gerade für Selbstständige, Freiberufler, Studenten, sowie Hausfrauen und -männer ist eine private Unfallversicherung zu empfehlen.

Diese Personengruppen sind nämlich nicht über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Doch auch für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer ist die Versicherung sinnvoll, da die meisten Unfälle während der Freizeit und im Haushalt passieren.

(mtr)

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