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Streitfall Unfall auf dem Heimweg: Haftung der gesetzlichen Unfallversicherung kann von Details abhängen

13.03.2013 - 11:00

Wenn ein Arbeitnehmer, der sich bereits auf dem Heimweg befindet, wegen seines vergessenen Geldbeutels wieder zur Arbeitsstelle zurückfährt und dort ein spontanes Dienstgespräch mit Kollegen führt, steht er auch auf dem erneuten Heimweg unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies geht aus einem Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg von Oktober 2012 hervor.

Im konkreten Fall wollte ein Arbeitnehmer nach der Arbeit einkaufen gehen. Er bemerkte unterwegs, dass er seinen Geldbeutel am Arbeitsplatz liegen gelassen hatte. Aus diesem Grund fuhr er zu seiner Arbeitsstelle zurück. Dort besprach er noch spontan mit Kollegen circa 15 Minuten lang eine dienstliche Angelegenheit. Die Kollegen sagten später vor Gericht aus, dass sie besagtes Gespräch ohnehin am darauffolgenden Tag hätten führen müssen.

Als der Arbeitnehmer sich erneut auf den Heimweg machte, erlitt er kurz vor seinem Wohnort einen schweren Motorradunfall, infolge dessen er mehrere Wochen im Koma lag. An die Geschehnisse des Unfalltages hatte er später keine Erinnerung mehr.

Verweigerung der Anerkennung als Arbeitsunfall zieht Gerichtsverfahren nach sich

Nach der Weigerung des zuständigen gesetzlichen Unfallversicherungsträgers, den Unfall als Arbeitsunfall anzuerkennen, kam der Fall vor Gericht. Das Sozialgericht Heilbronn wies die Klage als ungerechtfertigt zurück, da der Kläger aus rein eigenwirtschaftlichen Motiven in die Firma zurückgefahren sei.

Da der Mann nicht geplant habe, seine berufliche Tätigkeit zu diesem Zeitpunkt noch einmal aufzunehmen, sei es irrelevant, dass sich durch das Kollegengespräch doch noch ein geschäftlicher Bezug ergeben hatte.

Zudem könne nicht mehr nachvollzogen werden, ob er nach dem Verlassen der Firma seinen ursprünglich angetretenen Heimweg an der Stelle fortgesetzt habe, an der er ihn unterbrochen hatte, um zur Arbeitsstelle zurückzufahren. Somit sei unklar, ob die eigenwirtschaftliche Tätigkeit zum Zeitpunkt des Unfalls bereits beendet worden war.

Zweite Instanz gibt Kläger doch noch recht

Der Geschädigte ging in Berufung und bekam in zweiter Instanz Recht. Für das Landessozialgericht Baden-Württemberg war entscheidend, dass der Kläger durch das Gespräch mit seinen Kollegen seine berufliche Tätigkeit faktisch wieder aufgenommen hatte. Aus diesem Grund habe die anschließende Heimfahrt sehr wohl unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gestanden.

Dieser Schutz hätte im Übrigen auch gegolten, wenn er die Heimfahrt wegen eines Einkaufs unterbrochen hätte. Die Begründung: Sowohl zwischen dem ersten als auch dem zweiten Verlassen der Firma und dem Unfallzeitpunkt hätten weniger als zwei Stunden gelegen. Das ist die zeitliche Frist, innerhalb derer der Heimweg, wenn er zu privaten Zwecken unterbrochen wird, wieder aufgenommen werden muss, damit der gesetzliche Unfallschutz für den tatsächlichen Arbeitsweg bestehen bleibt.

Mit der privaten Unfallversicherung auf der sicheren Seite sein

Da es bezüglich der Frage, was als Arbeitsunfall zählt und was nicht, oftmals zu juristischen Konflikten zwischen Arbeitnehmern und gesetzlichen Versicherungsträgern kommt, ist es sinnvoll, über den Abschluss einer privaten Unfallversicherung nachzudenken. Damit sind Sie auch bei Unfällen im privaten Bereich auf der sicheren Seite! Eine leistungsstarke und dennoch günstige private Unfallversicherung finden Sie ganz einfach und schnell mit dem Unfallversicherung Vergleich von CHECK24.

(kro)

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