0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Tagesgeld in Fremdwährung birgt erhebliche Risiken

03.09.2013 - 18:00

Einige Anbieter werben derzeit mit hohen Zinsen auf Tagesgeldkonten in Fremdwährungen. Die angepriesenen Zinssätze liegen in der Regel weit über denen, die es derzeit in der Euro-Zone zu holen gibt. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass auch die Zinsen in der Fremdwährung bezahlt werden. Somit entscheidet die zukünftige Entwicklung des Wechselkurses, ob sich die Anlage für den Sparer lohnt - oder er sogar einen Verlust macht. Zudem sollten Anleger genau prüfen, ob eine Einlagensicherung angeboten wird, und bis zu welcher Höhe diese garantiert ist. Anders als beim klassischen Tagesgeldkonto können Fremdwährungskonten folglich mit hohen Risiken verbunden sein.

Grundsätzlich funktioniert ein Fremdwährungskonto ähnlich wie ein klassisches Tagesgeldkonto. Das Kapital kann flexibel eingezahlt und jederzeit in voller Höhe wieder abgezogen werden. Wie in der Euro-Zone besteht bei den meisten Anbietern zudem eine Einlagensicherung, die bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Person ohne Einschränkungen auch für Kunden aus dem Ausland gilt.

Die Leitzinsen außereuropäischer Länder liegen in vielen Fällen über dem Leitzins der Europäischen Zentralbank. Aus diesem Grund  übersteigen häufig auch deren Sparzinsen die Zinssätze der europäischen Banken um ein Vielfaches. Auf das Fremdwährungskonto kann das Guthaben allerdings nicht in Euro eingezahlt werden, sodass es zunächst in eine andere Landeswährung umgetauscht werden muss. Besonders beliebt sind beispielsweise türkische Lira, der südafrikanische Rand oder der ungarische Forint.

Der Umtausch findet zum aktuell gültigen Wechselkurs statt. Dieser gibt an, in welchem Verhältnis eine Landeswährung gegen die Währung eines anderen Landes getauscht werden kann. Der Wechselkurs wird börsentäglich neu festgelegt und kann – zum Beispiel aufgrund instabiler politischer Verhältnisse oder durch Umwelteinflüsse – stark schwanken.

Beispielrechnung: Fremdwährungskonten bergen ein hohes Verlustrisiko

Von der Entwicklung des Wechselkurses hängt es nun ab, ob der Sparer mit seiner Anlage Gewinn macht, auf null herauskommt oder sogar Verluste verzeichnet, sobald er das Geld wieder in Euro umtauscht. Ein fiktives Beispiel: Angenommen, ein Anleger hätte am  1. September 2012 ein Tagesgeldkonto in Fremdwährung eröffnet. Er entscheidet, sein Kapital in Höhe von 10.000 Euro in türkische Lira (TRY) umzutauschen. Bei einem Wechselkurs von 2,30 TRY je Euro erhält er am 30. August 2012 23.000 TRY. Das Lirakonto ist mit 4,25 Prozent scheinbar attraktiv verzinst. Über die angenommene  Anlagedauer von zwölf Monaten wird ein konstanter Zinssatz unterstellt.

Ein Jahr später beträgt sein Kapital 23.977,50 TRY. Ein tolles Ergebnis, könnte man auf den ersten Blick meinen. Das Problem bei der Sache ist jedoch, dass der Anleger mit der Auslandswährung in seiner Heimat nichts anfangen kann. Folglich muss das Ersparte zunächst wieder in Euro zurückgetauscht werden. Ein Jahr später, also am 30. August 2013, liegt der Wechselkurs allerdings bei 2,70 TRY je Euro, da die türkische Lira nicht zuletzt aufgrund der jüngsten politischen Unruhen gegenüber dem Euro deutlich an Wert verloren hat. Tauscht der Sparer seine türkischen Lira also wieder um, erhält er lediglich 8.880,56 Euro zurück. Anstatt des erhofften Gewinns verbucht er folglich einen Verlust von über elf Prozent in einem Jahr.

Natürlich hätte sich der Wechselkurs im oben beschriebenen Beispiel auch anders entwickeln können. Eine Aufwertung der TRY gegenüber dem Euro hätte zusätzlich zum Zinssatz von 4,25 Prozent sogar noch für Währungsgewinne gesorgt. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine hochverzinste Fremdwährung gegenüber dem Euro gewinnt, ist allerdings sehr gering.

Ein schlechter Kurs schränkt die Flexibilität des Anlegers ein

Entwickelt sich der Wechselkurs also ungünstig, bleiben dem Sparer zwei Möglichkeiten: Wird das Geld zum gewünschten Zeitpunkt abgezogen, müssen Kursverluste in Kauf genommen werden. Die andere Möglichkeit wäre, das Kapital auf dem Fremdwährungskonto liegen zu lassen und zu hoffen, dass sich der Wechselkurs wieder zum Positiven wendet. Von einer flexiblen Geldanlage kann in diesem Fall jedoch nicht mehr gesprochen werden.

Fazit: Tagesgeld in Fremdwährung ist für sicherheitsorientierte Sparer ungeeignet

Fremdwährungskonten werden von den Banken in der Regel für die Zielgruppe „risikobereit“ angeboten, da die Anleger bei einem solchen Produkt eine Wette auf die Wechselkursentwicklung eingehen. Das bedeutet, dass der Anleger den Sicherheitsaspekt einer höheren Renditeerwartung unterordnen muss. Es handelt sich folglich um eine Kapitalanlage, die nur für rendite- bzw. kursgewinnorientierte Sparer geeignet ist.

Durch die hohen Zinsen und mögliche Währungsgewinne sind attraktive Renditen möglich. Wie das oben genannte Beispiel zeigt, können allerdings auch Verluste nicht ausgeschlossen werden. Sicherheitsorientierte Anleger sollten deshalb bei klassischen Tagesgeldkonten bleiben und stattdessen darauf achten, dass sie sich stets den besten Zinssatz sichern. Der Tagesgeld Vergleich zeigt, dass bei den Top-Anbietern derzeit immerhin noch 1,5 Prozent jährliche Zinsen möglich sind – ganz ohne Verlustrisiko.

(fr)

Weitere Artikel: