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Tagesgeld: Stiftung Warentest prüft niederländische Einlagensicherung

26.02.2015 - 16:00

Vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen russische Banken prüfte die Stiftung Warentest kürzlich die holländische Einlagensicherung, insbesondere die der Amsterdam Trade Bank. Dieses Geldhaus gehört zur russischen Alfa-Bank-Gruppe. Dem Test zufolge sind die Einlagen pro Kunde und Bank bis zu einer Höhe von 100.000 Euro über die Europäische Einlagensicherung geschützt. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die am Dienstag in der Zeitschrift Finanztest veröffentlicht wurde.

Obwohl die Direktbank Amsterdam Trade Bank seit 2001 zu einer der größten russischen Privatkundenbanken gehört und der Aufsichtsratsvorsitzende und größte Aktionär der russische Oligarch Michail Maratowitsch Fridman ist, sind die Einlagen von Sparern sicher -  trotz der Sanktionen gegen Russland. So das Ergebnis der Untersuchung von Stiftung Warentest, die vergangene Woche veröffentlicht wurde. Grund dafür ist, dass sich die Alfa Bank Gruppe nicht mehrheitlich im Staatsbesitz befindet und es sich bei der Amsterdam Trade Bank um eine niederländische Tochter handelt, bei der die Europäische Einlagensicherung greift.

Die Europäische Einlagensicherung schützt die Ersparnisse

Die niederländische Einlagensicherung ist der Stiftung Warentest zufolge soldie.
Ein Beisipiel für die gut funktionierende Einlagensicherung in den Niederlanden ist Angaben der Stiftung Warentest zufolge ein Fall aus der Vergangenheit: Die Pleite des Bankhauses DSB im Jahr 2009. Die Entschädigungssumme, die die niederländische Zentralbank Sparern zahlte, belief sich auf rund 3,2 Milliarden Euro. Kein Sparer ging leer aus und alle Ersparnisse bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kunde wurden zurückerstattet. Die Zentralbank der Niederlande beaufsichtigt etwa 170 Banken. Von diesen holte sie sich das Geld zurück, das sie für die Entschädigung der Sparer verwendet hatte.

Das Einlagensicherungssystem der Niederlande funktioniert dem Fazit der Stiftung Warentest zufolge reibungslos. Das ist auch interessant für deutsche Kunden, denn niederländische Banken bieten oft gute Zinsen auf Tagesgeldkonten und sind hierzulande daher sehr beliebt. Neben der Amsterdam Trade Bank wählen Verbraucher beispielsweise gerne die Tagesgeldkonten der Credit Europe Bank oder RaboDirect, die zusammen rund 700.000 Kunden aus Deutschland haben.

Geht eine niederländische Bank pleite, werden Sparer darüber persönlich informiert und der Bankrott der Bank wird auf der Internetseite der Zentralbank bekanntgegeben. Innerhalb von drei Monaten können Verbraucher dann auf einer speziell eingerichteten Internetseite Anträge auf eine Rückerstattung ihres Guthabens stellen, dies muss auf Englisch erfolgen.

Das Geld würden Kunden dann innerhalb von 20 Werktagen zurückerhalten, nachdem der Entschädigungsfall festgestellt wurde, sagte der Manager der Einlagensicherung bei der niederländischen Zentralbank im Interview mit der Zeitschrift Finanztest. Die Europäische Einlagensicherung gibt Verbrauchern also die Sicherheit, dass ihre Ersparnisse bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kunde und Bank in jedem Fall sicher sind. In Deutschland sind über die freiwillige Einlagensicherung bei zahlreichen Banken sogar noch höhere Beträge geschützt.

Einlagensicherung in Europa wird weiter verbessert

Im April 2014 wurde in einer historischen Abstimmung des Europaparlaments beschlossen, dass Sparer künftig schneller an ihr Geld kommen. Momentan liegt die Auszahlungsfrist der Einlagen im Falle einer Bankenpleite bei 20 Tagen. Die Fristen werden stufenweise herabgesetzt, ab 2019 liegen sie bei 15 Tagen, ab 2024 dann bei sieben Tagen. Auch Notauszahlungen sollen künftig möglich sein. So erhalten Anleger innerhalb von fünf Arbeitstagen genügend Geld, um ihre Lebenshaltungskosten decken zu können. Die genauen Beträge dieser Notzahlungen werden von den EU-Mitgliedsstaaten selbst festgelegt und können sich - je nach Höhe der Lebenshaltungskosten in den einzelnen Ländern - unterscheiden.

Grundsätzlich sind Beträge bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kunde und Bank sicher. Doch bald können auch Spareinlagen in größerer Höhe geschützt werden, dies ist in der EU-Richtlinie vorgesehen. Auch hier unterscheiden sich die Regelungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Die Bundesregierung in Deutschland will künftig auch besonders schutzwürdige Einlagen bis zu 500.000 Euro über sechs Monate hinweg schützen. Darunter fallen beispielsweise Gelder aus Immobilienverkäufen oder Abfindungen. Bereits ab Juni 2016 werden Kontoinhaber in Deutschland ihr Geld im Falle einer Bankenpleite bereits innerhalb von sieben Tagen zurückerhalten.

Die EU-weite Einlagensicherung, auch Deposit Guarantee Schemes (DGS) genannt, ist zusammen mit dem Abwicklungsmechanismus und der Bankenaufsicht eine der drei Säulen der geplanten Bankenunion. Die Idee einer Europäischen Bankenunion entstand im Zuge der Eurokrise. Damals wurde deutlich, dass die Schieflage einzelner Banken das gesamte Finanzsystem in Europa gefährden kann.

Wer Spareinlagen über 100.000 Euro anlegen möchte, sollte dabei einige Details beachten, um sein Geld optimal zu schützen. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

(bm)

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