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Leitzinssenkung: Was bedeutet das für´s Tagesgeld?

22.05.2014 - 14:00

Die Zeichen verdichten sich: Die EZB könnte schon bald den Leitzins weiter senken und den Einlagesatz in den negativen Bereich drücken. Letzteres wäre ein Novum. Welche Auswirkungen hätten diese geldpolitischen Maßnahmen auf die Tagesgeldzinsen und wie werden diese eigentlich festgelegt?

Anleger gehen mit einem Tagesgeldkonto keinerlei Kursrisiko ein – sobald sich der Marktzins ändert, kann das Geld einfach umgeschichtet werden. Doch wie reagiert man am besten auf eine Leitzinssenkung?

Der Wettbewerb um Spareinlagen ist entbrannt

Die Zeichen verdichten sich: Die EZB könnte bald den Leitzins weiter senken. Welche Auswirkungen hätte das auf Tagesgeldzinsen?
Die Zinsen auf Spareinlagen orientieren sich einerseits an der Laufzeit, aber auch an den Geldmarktzinsen. Doch obwohl der Leitzins derzeit bei 0,25 Prozent liegt, sind die Zinsen auf Tagesgeldkonten deutlich höher. Bis zu 1,4 Prozent mit einer viermonatigen Zinsgarantie sind beispielsweise bei den Autobanken Volkswagen Bank und Audi Bank möglich, die Cortal Consors garantiert den Zinssatz von 1,2 Prozent sogar für den Zeitraum von zwölf Monaten.

Wie sind diese Zinssätze möglich? Einer der Gründe liegt in dem steigenden Wettbewerb um Einlagen seit dem Beginn der Finanzkrise. Die angeschlagene Finanzindustrie war im unsicheren Marktumfeld der Finanzkrise auf der Suche nach neuen Finanzierungsquellen. Viele Banken erhöhten deshalb die Zinsen auf Spareinlagen, um die Gunst der Privatkunden zu gewinnen.

Diese kamen in Scharen und legten ihr Geld an – die Banken hatten wieder mehr Kapital. Das Problem an diesem „war on deposits“ genannten Wettbewerb um Spareinlagen: Die Gewinnmargen der Banken wurden immer kleiner - und das in Zeiten, in denen die Geldinstitute ohnehin finanziell angeschlagen waren.

Kreditinstitute, die sich diesem Kampf um Spareinlagen hingegen nicht anschlossen, hatten es schwerer Finanzierungsquellen aufzutun, um Geld in Form von Krediten an Anleger zu verleihen – und damit Geld zu verdienen. Gerade in Zeiten großer Unsicherheit, in denen sich Banken kaum gegenseitig Geld leihen, sind die Einlagen von Privatkunden als Refinanzierungsinstrument hoch geschätzt.

Als weiterer Grund für den verstärkten Kampf um Einlagen gilt auch Basel III, ein seit 2013 geltendes internationales Regelwerk zur Bankenregulierung. Dank dieser neuen Liquiditätsregeln stehen Banken, die sich über Kundeneinlagen refinanzieren, künftig besser da. Christoph Kaserer von der TU München etwa sagte gegenüber dem Stern, dass die Bedeutung von Kundeneinlagen im Zuge von Basel III wachse. Die Banken müssten versuchen sich Marktanteile zu sichern, insbesondere weil Privatkunden eher träge seien, so Kaserer weiter.

So berechnen Banken die Tagesgeldzinsen

Info: Tagesgeld

Aus Kundensicht ist Tagesgeld eine sichere Anlageform mit Wertzuwachs, bei der jederzeit auf das Geld zugegriffen werden kann. Für die Bank hingegen handelt es sich dabei nicht um eine Sichteinlage im klassischen Sinne, sondern um Festgeld mit einer eintägigen Laufzeit – daher auch der Name Tagesgeldkonto. Diese auch Termineinlagen genannten Gelder stehen der Bank für eine bestimmte Zeit zur Verfügung und können in größerem Umfang kurz- und mittelfristig als Kredit ausgeliehen werden. Ein Teil der Gelder, der als sogenannter Bodensatz bezeichnet wird, kann auch langfristig als Kredit vergeben werden.

Die höchsten Zinsen auf´s Tagesgeld gibt es online: Direktbanken liegen in Tagesgeldvergleichen regelmäßig auf den Spitzenplätzen. Warum? Direktbanken unterhalten keine Filialen, sondern vertreiben ihre Finanzprodukte im Internet. Weniger Filialen bedeuten auch weniger Mitarbeiter und insgesamt geringere Fixkosten. Diese Kostenersparnis geht bei Direktbanken in die Zins-Kalkulation ein. Das Geldhaus kann Kunden folglich attraktivere Zinsen bieten.

Grund für die attraktiven Zinskonditionen ist oftmals auch die Geschäftsausrichtung einer Bank: Sie bestimmt, welches Produktportfolio angeboten wird.  Dies hat wiederum Einfluss auf das Zinsniveau der einzelnen Finanzprodukte.

Ist das Hauptgeschäft eines Geldinstitutes beispielsweise die Kreditvergabe und bietet sie dort eher höhere Zinssätze, kann sie im Tagesgeldbereich oftmals auch großzügiger kalkulieren. Höhere Zinsen beispielsweise beim Tagesgeld oder besonders gute Konditionen und Prämien bei Girokonten dienen oftmals auch dazu, Kundenvertrauen aufzubauen und das Geldinstitut als Hausbank zu etablieren.

Durch die im Vergleich zur Konkurrenz besonders guten Konditionen sollen neue Kunden gewonnen werden, die dann – so jedenfalls die Idee – auch weitere Finanzprodukte des Geldinstituts abschließen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass vor allem die Neukundengewinnung ganz oben auf der Agenda einer Bank steht, ist ein hoher Tagesgeldzinssatz für niedrige Einlagesummen und geringere Zinssätze für größere Summen.

Was tun bei einer Leitzinssenkung?

Wie kürzlich bekannt wurde, plant die Europäische Zentralbank offenbar eine Leitzinssenkung von 0,25 auf 0,15 Prozent. Auch ein negativer Einlagezinssatz  von minus 0,1 steht zur Diskussion. Wie bereits nach der letzten Zinssenkung im November 2013 werden viele Banken den Zinssatz auf´s Tagesgeld anpassen. Wer sich jetzt noch die hohen Zinsen sichern möchte, sollte nicht lange warten und ein Tagesgeldkonto mit Zinsgarantie abschließen.

(bm)

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