0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Wie sicher sind die Ersparnisse auf dem Tagesgeldkonto? (Teil 1)

07.04.2014 - 14:00

Die Spareinlagen sind sicher! Das hat zumindest Bundeskanzlerin Angela Merkel versprochen. Doch kann sie das wirklich garantieren? Bis zu welchen Summen greift die Einlagensicherung in Deutschland und wie würde eigentlich eine Welt ohne diese Absicherung aussehen?

Wir schreiben das Jahr 1932. Das Geschäft der US-amerikanischen Last National Bank floriert, die Bank kann zudem auf einen hohen Eigenkapitalanteil bauen, der gemeinhin als gute Absicherung für den Krisenfall gilt. Dennoch bemerkt Bank-Direktor Cartwright Millingville an einem Mittwoch ein ungewöhnliches Gedränge in seiner Filiale.

Schnell stellt er fest, dass ein verhängnisvolles Gerücht über seine Bank verbreitet wurde: Die Last National Bank soll insolvent sein. Der Direktor weiß, dass diese Behauptung völlig aus der Luft gegriffen ist - die Anleger aber nicht. Sie fürchten um ihre hart erarbeiteten Ersparnisse und heben schlagartig ihr Geld ab – und bringen dadurch die Bank erst in Probleme. Am Ende des Tages hat sich das falsche Gerücht dann letztlich bewahrheitet: Die Last National Bank ist zahlungsunfähig.

So entstand die Einlagensicherung

Wie sicher sind die Ersparnisse auf dem Tagesgeldkonto?
Am Beispiel der Pleite der US-Bank erklärte der Wissenschaftler Robert K. Merton seine berühmte Theorie der selbsterfüllenden Prophezeiung. Gleichzeitig wird dadurch auch deutlich, warum eine Einlagensicherung wichtig ist: Auch wenn eine Bank finanziell angeschlagen sein sollte -  die Ersparnisse der Kunden sind in gewissem Umfang abgesichert. Dadurch haben Verbraucher mehr Sicherheit, und ziehen der Bank nicht sofort jegliches Kapital ab.

Der US-Einlagensicherungsfonds „Federal Deposit Insurance Corporation“ wurde im Jahr 1933 eingeführt und drückte die Zahl der insolventen Banken auf 28 pro Jahr: Hört sich immer noch viel an. Ist es nach heutigen Maßstäben auch - aber zuvor waren es jährlich bis zu 2.276 Banken, denen das Geld ausging. Eine Einlagensicherung ist also nötig, denn die gesamte Finanzwelt ist abhängig von Erwartungen und Annahmen der einzelnen Akteure - selbst dann, wenn diese Annahmen wie im Beispiel der Last National Bank nicht zutreffen.

In Deutschland wurde die gesetzliche Einlagensicherung viel später als in den USA eingeführt: Seit 1998 sind die Anlagen deutscher Sparer per Gesetz geschützt. Seit 1. Januar 2011 liegt die gesetzliche Mindestabsicherung EU-weit bei 100.000 Euro.

Diese gilt für das gesamte Geld auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten sowie Sparkonten und -briefen. Die erforderlichen Mittel für den Entschädigungsfall werden durch Beiträge der Banken aufgebracht und von der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, kurz EdB verwaltet.

Anders als früher leihen sich Banken heutzutage oft gegenseitig Geld -  kann ein Institut seine Forderungen gegenüber einem anderen nicht erfüllen, könnte das andere Banken mitreißen. Seit 1976 besteht in Deutschland die EdB und hat seitdem mehr als 30 Banken abgewickelt. Lars Hofer, Pressesprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) zufolge wurden jedem einzelnen Kunden die Einlagen in voller Höhe erstattet.

Diese Einlagensicherungsfonds gibt es in Deutschland

Die Bankenlandschaft in Deutschland ist dreigeteilt in Sparkassen, Volksbanken- und Raiffeisenbanken (Genossenschaftsbanken) sowie private Banken. Während die Sicherungssysteme der Sparkassen und Genossenschaftsbanken die Aufgaben der gesetzlichen Einlagensicherung übernehmen, besteht die freiwillige Einlagensicherung der privaten Banken zusätzlich. Alle privaten Banken sind zudem verpflichtet, in die sogenannte Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) einzuzahlen.

Deutschlandweit gibt es neben der EdB noch zwei weitere große Einlagensicherungsfonds: Die Entschädigungseinrichtung des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (EdÖ) und diejenige für Wertpapierhandelsunternehmen (EdW). Der EdB garantiert Einlagen von bis zu 100.000 Euro, die EdW 90 Prozent der Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften bis maximal 20.000 Euro.

Darüber hinaus greift bei privaten Banken auch die freiwillige Einlagensicherung: Jeder einzelne Kunde ist durch den freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands in Höhe von 30 Prozent des maßgeblich haftenden Eigenkapitals der Bank abgesichert.  Dem deutschen Kreditwesengesetz zufolge gilt beim Eigenkapital ein Minimum von fünf Millionen Euro, was einer Mindesteinlagensicherung von 1,5 Millionen Euro pro Kunde entspricht.

Kreditinstitute wie etwa die Deutsche Bank verfügen über ein Eigenkapital von mehreren Milliarden Euro. Dadurch sind bei diesen Instituten Einlagen von mehreren Milliarden Euro pro Kunde abgesichert. Diese Sicherungsgrenze soll jedoch künftig stufenweise reduziert werden, bis zum 1. Januar 2025 wird sie sich auf 8,75 Prozent des Eigenkapitals verringern. Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist laut Hofer, dass der Einlagensicherungsfonds in den 70er Jahren gegründet wurde und die Eigenkapitalquoten der Banken damals generell niedriger waren als heute. Dadurch mussten deutlich geringere Rücklagen gebildet werden.

Lesen Sie in Teil 2, welche Einlagen wirklich sicher sind und was sich durch die Bankenunion für Verbraucher ändert.

(bm)

Weitere Artikel: