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Wie sicher sind die Ersparnisse auf dem Tagesgeldkonto? (Teil 2)

11.04.2014 - 16:00

Sparer haben nichts zu befürchten, denn die Spareinlagen sind sicher - soweit die Theorie. Doch gilt die Entschädigung uneingeschränkt? Und welche Einlagen sind wirklich sicher?

Wie eine Welt ohne Einlagensicherung aussehen würde und welche Einlagensicherungsfonds es in Deutschland gibt, haben wir Ihnen in Teil 1 vorgestellt. Doch was bedeutet es für Verbraucher, keinen Rechtsanspruch auf die Einlagensicherung zu haben? Was wird sich durch die geplante Bankeunion ändern? Und welche Einlagen sind wirklich sicher? Erfahren Sie hier alle Hintergrundinformationen zu diesen Fragen.

Kein Rechtsanspruch – was bedeutet das?

Im Fall einer Bankenpleite ist das Geld der Kunden durch das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG) geschützt: Einlagen bis zu 100.000 Euro sind demnach sicher - der Rechtsanspruch besteht jedoch gegenüber der jeweiligen Entschädigungseinrichtung (siehe Graphik) und nicht gegenüber dem Staat.

Darüber hinaus besteht zusätzlich eine freiwillige Einlagensicherung der Banken - einen rechtlichen Anspruch darauf haben Kunden indes nicht. Dem Bundesverband Deutscher Banken zufolge hat das rein praktische Gründe: Könnte Verbraucher den Schutz einklagen, würde der Einlagensicherungsfonds als Versicherung gelten - entsprechend fiele eine Versicherungssteuer an und das Verfahren würde komplizierter und auch teurer. In Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium und der zuständigen Aufsicht wurde daher bei der Gründung des Fonds auf einen Rechtsanspruch verzichtet.

Der Bundesverband beruft sich darauf, im Ernstfall bisher jeden Verbraucher entschädigt zu haben und sich nie auf den nicht vorhandenen Rechtsanspruch berufen zu haben. Würde der Einlagensicherungsfonds auch nur in einem Fall nicht zahlen, wäre das gesamte System hinfällig, sagt etwa Lars Hofer, Pressesprecher des Bankenverbands. Die Bürger würden dem System nicht länger vertrauen.

Welche Einlagen sind wirklich sicher?

Aufbau der Einlagensicherung
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Die Bundeskanzlerin und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück entschieden sich im Jahr 2008 für das berühmte Zitat, da die befürchteten, dass die Verbraucher den Banken schlagartig das Kapital entziehen könnten, indem sie ihre Konten leerräumen. Die Einlagen sind sicher – das sollte die deutschen Anleger beruhigen. Doch stimmt das wirklich?

Seit dem Beginn des Jahres 2011 sind Einlagen bis zur Höhe von 100.000 Euro gesetzlich abgesichert. Sollte eine Bank also zahlungsunfähig sein, erhalten ihre Kunden innerhalb von maximal 30 Arbeitstagen ihr Geld bis zu dieser Obergrenze zurück. Hat der Kunde nur 20.000 Euro angelegt, erhält er natürlich auch nur 20.000 Euro zurück. Die Bank muss ihren Hauptsitz in Deutschland haben, wenn dieser Schutz greifen soll.

Einige hierzulande tätige Institute haben hingegen lediglich eine Niederlassung in Deutschland, den Hauptsitz jedoch im Ausland. Befindet sich dieser innerhalb der EU, müssen sich Verbraucher keine Sorgen machen: Auch hier sind Einlagen bis 100.000 Euro geschützt. In allen anderen Fällen sollten sich Bankkunden über die jeweilig gültige Einlagensicherung informieren, bevor sie ihr Geld anlegen.

Laut der Zeitung Die Welt wurde im Jahr 2008 jedoch bekannt, dass in den drei großen Einlagensicherungsfonds insgesamt lediglich 4,6 Milliarden Euro als Reserve vorgehalten wurden - die Einlagen von Privaten und Unternehmen hingegen betrugen hingegen rund 2,9 Billionen und damit etwa das 600-fache. Würde eine europaweite Bankenkrise ausbrechen, könnten die Fonds demnach nicht einmal annähernd mithalten.

Ein Sprecher des Bankenverbandes hält dem entgegen, dass sich die Finanzkraft eines Fonds nicht allein auf die Höhe der liquiden Mittel reduzieren lasse. Sollten diese Mittel nicht ausreichen, werden in der Regel die Kunden und Eigentümer der Bank zur Sanierung herangezogen – nicht der Steuerzahler. Zudem gilt noch immer das Prinzip „too big to fail“: Der Staat würde große Banken im Zweifelsfall nicht pleitegehen lassen, sagte etwa Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Was ändert sich durch die Bankenunion?

Tendenziell bringt die Bankenunion keine direkt spürbaren Änderungen mit sich. Der europäische Bankenmarkt werde durch die Bankenunion jedoch insgesamt sicherer  - Bankenpleiten seien somit insgesamt unwahrscheinlicher, sagte der Bankenverbandssprecher. Der Finanzexperte Jürgen Bott fügt hinzu, dass Bankkunden ab Januar 2016 deutlich später zur Kasse gebeten würden als früher, sollte ein Geldhaus in finanzielle Schieflage geraten.

Bott rät Anlegern jedoch generell dazu, ihre Spareinlagen aufzuteilen - vor allem dann, wenn das Kapital über 100.000 Euro liegt. Das Geld könne etwa im engsten Familienkreis oder auf verschiedene Kreditinstitute verteilt werden. Bei Geldtransfers in ein Land außerhalb der Euro-Zone müssten Verbraucher allerdings Wechselkursrisiken in Kauf nehmen.

Tipp: Verbraucher können auf der Homepage des Bankenverbands die Sicherungsgrenze ihrer Bank abfragen.

Lesen Sie in Teil 1 welche Einlagensicherungsfonds es in Deutschland gibt.

(bm)

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