0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Wie der Leitzins unseren Alltag beeinflusst

02.03.2015 - 16:00

Europäische Zentralbank, Leitzins und Inflation - alles nur Begriffe für Wirtschaftswissenschaftler und Finanzexperten? Stimmt nicht ganz, denn was sich abstrakt anhört, hat direkten Einfluss auf unseren Alltag.

Der EZB-Rat tagt zweimal im Monat, diesen Donnerstag ist es wieder soweit. Was Mario Draghi und die restlichen Mitglieder des obersten Beschlussorgans der Europäischen Zentralbank entscheiden, hat auch einen großen Einfluss auf unser tägliches Leben. Erfahren Sie hier die Hintergründe.

Was ist der Leitzins?

EZB-Symbol vor dem Hauptsitz der Europäischen Zentralbank
Die Europäische Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Notenbank für die gemeinsame Währung Europas.
Die Europäische Zentralbank verfügt über drei wichtige Zinssätze: Den Einlagesatz, den Spitzenrefinanzierungssatz und den Hauptrefinanzierungssatz – in den Medien auch Leitzins genannt. Dieser liegt aktuell bei 0,05 Prozent und damit so niedrig wie noch nie seit Bestehen der Europäischen Zentralbank.

 

Doch was genau bedeutet das? Die Banken der Eurozone können sich aktuell zu diesem Zinssatz Geld von der EZB leihen. Die Laufzeit dieser Kredite beträgt seit 2004 eine Woche – im Gegensatz etwa zum Spitzenrefinanzierungssatz, der nur für die Laufzeit eines Tages gilt. Der Leitzins ist das wichtigste geldpolitische Instrument der Europäischen Zentralbank.

Neben dem Leitzins hat die EZB noch weitere geldpolitische „Waffen“ zur Hand, beispielsweise das sogenannte Quantitative Easing. Diese, auch quantitative Lockerung genannte, Maßnahme bezeichnet den Ankauf von Staatsanleihen. Ab kommendem Montag kauft die Notenbank monatlich Schuldtitel im Wert von 60 Milliarden Euro. Sowohl mit der Höhe der Leitzinsen als auch mit dem Quantiative Easing verfolgen die Währungshüter das gleiche Ziel.

Was ist das Ziel der Europäischen Zentralbank?

Die Europäische Zentralbank verfolgt ein vorrangiges Ziel: Die Preisstabilität. Konkret möchte die Notenbank die Inflationsrate in der Eurozone bei einem Wert von unter, aber nahe zwei Prozent halten. Dieses Ziel wurde im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, dem sogenannten AEU-Vertrag, festgelegt. Um dieses Ziel zu erreichen, trifft der EZB-Rat seine Beschlüsse auf Grundlage einer Zwei-Säulen-Strategie und setzt sie mittels seines Handlungsrahmens um. Das Verhältnis von Geld- und Gütermenge soll durch die Maßnahmen der Währungshüter in Einklang gebracht werden.

 

Die Preisstabilität ist das oberste Ziel der Notenbank. Sofern dieses nicht gefährdet ist, unterstützt die EZB zudem die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Europäischen Union. Diese sieht ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum und eine wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft vor, die auf Vollbeschäftigung abzielt.

Warum ist der Leitzins momentan so niedrig?

Da der Leitzins so niedrig ist, können sich Banken sehr günstig Geld von der Europäischen Zentralbank leihen. Dies soll die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen befeuern. Dem Markt soll so Liquidität zugeführt werden. Wenn sich mehr Geld im Markt befindet - man spricht hier von der sogenannten nachfragewirksamen Geldmenge - sich gleichzeitig die Gütermenge aber nicht verändert, steigen die Preise. So jedenfalls die Theorie.

 

Die Weltwirtschaftskrise 2007 und die seit 2009 bestehende Eurokrise können als Auslöser der aktuellen Niedrigzinsphase betrachtet werden. Während der Krise wurden daher Maßnahmen ergriffen, um das Eurosystem zu stützen. Während der Leitzins beispielsweise im Juli 2008 noch bei 4,25 Prozent lag, wurde er im Anschluss immer weiter abgesenkt, schon im Mai 2009 lag er bei nur mehr einem Prozent - und liegt seit September 2014 nun auf seinem historischen Tiefstand von 0,05 Prozent. Die Niedrigzinsphase birgt auch Gefahren: Niedrige Zinsen können einen Einfluss auf die Finanzmarktstabilität haben.

Wie beeinflusst der Leitzins unseren Alltag?

Sparer sind die Leidtragenden der Niedrigzins- phase. Doch mit einem Vergleich verschiedener Anlageprodukte lässt sich auch heute noch eine relativ gute Rendite erzielen.

Tatsächlich hat der Leitzins einen immensen Einfluss auf unseren Alltag, auch wenn wir das oft nicht direkt bemerken. Einerseits beeinflusst er die Entwicklung der Inflationsrate in Deutschland und der Eurozone. Das Preisniveau sinkt oder steigt und Einkaufen wird günstiger oder teurer.

Andererseits beeinflusst die Geldpolitik der EZB auch den Wechselkurs des Euro. Wer eine Urlaubsreise außerhalb der Eurozone plant, bemerkt hier schnell die Konsequenzen. Je nach Wechselkurs wird der Urlaub dann zum Schnäppchen oder zum teuren Spaß. Der Kurs des US-Dollar lag beispielsweise noch im Februar 2014 bei einem Wert von über 1,37 (Stand 26.2.2014) und liegt ein Jahr später (Stand 26.2.2015) bei rund 1,12. Ein Hotelzimmer für 100 US-Dollar kostet heute plötzlich 89 Euro während es vor zwölf Monaten noch rund 73 Euro gewesen wären.

Darüber hinaus orientieren sich Geldhäuser bei der Festlegung ihrer Zinsen für Finanzprodukte ebenfalls am Leitzins. Egal ob Tagesgeldkonto oder Ratenkredit, die Zinsen sind abhängig vom Hauptrefinanzierungssatz der EZB. Sinkt der Leitzins, werden im weiteren Zeitverlauf in der Regel auch Spar- und Kreditzinsen nach unten angepasst.

Einfluss des Leitzinses auf Spar- und Kreditzinsen

Betrachtet man beispielhaft die Zinsentwicklung der Finanzprodukte Kredit und Tagesgeld im Zeitverlauf und vergleicht diese mit der Entwicklung des Leitzinses, wird der Einfluss der EZB auf unseren Alltag deutlich: Der durchschnittliche Tagesgeldzins privater Haushalte sank von 2,09 Prozent im Oktober 2008 im Dezember 2010 auf den Wert 0,71 und lag im November 2014 bei nur noch 0,26 Prozent.

Im Schnitt sind die durchschnittlichen Sparzinsen auf täglich fällige Einlagen also zwischen 2008 und 2014 um rund 90 Prozent gefallen. Im Zeitraum zwischen 2010 bis zum 1. Halbjahr 2014 fielen die Kreditzinsen einer Studie von CHECK24 zufolge um ein Drittel.

Was Kreditnehmer freut, bereitet Sparern eher Sorgen. Doch selbst in der aktuellen Niedrigzinsphase ist es möglich, eine passende Geldanlage zu finden - man muss nur wissen wie. Wer eine sehr sichere Anlageform sucht, ist bei Tagesgeld- und Festgeldkonten an der richtigen Adresse. Die Ersparnisse sind hier über die gesetzliche Einlagensicherung bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt. Künftig können auch besonders schutzwürdige Einlagen von bis zu 500.000 Euro über den Zeitraum von sechs Monaten geschützt werden.

Um ein passendes Tagesgeldkonto zu finden, sollten Verbraucher auf den Realzins - also den Tagesgeldzins abzüglich der Inflationsrate - achten. Einen guten Anhaltspunkt bietet hier der sogenannte Sparerindex: Dieser zeigt auf einen Blick, welche Rendite sich aktuell mit dem bestverzinsten Tagesgeldkonto verdienen lässt.

Wie wird das Geld an die Banken der Eurozone vergeben?

Die Geldvergabe erfolgt im sogenannten Zinstenderverfahren. Die Geschäftsbanken geben dabei Gebote ab. In der Regel werden diese von Montagnachmittag bis Dienstagmorgen gesammelt. Die Banken, die für Liquidität die höchsten Zinssätze bieten, werden dann von der EZB zuerst bedient. Im Anschluss folgen jene Banken mit den nächsthöheren Zinssätzen, solange bis der gesamte Zuteilungsbetrag ausgeschöpft ist. Die Banken des Eurosystems zahlen nicht nur einen bestimmten Zinssatz an die Europäische Zentralbank, sondern hinterlegen zugleich auch Sicherheiten bei der Notenbank. Nach der Laufzeit von einer Woche zahlen die Banken die Kredite zurück und erhalten die hinterlegten Vermögenswerte wieder.
(bm)

Weitere Artikel: