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Das ändert sich für Sparer im neuen Jahr (Teil 2): Kirchensteuerabzug ab sofort automatisch

17.11.2014 - 12:00

Ab dem 1. Januar 2015 führen Banken die Kirchensteuer für Kapitalerträge automatisch ab. Welche Folgen hat die neue Regelung für Sparer? Und: Gibt es ein Mittel, um sich gegen den automatischen Abzug zu wehren?

Sparer konnten bislang selbst entscheiden, ob sie ihrer Bank die Religionszugehörigkeit bekanntgeben und diese die Kirchensteuer direkt abführt – oder ob die Steuer erst bei der Einkommenssteuererklärung abgezogen werden sollte. Ab sofort gibt es keine Wahlmöglichkeit mehr: Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird ab dem 1. Januar 2015 genau wie die Abgeltungssteuer direkt als Quellensteuer von der jeweiligen Bank an das zuständige Finanzamt abgeführt. Kunden können der Weitergabe dieser Informationen über ihre Religionszugehörigkeit zwar widersprechen – um die Steuerpflicht kommen sie dadurch aber nicht herum.

Wann muss ich die Kirchensteuer für Kapitalerträge zahlen?

Die neue Regelung zum automatischen Kirchensteuerabzug betrifft alle Sparer, die über den Freibetrag hinausgehende Zinserträge, Dividenden oder andere Kapitaleinkünfte erwirtschaften. Wird der Freibetrag in Höhe von 801 Euro pro Jahr bei Alleinstehenden und 1.602 Euro bei Verheirateten überschritten, muss die sogenannte Abgeltungssteuer gezahlt werden.

Die Abgeltungssteuer beträgt in Deutschland pauschal 25 Prozent zuzüglich des Solidaritätszuschlags von 5,5 Prozent und damit insgesamt 26,38 Prozent. Je nach Bundesland und Religionszugehörigkeit werden auf diesen Prozentsatz gegebenenfalls noch acht oder neun Prozent Kirchensteuer aufgeschlagen. Für Kapitalerträge, die den Sparer-Pauschbetrag nicht überschreiten, kann und sollte der Bank ein Freistellungsauftrag erteilt werden. Die Abgeltungssteuer wird dann nicht abgeführt.

Liegen die Kapitalerträge – beispielsweise die Zinserträge auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto – über dem Pauschbetrag, wird die Kirchensteuer fällig. Anhand des folgenden Rechenbeispiels sehen Sie auf einen Blick, wie sich die Steuer auf Kapitalerträge bei der Mitgliedschaft in der evangelischen oder katholischen Kirche zusammensetzt. Acht Prozent Kirchensteuer werden in Bayern und Baden-Württemberg fällig, neun Prozent in allen anderen Bundesländern.

ohne KiSt.KiSt. 8%KiSt. 9%
Summe der Anlage100.000 €
Zinsen2,50%
Ertrag aus Zinsen p.a.2.500,00 €
Sparerfreibetrag801,00 €
Versteuerungspflichtig1.699,00 €
Abgeltungssteuer in %25%24,5098%24,4499%
Abgeltungssteuer in €424,75 €416,42 €415,40 €
Solidaritätszuschlag 5,5%23,36 €22,90 €22,85 €
Kirchensteuer0,00 €33,31 €37,39 €
Steuerabzüge gesamt448,11 €472,63 €475,64 €
Die Kirchensteuer ist sonderabzugsfähig und senkt daher das zu versteuernde Einkommen. Das ist auch der Grund, weshalb die Abgeltungssteuer prozentual gesehen bei Menschen, die Kirchensteuer bezahlen, einen geringeren Anteil an der Bemessungsgrundlage hat.

Ist ein Sperrvermerk wirklich sinnvoll?

Kein Schummeln mehr möglich: Ab 2015 wird die Kirchensteuer für Kapitalerträge direkt von der Bank ans Finanzamt abgeführt.
Wer gegen den automatischen Kirchensteuerabzug etwas tun will, dem bleibt – neben dem Austritt aus der Kirche – nur eine Chance: Der Sperrvermerk.

Dem automatisierten Datenabruf der Religionszugehörigkeit können Bundesbürger unter Angabe ihrer Steueridentifikationsnummer beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) widersprechen. Unterm Strich hat der Sperrvermerk allerdings keine Auswirkung darauf, ob jemand Kirchensteuer zahlen muss oder nicht. Früher gab es da ein Schlupfloch: Wer seiner Bank die Konfession nicht mitteilte, musste die Anlage KAP in der Steuererklärung ausfüllen und den Kirchensteueranteil auf die Abgeltungssteuer so abführen.

Das unterließen aber viele Deutsche, wie der Geschäftsführer vom Verband der Lohnsteuerhilfevereine Uwe Rauhöft gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte. Der evangelischen und katholischen Kirche entgingen damit Schätzungen zufolge insgesamt 480 Millionen Euro jährlich. Das soll mit der neuen Regelung künftig verhindert werden. Zum Vergleich: Insgesamt verdienten die Kirchen im Jahr 2014 elf Milliarden Euro an Steuergeldern.

Sollte die pauschale Abgeltungssteuer, wie von der SPD gefordert, gekippt werden, könnte sich damit auch der automatische Kirchensteuerabzug auf Kapitalerträge hinfällig werden. Die Sozialdemokraten fordern, die pauschale Abgeltungssteuer abzuschaffen, da sich die Voraussetzungen seit Einführung dieser Steuer im Jahr 2009 grundsätzlich geändert haben.

Carsten Schneider, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, sagte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass die Abgeltungssteuer 2009 eingeführt wurde, als kaum zu kontrollieren war, ob Unternehmen und Privatleute ihr Vermögen am Fiskus vorbei ins Ausland schleusten. Mit dem globalen Standard zum automatischen Informationsaustausch, das rund 50 Staaten unterzeichneten, falle diese Problematik nun weg. Somit könne auch die pauschale Abgeltungssteuer abgeschafft werden. Jeder Bürger solle seinen persönlichen Steuersatz zahlen, so der Politiker weiter.

Das ändert sich für Sparer im neuen Jahr (Teil 1): Einlagensicherungsgrenzen werden gesenkt

(bm)

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