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Teurer Strom für die Wärmepumpe: Verbraucherschützer empfehlen Beratung

24.05.2012 - 17:25

Die Wärmepumpe ist seit Jahren beliebt bei Hausbesitzern und Bauherren. Hersteller und Verkäufer versprechen eine hohe Effizienz sowie niedrige Betriebskosten. Doch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt: Die Anlagen lohnen sich nicht in jedem Fall. Interessenten sollten sich unabhängig beraten lassen, um böse Überraschungen auf der Stromrechnung zu vermeiden.

Wärmepumpen liegen im Trend. In Neubauten entscheidet sich mittlerweile fast jeder vierte Bauherr für eine solche Anlage. In vielen Fällen kann das auch eine sinnvolle Entscheidung sein: Die Geräte arbeiten sehr effektiv - mit einer eingesetzten Kilowattstunde werden mehrere Kilowattstunden Heizenergie gewonnen. Im Prinzip funktioniert eine Wärmepumpe wie ein Kühlschrank: Sie entzieht einer relativ kühlen Seite Wärme - bei der Gebäudeheizung meist dem Boden, Grundwasser oder der Umgebungsluft - und gibt sie auf der anderen, wärmeren Seite wieder ab.

Die Wärmepumpe muss die Verluste bei der Stromproduktion ausgleichen

Allerdings: Die Wärmepumpe läuft in der Regel mit Strom. Der stammt nach wie vor zu großen Teilen aus fossilen Kraftwerken, die mit einem niedrigen Wirkungsgrad arbeiten. Ökologisch sinnvoll ist eine Wärmepumpe daher nur, wenn sie unter optimalen Bedingungen arbeitet und diese Verluste mehr als ausgleichen kann. Entscheidend ist die sogenannte Jahresarbeitszahl, die angibt, in welchem Verhältnis die eingesetzte Energie (Strom) und die gewonnene Nutzenergie (Heizwärme) stehen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz rechnet vor, dass Wärmepumpen erst ab einer Jahresarbeitszahl von mehr als 3 die Umwelt entlasten.

Bei der Angabe der Jahresarbeitszahl sollten sich Interessenten nicht allein von den Laborwerten in den Verkaufsprospekten blenden lassen. Entscheidend sind im praktischen Betrieb zwei Faktoren: Die Temperatur der Quelle - Luft, Wasser oder Erdreich - und die Temperatur, mit der die Wärme abgegeben wird. Je größer die Differenz, desto geringer die Effizienz der Wärmepumpe. Das bedeutet: Sinnvoll betreiben lassen sich Wärmepumpen vor allem an Heizsystemen, die mit niedriger Vorlauftemperatur arbeiten, also Fußboden- oder Wandheizungen.

Der Wärmepumpenstrom entscheidet über die Wirtschaftlichkeit

Nötig für einen effizienten Betrieb ist zudem die Möglichkeit, auf dem Grundstück eine ausreichend große Erdwärmesonde zu verlegen oder das Grundwasser zu nutzen. Entnimmt die Wärmepumpe die Heizenergie dagegen aus der Umgebungsluft, sinkt die Effizienz genau dann, wenn viel Wärme benötigt wird: an besonders kalten Tagen. Die Umwelt wird so nicht mehr entlastet. Für einen finanziell lohnenden Betrieb ist aber auch noch etwas anderes entscheidend: der Strompreis.

Die meisten Standard-Stromverträge schließen die Belieferung von Wärmepumpen aus. In der Regel sind Kunden daher auf den Wärmepumpentarif des örtlichen Grundversorgers angewiesen, ein Stromanbieterwechsel ist nicht möglich. Diese Spezialtarife wurden in den vergangenen Jahren spürbar teurer und näherten sich den gewöhnlichen Stromtarifen preislich an. Da der Wärmepumpenstrom auch deutlich teurer ist als Gas, lohnt sich eine Wärmepumpe vor allem bei einem relativ geringen Energiebedarf, zum Beispiel in Niedrigenergiehäusern.

Tipps und Beratung für Interessenten

Beim Einbau einer Wärmepumpe ist es zum einen ratsam, die Anlage über einen separaten Zähler zu versorgen. Denn wenn der Haushaltsstrom über einen eigenen Stromzähler abgerechnet wird, kann mit diesem Zähler der Stromanbieter gewechselt werden. Dadurch besteht zumindest bei diesem Teil des Strombedarfs keine Bindung an den Grundversorger und die Sparmöglichkeiten durch einen günstigeren Versorger können genutzt werden. Zum anderen sollten sich Interessenten gründlich von Fachleuten beraten lassen, ob eine Wärmepumpe für ihr Gebäude überhaupt in Frage kommt.

(mb)

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