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Umfrage: Hohes Interesse am Smart Meter - wenn keine Mehrkosten anfallen

10.07.2012 - 14:17

Intelligente Stromzähler, so genannte Smart Meter, stoßen bei den Kunden auf großes Interesse. Mehrkosten wollen mehr als drei Viertel der Verbraucher für die neue Technologie aber nicht in Kauf nehmen. Das zeigt eine Umfrage von CHECK24, die gemeinsam mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführt wurde. Mit rund 8.000 Befragten war es die bisher größte Erhebung zu diesem Thema.

Smart Meter sollen in den kommenden Jahren den Strommarkt revolutionieren. Die Geräte, die die herkömmlichen schwarzen Stromzähler ersetzen sollen, erfassen den Stromverbrauch digital - und können damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie bieten detaillierte Verbrauchsdaten und können so beim Aufspüren von Stromfressern und beim Stromsparen helfen. Und sie ermöglichen im Zusammenspiel mit entsprechend ausgerüsteten Geräten und Leittechnik eine intelligente Steuerung des Stromnetzes.

Auf dem Weg zum intelligenten Stromnetz

Beispielsweise sollen sie Kühlaggregate oder Waschmaschinen genau dann einschalten, wenn Strom im Überfluss vorhanden und billig ist. Dadurch könnte die schwankende Stromproduktion der erneuerbaren Energien optimal ausgenutzt sowie der Ausbaubedarf des Stromnetzes reduziert werden. Digitale Zähler müssen laut Paragraph 21 des Energiewirtschaftsgesetzes bei Neubauten, größeren Renovierungen und bestehenden Gebäuden mit einem Verbrauch von mehr als 6.000 kWh pro Jahr eingebaut werden - derzeit allerdings noch ohne Vernetzung mit dem Versorger.

Bei den potentiellen Kunden stößt die die Technik auf positive Resonanz: Mehr als zwei Drittel bekunden Interesse an den Hightech-Stromzählern. Zumindest, wenn man ihnen erst einmal erklärt, worum es geht: 64 Prozent der Befragten hatten vor der Umfrage noch nie von der Technologie gehört. Allerdings ebbt die Begeisterung schnell ab, wenn es ans Zahlen geht. Denn Mehrausgaben wollen 77 Prozent der Studienteilnehmer nicht akzeptieren. Damit stellen die Kosten eine bedeutende Hürde für die Smart Meter dar - bisher lassen sich die Versorger ihren Einbau deutlich teurer bezahlen als den eines herkömmlichen Stromzählers. Hinzu kommt häufig eine erhöhte monatliche Grundgebühr.

Derzeit meist keine finanziellen Vorteile durch Smart Meter

Geld sparen lässt sich mit einem Smart Meter dagegen noch kaum. Es fehlt an geeigneten Stromtarifen. Erhältlich sind bislang lediglich zeitvariable Tarife, die - unabhängig von Angebot und Nachfrage - nachts oder am Wochenende günstigere Strompreise bieten. Solche Tarife lassen sich aber auch mit einem herkömmlichen, günstigeren Zweitarifzähler nutzen. Viele Verbrauchsanteile - etwa durch Kochen - lassen sich zudem ohnehin nicht in die Nacht verschieben. Lastvariable Tarife, die Stromkunden dafür belohnen, wenn sie genau dann viel verbrauchen, wenn ein Stromüberschuss im Netz vorhanden ist, gibt es dagegen noch nicht. Und die Strommengen, die allein aufgrund der detaillierteren Verbrauchsaufzeichnungen eingespart werden können, rechtfertigen die Mehrkosten eines Smart Meters aus wirtschaftlicher Sicht nicht.

Hinzu kommt: Um im intelligenten Stromnetz der Zukunft mit Geräten und Versorger kommunizieren zu können, benötigen die Digital-Zähler einen ständig verfügbaren Internetanschluss, der - sofern noch nicht vorhanden - für weitere Kosten sorgt. Datenschützer melden außerdem ebenfalls Bedenken an: Die präzisen Messdaten der Smart Meter ermöglichen nicht nur Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Anschlussnutzer - bis hin zum genutzten Gerät. Es besteht auch die Gefahr, dass die Daten unbefugten Dritten in die Hände fallen.

Kein Wunder: Smart Meter ist kein Verkaufsschlager

Weil die Geräte, Datenformate und Schnittstellen noch nicht ausreichend genormt sind, entsteht weiter das Problem, dass Smart Meter den Wechsel zu einem anderen Versorger erschweren können - im Extremfall wirkt die neue Technik daher als Wettbewerbshindernis. Kein Wunder also, wenn Smart Meter trotz des vorhandenen Interesses noch nicht zum Verbrauchsschlager avanciert sind.

(mb)

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