0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Teldafax-Insolvenz: Vor einem Jahr ging der Stromanbieter pleite

14.06.2012 - 09:45

Es war eine Premiere, an die sich sicher keiner der Beteiligten gerne erinnern wird: Am 14. Juni 2011 meldete mit Teldafax erstmals seit der Liberalisierung des Energiemarktes ein Gas- und Stromanbieter Insolvenz an. Die Pleite ist - gemessen an der Zahl der Gläubiger - bis heute die größte in der Geschichte der Bundesrepublik. Sie ist eine Mahnung an Verbraucher und Energieanbieter, nicht ausschließlich auf den Preis zu schauen. Dennoch: Die überwiegende Mehrzahl der Angebote ist solide.

Mit dem Gang zum Insolvenzgericht Bonn leiteten die Verantwortlichen bei Teldafax am 14. Juni 2011 das Aus für den angeschlagenen Discount-Versorger ein. Schon lange hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass Teldafax schwer angeschlagen sei. Von einem Schneeballsystem war die Rede. Teldafax könne nur noch aufgrund der Vorauszahlungen von Neukunden überleben. Belastbare Beweise für eine Überschuldung, die es CHECK24 ermöglicht hätten, die Tarife des Troisdorfer Unternehmens aus dem Vergleichsrechner zu nehmen, gab es aber nicht. Auch eine Nachfrage bei der Bundesnetzagentur lieferte keine Begründung, die einen derartigen Schritt rechtfertigen hätte können.

Schwarzer Freitag für Teldafax-Kunden

Am 17. Juni 2011, einem Freitag, kündigte der vorläufige Insolvenzverwalter das Ende der Strom- und Gaslieferungen an. Hunderttausende Verbraucher rutschten in die teure Grundversorgung - und müssen bis heute um ihre Vorauszahlungen, Kautionen und Guthaben bangen. Die Aufarbeitung im Zuge des Mammut-Insolvenzverfahrens, das im September 2011 eröffnet wurde, ist noch lange nicht abgeschlossen. Der Insolvenzverwalter berichtete von chaotischen Zuständen, einer nicht aktuellen Buchhaltung sowie Bergen ungeöffneter Kundenpost. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen mehrere Manager und Verantwortliche des Unternehmens wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des gewerbsmäßigen Betrugs.

Der Fall Teldafax zeigt: Auch auf dem Energiemarkt gibt es schwarze Schafe - und das billigste Angebot muss nicht in jedem Fall das beste sein. Ein Jahr danach hat sich aber auch gezeigt: Es gibt keine Massenpleite von billigen Stromanbietern. Nach Teldafax ist nur noch ein weiterer Energieversorger in die Pleite gerutscht - und das aus völlig anderen Gründen: Bei der kleinen Ulmer Genossenschaft Energen Süd wurden die Strompreise falsch kalkuliert. Der Fehlbetrag konnte mangels Rücklagen nicht ausgeglichen werden.

Wettbewerb bei Strom und Gas ist wichtig

Festzuhalten bleibt auch: Ohne Wettbewerb unter den Gas- und Stromanbietern wäre das Preisniveau höher. Das ist gerade in Zeiten wichtig, in denen die Stromkosten aufgrund zunehmender Abgabenlast steigen - und in denen weitere Preissteigerungen zu erwarten sind. Trotz der hohen Zahl an Betroffenen der Teldafax-Insolvenz gilt auch weiterhin: Die überwiegende Mehrzahl der Verbraucher spart nach einem Anbieterwechsel bares Geld - und die meisten dieser Kunden sind zufrieden, wie ein Blick auf die Kundenbewertungen auf CHECK24.de zeigt.

Nicht einfach das billigste Angebot abschließen, sondern vorher die Kommentare anderer Kunden lesen oder sich im Internet kurz über den in Frage kommenden Anbieter informieren - diese Regel sollten aber spätestens seit der Teldafax-Pleite alle Verbraucher verinnerlicht haben. Auch CHECK24 als Verbraucherportal hat Konsequenzen gezogen. Angebote mit Vorauskasse werden nun besser gekennzeichnet. Verbraucherschutzrichtlinien schützen Nutzer vor überhöhten Boni und anderen möglichen Tricks, die ein Angebot billiger aussehen lassen, als es ist.

Bundesnetzagentur: Aufsichtsbehörde schweigt

Zudem wird regelmäßig und schriftlich eine Anfrage an die Bundesnetzagentur gerichtet, ob Zweifel an der Leistungsfähigkeit oder Zuverlässigkeit einzelner Anbieter bestehen. Laut Paragraph 5 des Energiewirtschaftsgesetzes könnte die Aufsichtsbehörde ihnen in diesem Fall die weitere Tätigkeit untersagen. Schließlich will CHECK24 einerseits Pleitekandidaten aussortieren und Nutzer vor derartigen Angeboten schützen - aber andererseits alle verfügbaren Tarife anzeigen, um Transparenz zu schaffen. Diese Aufgabe ist nicht einfach: Eine Antwort der Bundesnetzagentur ging bisher nicht ein.

(mb)

Update 14.6., 10:30 Uhr: Inzwischen ging eine Antwort der Aufsichtsbehörde ein. In dem Schreiben der Bundesnetzagentur heißt es, die Behörde nehme "keine fortlaufende Überprüfung des Fortbestehens der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit eines Energielieferanten vor". Verbraucher seien über die Grundversorgung jedoch im Fall der Insolvenz eines Anbieters besser abgesichert als in vielen anderen Lebensbereichen. Die Bundesnetzagentur rät darüberhinaus zu einer besonders kritischen Prüfung von Vorauskasse-Verträgen.

Weitere Artikel: