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Arm durch hohe Strompreise: Verbraucherschützer schlagen Alarm

30.04.2012 - 11:07

Angesichts der hohen und immer weiter steigenden Strompreise schlagen Verbraucherschützer Alarm: Immer mehr Haushalte sitzen auf unbezahlten Stromrechnungen. Eine Lösung des Problems scheint aber nicht in Sicht: Die Akteure drücken sich vor der unangenehmen Wahrheit.

Energiearmut ist zum Alltagsproblem geworden, warnt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung kämpften damit, die stetig steigenden Energiekosten zu finanzieren, so der Verbraucherschützer gegenüber der „Welt am Sonntag“. 600.000 Haushalten in Deutschland werde jährlich wegen offener Rechnungen der Strom abgedreht. In den vergangenen Jahren stieg der Strompreis stets schneller als die Lebenshaltungskosten. Eine Entspannung scheint nicht in Sicht: Alle Experten rechnen mit weiter steigen Strompreisen - die Frage ist eigentlich nur, wie stark.

Viele Vorschläge - keine Abhilfe

Politiker und Energieversorger überbieten sich angesichts der Probleme nun mit Vorschlägen, wie einkommensschwachen Stromkunden zu helfen wäre. So fordert Christian Lindner, FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, auf Focus Online neue Kohle- und Gaskraftwerke und eine dauerhafte Kontrolle der Wirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Nur: Strom aus Gaskraftwerken ist schon heute vergleichsweise teuer. Mittelfristig wird auch der Preis für Kohlestrom steigen. Und Klimaziele lassen sich so auch nicht einhalten - ganz zu schweigen von Anwohnerprotesten, die neue Kohleprojekte wie in Datteln lahmlegen.

Andere - wie der E.ON-Chef Johannes Teyssen im vergangenen Monat - verlangen Stromkostenzuschüsse für Geringverdiener. Ein durchsichtiges Manöver, das nur kurzfristig helfen würde: Das Geld würde direkt in die Kassen der Stromkonzerne fließen, die Wirkung wäre bei der nächsten Preiserhöhung bereits verpufft. Auch die Hoffnung von Befürwortern der erneuerbaren Energien, Sonne und Wind könnten schon bald zu sinkenden Strompreisen führen, scheint wenig realistisch.

Egal ob Kohle oder Sonne - Strom wird teurer

So fallen in Sonnen- oder Windkraftwerken zwar keine Brennstoffkosten an und es müssen keine Emissionszertifikate gekauft werden. Und schon jetzt ist sichtbar, dass der Sonnenstrom mittags an sonnigen Tagen die Preise für Spitzenlaststrom drückt. Davon profitieren aber nur Industriekunden und Stromversorger, die sich an der Energiebörse eindecken. Haushaltskunden spüren davon aber nichts - im Gegenteil: Sie zahlen einen festen Strompreise, gleichzeitig steigt für sie die EEG-Umlage. Denn die Differenz zwischen Börsenstrompreis und garantierter Einspeisevergütung wächst, wenn der Strom billiger wird - und das müssen die Verbraucher über die Umlage ausgleichen.

Hinzu kommt: Immer mehr energieintensive Betriebe werden von den Netzkosten und der EEG-Umlage entlastet - das steigert die Belastung der restlichen Stromkunden. Und auch die Energiewende wird nicht umsonst zu haben sein. Es spricht also alles dagegen, dass Strom auf absehbare Zeit billiger werden wird. Dieser unangenehmen Tatsache müssen sich Verbraucher und Verantwortliche stellen. Deswegen die Energiewende abzusagen, wäre aber auch falsch: Dann würden auf lange Sicht die Strompreise mit den Kosten für die knapper werdenden fossilen Energien nach oben schießen.

Weniger für Strom zahlen: Anbieter wechseln und sparen

Ein Ausweg aus der Kostenfalle wird dennoch für viele Haushalte gebraucht. Der einfachste Weg: den Stromanbieter wechseln. So lassen sich Einsparungen von bis zu 500 Euro pro Jahr erreichen und der Wettbewerb auf dem Strommarkt ankurbeln. Das gilt aber leider gerade für Verbraucher mit besonders geringen Einkommen nicht: Sie fallen durch die Bonitätsprüfung, die bei zahlreichen Anbietern zum Standard geworden ist, und sind daher auf die teureren Tarife angewiesen.

Das einzige, was ihnen wirklich helfen kann, ist deshalb Strom sparen. Zuschüsse zu energiesparenden Geräten oder zu Energieberatungen für Geringerverdiener werden - anders als Stromkostenzuschüsse - nur einmal fällig, wirken aber dauerhaft: Nicht verbrauchter Strom muss nicht bezahlt werden. Gleichzeitig sinken mit dem Stromverbrauch auch die Kosten des Netzausbaus und der Energiewende. Und die Entwicklung der Strompreise verliert ihren Schrecken.

(mb)

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