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Strompreise: Experten erwarten starken Anstieg durch Atomausstieg

14.04.2011 - 11:49

Die Strompreise könnten durch einen raschen Atomausstieg um bis zu 15 Prozent steigen, befürchten Experten mehrerer Forschungsinstitute. Bundesumweltminister Röttgen geht dagegen nur von einem Minimalen Preisaufschlag aus. Das Bundeskartellamt rechnet zudem mit mehr Wettbewerb bei der Energieerzeugung, wenn die Atommeiler abgeschaltet werden.

Knapp einen Monat nach dem Start des Kernkraft-Moratoriums sind die Deutschen so schlau wie am Anfang: Es scheint völlig offen, welche Entwicklung die Strompreise bei einem schnelleren Ausstieg aus der Atomenergie nehmen werden. Die Augsburger Allgemeine hat jetzt mehrere Energieexperten befragt - und Hiobsbotschaften für Verbraucher und Wirtschaft geerntet. Im ungünstigsten Szenario könnten die Verbraucherpreise um bis zu 15 Prozent steigen, rechnet beispielsweise der Analyst Tobias Federico von der Berliner Energieunternehmensberatung Energy Brainpool vor.

Höhere Kosten für Kohle, Gas und EEG-Förderung

Auch der Professor für Energieökonomik der Universität Bochum, Manuel Frondel, geht von deutlich höheren Preisen aus. Der Grund: Die EEG-Umlage werde steigen, wenn mehr erneuerbare Energien genutzt würden, zudem seien die Stromproduktionskosten von Kohle- und Gaskraftwerken deutlich teurer als die von AKWs. Und die Preise für Kohle und Gas dürften steigen, wenn sie vermehrt zur Stromerzeugung benutzt werden. Allerdings: Zunehmende Mengen an erneuerbaren Energien könnten diese Kosten wieder dämpfen. Außerdem sinkt die EEG-Umlage, wenn die Börsenpreise für konventionellen Strom steigen. Und die Förderung könnte schneller zurückgefahren werden, wenn der Ausbau schneller vorangeht. Zudem produzieren Atomkraftwerke nur auf den ersten Blick besonders billig - der Steuerzahler muss für Risiken und Folgekosten haften.

Der Bundesumweltminister machte deshalb am Wochenende eine andere Rechnung auf. Norbert Röttgen erwartet allenfalls moderate Erhöhungen: Um 0,1 bis 0,9 Cent werde sich die Kilowattstunde verteuern, zitierte die Passauer Neue Presse den Minister. Das Umweltbundesamt geht sogar von der Möglichkeit eines kosten- und CO2-neutralen Atomausstiegs bis 2017 aus. Und das Bundeskartellamt hofft auf eine Entflechtung im Energieerzeugungsmarkt, der derzeit von den vier großen Atomkonzernen dominiert wird. Das Aus für die Atommeiler biete anderen Anbietern Chancen, in diese Lücke zu stoßen. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Vorwürfe gegeben, die Betreiber würden absichtlich Kraftwerke abschalten und den Strompreis künstlich hochtreiben - beweisen konnten das die Kritiker wegen der komplizierten Marktstrukturen aber nie.

Nötig sind Milliardeninvestitionen

Doch selbst wenn die Kosten einer Stromversorgung ohne Atomkraft nicht wesentlich höher wären - zuerst muss kräftig investiert werden: Ein Sechs-Punkte-Plan von Röttgen und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sieht Milliardeninvestitionen in Windparks und neue Stromleitungen vor, die entweder von den Stromverbrauchern oder den Steuerzahlern aufgebracht werden müssten. Immerhin: Die Bereitschaft dazu wäre da. Die Deutschen sind laut aktuellen Umfragen bereit, für einen schnelleren Atomausstieg auch ein bisschen mehr zu bezahlen. Bleibt zu hoffen, dass sie das immer noch so sehen, wenn ihr Wunsch tatsächlich umgesetzt wird. Immerhin: Aktuell schließen die Deutschen so viele Ökostrom-Tarife ab wie noch nie. Unbezahlbar sind die übrigens nicht.

(mb)

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