0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Stromausfall: Schäden rasch beim Netzbetreiber melden

18.07.2011 - 17:50

Der Gefrierschrank abgetaut, die Zierfische im Aquarium eingegangen, das Internet-Modem kaputt: Ein längerer Stromausfall kann kostspielige Schäden nach sich ziehen. Verbraucher sollten sie rasch dem Netzbetreiber melden - denn der muss in den meisten Fällen für ungenießbaren Fischstäbchen, tote Goldfische und durchgebrannte Internethardware haften.

Ohne Strom läuft nicht viel in Deutschland. Ein Blackout ist so etwas wie der Herzinfarkt moderner Gesellschaften. Zu sehen war das erst vor kurzem in Hannover. Und die Wahrscheinlichkeit großer Stromausfälle steigt nach Meinung vieler Experten: Im deutschen Stromnetz gibt es einen erheblichen Ausbaubedarf, während die Belastung der Leitungen durch Atomausstieg und erneuerbare Energien steigt. Gut zu wissen, dass Verbraucher mögliche Schäden wenigstens bei ihrem Netzbetreiber einfordern können. So regelt es die Netzanschlussverordnung.

Schäden zeitnah melden

Der Bund der Energieverbraucher rät: Um den Anspruch geltend zu machen, sollte möglichst zeitnah eine Meldung an den Netzbetreiber erfolgen, dass durch den Stromausfall ein Schaden eingetreten ist. Die genaue Höhe kann später nachgereicht werden. Netzbetreiber sind meist die örtlichen Stadtwerke, häufig ist der Netzbetreiber auch auf einer Plakette auf dem Stromzähler angegeben. Auch beim eigenen Stromanbieter kann der zuständige Netzbetreiber erfragt werden. Der Stromanbieter selbst muss übrigens nur haften, wenn er unberechtigt den Strom abgestellt hat - für die stabile Stromversorgung sind allein die Netzbetreiber zuständig.

Der Kunde muss nicht nachweisen, dass sein Netzbetreiber fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat - die Beweispflicht liegt beim Unternehmen. Es muss sich sozusagen selbst verteidigen. Der Verbraucher geht nur dann leer aus, wenn der Stromausfall durch höhere Gewalt (zum Beispiel ein Unwetter) verursacht wurde. Oder der Netzbetreiber kann nachweisen, dass er sämtliche Normen und Vorschriften eingehalten hat und seine Leitungen und Anlagen ausreichend gewartet hat, um den Stromausfall abzuwenden.

Haftungsobergrenze für Netzbetreiber

Die Haftung ist allerdings begrenzt: Sachschäden werden nur über einer Bagatellgrenze von 30 Euro ersetzt. Die Obergrenze pro Anschlussnutzer liegt bei 5.000 Euro. Zudem ist die Gesamtsumme gedeckelt - je nachdem, wie viele Kunden der Netzbetreiber beliefert, liegt sie zwischen 2,5 und 40 Millionen Euro. Fällt der Gesamtschaden höher aus, erhalten alle Blackout-Opfer entsprechend weniger Geld. Nicht unter diese Begrenzung fallen allerdings Gesundheitsschäden, zum Beispiel eine Lungenentzündung nach einem Heizungsausfall durch den Stromausfall.

Vermögensschäden - zum Beispiel die Restaurantrechnung, wenn zuhause der Herd nicht funktioniert - werden dagegen nur bei grober Fahrlässigkeit des Netzbetreibers erstattet. Generell gilt: Der Kunde muss den Schaden dokumentieren, zum Beispiel durch Fotos oder das Hinzuziehen eines Nachbarn als Zeugen. Bei technischen Geräten kann auch ein Gutachten eines Fachmannes nötig werden, um zu beweisen, dass der Stromausfall den Defekt verursacht hat.

(mb)

Weitere Artikel: