0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Streit über Strompreiserhöhung eskaliert: Röttgen kündigt bei RheinEnergie

26.03.2012 - 11:18

Die Auseinandersetzung über eine Strompreiserhöhung der Kölner RheinEnergie spitzt sich zu. Bundesumweltminister Norbert Röttgen kündigte nach Informationen der Rheinischen Post jetzt seinen Stromvertrag bei dem Versorger. Das Blatt beruft sich auf das Umfeld des CDU-Politikers. Röttgen, der als Spitzenkandidat der Union bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen antritt, wirft dem Stromanbieter vor, seine Kunden zu täuschen.

Die RheinEnergie führe zu Unrecht die Energiewende als Grund für die steigenden Strompreise an, so der Vorwurf des Umweltministers. Er selbst habe einen Brief erhalten, in dem eine Preiserhöhung um 2,37 Cent pro Kilowattstunde ausdrücklich mit dem Atomunfall von Fukushima und der Energiewende begründet werde. "Schlicht falsch" sei das, zürnte Röttgen unter anderem in einer ARD-Talkshow. Er könne dies bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma nachrechnen und beweisen.

RheinEnergie beschwört Transparenz

Die RheinEnergie wehrt sich: Sämtliche Gründe für die Preiserhöhung seien offengelegt worden. Neben steigenden Netzentgelten und einer zusätzlichen Umlage, um Entlastungen energieintensiver Unternehmen zu finanzieren, seien dies auch höhere Stromeinkaufskosten in den Monaten nach Fukushima sowie eine leichte Erhöhung der EEG-Umlage zur Ökostromförderung. „Wir können klar belegen, dass jeder dieser angesprochenen Punkte stimmt“, so der RheinEnergie-Vorstandschef Dieter Steinkamp.

Auf eine Einladung zu einem Gespräch habe Röttgen nicht reagiert. Der Versorger wirft dem Minister, der im Mai das Amt des Ministerpräsidenten in NRW erobern will, vor, Wahlkampf auf Kosten des Unternehmens und der Arbeitsplätze der RheinEnergie-Beschäftigten zu machen. Das Unternehmen kündigte an, die Einleitung rechtlicher Schritte zu prüfen. Die RheinEnergie erhöht ab April die Strompreise deutlich. So muss ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 5.000 Kilowattstunden rund 118 Euro pro Jahr mehr für Strom bezahlen. Das entspricht einem Plus von fast zehn Prozent.

Röttgen oder RheinEnergie - wer hat recht?

Ein Ende der Auseinandersetzung ist ebenso wenig abzusehen wie ihr Ausgang. So führt die RheinEnergie die gestiegenen Börsenpreise für Strom ab März 2011 an, die mittlerweile aber wieder gefallen sind. Wann die RheinEnergie welche Strommengen eingekauft oder in eigenen Kraftwerken produziert hat, ist jedoch nicht bekannt. Zudem lässt sich nicht klären, ob letztlich die Energiewende oder eine ungeschickte Einkaufsstrategie die höheren Kosten verursacht hat. Auch bei der neuen Umlage, mit der die Entlastung energieintensiver Betriebe bezahlt wird, und bei den höheren Netzentgelten ist kein direkter Bezug zur Energiewende gegeben.

Indirekt können diese Kosten aber durchaus von der Energiewende beeinflusst werden. So steigt der Ausbaubedarf im Stromnetz, und die Entlastungsregeln für die Industrie wurden von der Regierung - der Röttgen angehört - nach dem Ausstiegsbeschluss aus der Atomenergie eingeführt, um die Betriebe vor steigenden Energiekosten zu schützen. Ebenso geht die leicht gestiegene EEG-Umlage auf das Konto der erneuerbaren Energien.

Bei Preiserhöhungen: nachrechnen

Für die meisten Stromkunden dürften derartige Spitzfindigkeiten aber auch weniger bedeutend sein als die Summe, die tatsächlich auf ihrer Stromrechnung steht. Verbraucher sollten deshalb Preiserhöhungen zum Anlass nehmen, einmal nachzurechnen. Fast jeder Haushalt kann durch einen Stromvergleich und einen günstigeren Tarif sparen. Und auch Energiewende und günstiger Strom müssen kein Widerspruch sein: Ökostrom gibt es mittlerweile schon zu Discount-Preisen. Und selbst nachhaltige Tarife, die zum Ausbau der erneuerbaren Energien beitragen, sind oft günstiger zu haben als der Normalstrom der Grundversorgung.

(mb)

Weitere Artikel: