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Störfall: Neue Panne im AKW Biblis, Leck in Onagawa

08.04.2011 - 11:45

Störfall im AKW Biblis: Nach einem Brand in einem nahegelegenen Umspannwerk versagte die Umschaltung von Block auf das Reservenetz. Die Notstromdiesel mussten aufgrund der Panne einspringen. In Japan trat nach dem neuerlichen Erdbeben schwach radioaktives Wasser aus dem Atomkraftwerk Onagawa aus. Sechs deutsche Bundesländer haben unterdessen einen Gesetzentwurf für ein Atomausstiegsgesetz präsentiert.

Mitten in der Atomkraft-Debatte hat es im AKW Biblis einen Störfall gegeben: Wegen eines Feuers im Umspannwerk Bürstadt fiel der normale Netzanschluss des Kraftwerkes aus. Daraufhin sollte die Anlage automatisch auf das Reservenetz umgeschaltet werden. Bei zwei von vier sogenannten Versorgungsschienen gab es jedoch eine Panne. Block A musste deshalb 50 Minuten lang über Notstromdiesel versorgt werden. Die Reaktoren in Biblis sind derzeit heruntergefahren, müssen jedoch weiter gekühlt werden. Der Vorfall ereignete sich bereits am 4. April, wurde aber erst jetzt bekannt. Er wurde auf der INES-Stufe 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) eingeordnet.

Pannen auch in anderen deutschen AKWs

In den vergangenen Wochen hatte es bereits mehrere kleine Pannen in deutschen Atommeilern gegeben. So kam es im März beim Herunterfahren von Isar 1 zu einer Reaktorschnellabschaltung wegen eines gesunkenen Kühlwasserpegels. In Brokdorf musste ein defekter Pumpenschalter ausgetauscht werden, der bei einer Routineprüfung entdeckt wurde. In Brunsbüttel gab es jüngst Probleme bei der Kühlung einer Kühlwasserpumpe. Und in Grafenrheinfeld wird derzeit ein Rohr nahe am Reaktordruckbehälter ausgetauscht, in dem ein Riss entdeckt worden war.

Unterdessen gab es nach dem neuerlichen Erdbeben in Japan ein Leck im Kernkraftwerk Onagwa. Techniker entdeckten nach dem Erdstoß der Stärke 7,4 Wasser in der Anlage, das offenbar aus den Abklingbecken der Reaktoren 1 und 2 geschwappt war. Die Betreiberfirma Tohoku und die japanische Atomsicherheitsbehörde teilten laut Spiegel online mit, das Wasser sei nur schwach radioaktiv gewesen, außerhalb des Kraftwerkes sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden. Zusätzlich fielen zwei von drei Stromleitungen in das AKW aus, die Kühlung der heruntergefahrenen Anlage konnte aber rasch wieder in Gang gesetzt werden. Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima verursachte das erneute Beben keine zusätzlichen Schäden.

Vorstoß der SPD-Länder für Atomausstieg

Mehrere SPD-geführte Bundesländer haben inzwischen einen eigenen Vorstoß in Sachen Atomausstieg gestartet. Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz präsentierten gestern einen Entwurf für ein Atomausstiegsgesetz, der am kommenden Freitag im Bundesrat debattiert werden soll. Demnach müssten die sieben ältesten deutschen AKWs und der Pannenmeiler Krümmel dauerhaft abgeschaltet bleiben, für die übrigen zehn Meiler würde die Laufzeitverlängerung zurückgenommen. Außerdem wären die Betreiber verpflichtet, die Sicherheitstechnik ihrer Meiler ständig nachzurüsten. Die schwarz-gelbe Bundesregierung will nach Ablauf des dreimonatigen Atomkraft-Moratoriums Mitte Juni über die weitere Nutzung der Kernenergie entscheiden. Derzeit arbeiten zwei Expertenkommissionen im Regierungsauftrag an dem Thema.

(mb)

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