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Steag: Bietergemeinschaft der Stadtwerke erhält Zuschlag von Evonik

14.12.2010 - 12:50

An Rhein und Ruhr könnte bald ein neuer Energieriese entstehen. Der Industriekonzern Evonik will 51 Prozent des Kraftwerksbetreibers Steag an ein Konsortium von sechs Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet verkaufen. Die restlichen Anteile sollen später folgen. Mehrere Gremien müssen dem Geschäft aber noch zustimmen.

Die Karten auf dem Energiemarkt im Ruhrgebiet werden neu gemischt. Der Evonik-Vorstand hat Medienberichten zufolge entschieden, seine Kraftwerkssparte Steag an einen Zusammenschluss von Stadtwerken zu verkaufen. Daran beteiligt sind Duisburg, Essen, Dortmund, Bochum, Oberhausen und Dinslaken. Der letzte Mitbieter, die tschechische Holding EPH, ist demnach ausgeschieden. Die Stadtwerke sollen zunächst 51 Prozent der Steag übernehmen und erhalten die Option, die restlichen Anteile später zu übernehmen. Das Geschäft hat den Segen der rot-grünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die über eine Änderung des Gemeindewirtschaftsrechts erst den Weg für den Deal frei machte. Zuvor war es den Stadtwerken nicht erlaubt, sich außerhalb ihres Stammgebietes zu engagieren.

Durch eine Übernahme des fünftgrößten deutschen Stromerzeugers würde das Stadtwerke-Konsortium den größten kommunalen Energieversorger Deutschlands schaffen. Vor allem für den Energiekonzern RWE entstünde dadurch neue Konkurrenz. Denn viele Stadtwerke in der Region beziehen bislang ihren Strom von RWE, dürften sich in Zukunft aber für Strom von der Steag entscheiden. Die WAZ-Mediengruppe zitierte Ende November außerdem aus einem internen Papier. Demnach planen zudem mehrere Städte, auslaufende Konzessionsverträge mit dem Energiekonzern RWE nicht zu verlängern und stattdessen die Steag-Kraftwerke, die Stromnetze und den Vertrieb in einem gemeinsamen Verbund neu zu ordnen.

Evonik will die Steag abgeben, um sich auf das Kerngeschäft Chemie und die Immobiliensparte zu konzentrieren. Der Gesamtpreis der Kraftwerkstochter soll bei 1,2 Milliarden Euro liegen, 649 Millionen davon werden den Berichten zufolge jetzt für den 51-prozentigen Anteil fällig. Finanziert wird das Geschäft mehrheitlich über Schulden. Kreditgeber der Stadtwerke ist vor allem die Commerzbank, mit im Boot sollen auch die WestLB, NordLB und BayernLB sein. Noch müssen aber mehrere Gremien zustimmen. Auf Verkäuferseite sind das der Evonik Aufsichtsrat und das Kuratorium der RAG-Stiftung, die Mehrheitsaktionär der Evonik ist. Außerdem steht noch die Entscheidung in mehreren Stadträten, unter anderem in Dortmund, aus.

(mb)

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