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Solarstrom mit Rekord-Einspeisung - Warnung vor Gefahr für Netze

29.04.2011 - 11:53

Die Photovoltaik boomt: Im ersten Quartal gab es mit 2,75 Milliarden Kilowattstunden eine neue Rekordeinspeisung beim Solarstrom. Das ist ein Plus von 87 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei den Netzbetreibern sorgen die Jubelmeldungen aus der Solarbranche allerdings für Sorgenfalten. Sie sehen die Stabilität der Netze in Gefahr und warnen vor großflächigen Blackouts. Entlastung sollen überarbeitete Photovoltaik-Wechselrichter bringen.

Es ist ein Wachstum in atemberaubender Geschwindigkeit: 2,75 Milliarden Kilowattstunden speisten die Solarzellen zwischen Flensburg und Füssen von Januar bis März 2011 ins Netz ein - das ist ein Plus von 87 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und ein neuer Rekord. Die Strommenge reicht laut Bundesverband Solarwirtschaft für 785.000 Drei-Personen-Haushalte. Möglich wurde das, weil die Zahl der Photovoltaik-Anlagen 2010 um rund 249.000 auf etwa 860.000 anstieg. Rund 700.000 davon sind Kleinanlagen, wie sie beispielsweise auf Einfamilienhäusern installiert werden. Die Photovoltaik-Branche feiert den Erfolg und hofft auf sinkende Börsenpreise für Strom, weil die Solarenergie meist genau dann viel Energie einspeisen kann, wenn auch die Nachfrage hoch ist: mittags.

Kosten und Netzstabilität bringen Solarstrom in Schwierigkeiten

Allerdings: Für Strom aus Solarzellen gewährt das EEG die höchsten Fördersätze. Für den Boom müssen deshalb alle Stromverbraucher über die EEG-Umlage bezahlen. Zwar soll es im Sommer eine vorgezogene Kürzung der Solarförderung geben. Außerdem wurde die Umlage für 2011 laut Bundesumweltministerium zu hoch berechnet, so dass sie im kommenden Jahr weniger stark steigen muss. Dennoch bleibt Solarstrom vorerst die teuerste Art der Stromversorgung aus erneuerbaren Energiequellen.

Und nicht nur das Portemonnaie der Stromverbraucher wird durch die steigende Solarstrommenge auf die Probe gestellt - auch die Stromnetze gelangen zunehmend an ihre Grenzen. Sie sind bisher darauf ausgelegt, Energie von großen Kraftwerken zu den Verbrauchern zu transportieren. Dabei verzweigen sie sich immer weiter. Gerade im ländlichen Raum mit wenigen Verbrauchern schaffen sie es aber nicht, große Strommengen von Solaranlagen in die umgekehrte Richtung abzutransportieren.

Zwar schalten sich die Wechselrichter der Photovoltaikanlagen, die den Sonnenstrom ins Netz einspeisen, automatisch ab, wenn Spannung oder Frequenz unzulässig hohe Werte erreichen - aber auch das kann Probleme bereiten. Denn inzwischen haben die installierten Solarzellen eine Leistung erreicht, die an sonnigen Wochenendtagen die Stromnachfrage überschreiten kann. Wenn nun in einer solchen Situation viele Photovoltaikanlagen gleichzeitig vom Netz gehen, könne das eine Kettenreaktion im europäischen Verbundnetz auslösen und zu größeren Blackouts führen, schreibt Dow Jones Energy Weekly unter Berufung auf Experten.

Neue Wechselrichter sollen Netze stabilisieren

Abhilfe soll eine neue VDE-Norm für Wechselrichter schaffen. Sie sollen in Zukunft die Einspeisung bei einer Überschreitung der Soll-Frequenz im Stromnetz schrittweise reduzieren und nicht die gesamte Leistung der Anlage schlagartig abschalten. Bis diese Regelung 2012 in Kraft tritt, wollen die deutschen Hersteller ihre Produkte so auslegen, dass sich nicht alle Anlagen bei derselben Frequenz vom Netz trennen. Offen ist, was mit dem Anlagenbestand geschehen soll - und wie hoch die Nachrüstkosten ausfallen würden.

Einen Widerspruch können aber auch die verbesserten Wechselrichter nicht auflösen: Dass die Deutschen zuerst für viel Geld Solaranlagen fördern - die anschließend wegen fehlender Kapazitäten genau dann vom Netz gehen müssen, wenn sie viel Energie liefern könnten. Abhilfe schaffen können nur neue Speichermöglichkeiten für den Solarstrom, beispielsweise Pumpspeicherkraftwerke. Und ein Ausbau der Stromnetze, um die teuren Ökostrommengen bewältigen zu können. Ein neues Kohlekraftwerk würde ja auch niemand ohne Anschluss an eine Steckdose bauen.

(mb)

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