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Smart Grid: Kritik der Bundesnetzagentur an fehlendem Gesamtkonzept

29.11.2010 - 13:17

Die Zukunft der Stromversorgung heißt Smart Grid - das prophezeien Experten und das propagiert die Bundesregierung. Kritik kommt jetzt von der Bundesnetzagentur. Noch fehle ein Gesamtkonzept, das die Entwicklung eines intelligenten Stromnetzes voranbringen könnte.

Nicht ausreichend - so kritisiert der Chef der Bundesnetzagentur Matthias Kurth in einem Interview mit dem Energieportal Energlobe die aktuelle Entwicklung in Sachen intelligentes Stromnetz. Dabei soll Deutschland ab Ende Dezember genau diesem Ziel einen Schritt näher kommen: Alle Grundversorger müssen dann einen variablen Stromtarif anbieten. Die Idee: Die Energie soll dann teurer werden, wenn sie im Netz knapp wird - und billiger, wenn sie im Überfluss zur Verfügung steht. Das soll die Verbraucher dazu anregen, genau dann viel Strom zu verbrauchen, wenn beispielsweise Windkraftanlagen auch viel davon liefern.

Allerdings setzen die meisten Stromanbieter bislang auf zeitvariable Tarife. Bei diesen Modellen hängt der Strompreis lediglich von der Tageszeit ab - es gibt also zum Beispiel zwei Preise für Tag- und Nachtstrom. Zeitvariable Tarife seien aber nicht geeignet, den Stromverbrauch an das schwankende Angebot aus den erneuerbaren Energien anzupassen, so Kurth. Nötig sei vielmehr ein Zusammenwirken dreier Komponenten: Intelligente Stromzähler, wie sie seit Jahresbeginn in Neubauten Pflicht sind, lastvariable Stromtarife und Geräte, die selbstständig auf das schwankende Stromangebot regieren können.

Nur so seien die enormen Potentiale im Stromnetz zu nutzen. Kurth sieht sie zum Beispiel bei Kühlgeräten. Wenn in windschwachen Zeiten die Leistung aller Kühlschränke, Gefriertruhen und Kühlhäuser kurz um rund ein oder zwei Grad Celsius gedrosselt werde, sinke der Stromverbrauch bundesweit dramatisch. Blase der Wind wieder stärker, könnten die Kühlaggregate wieder mit Vollast laufen.

Die größten Sparpotentiale durch lastvariable Stromtarife sieht Kurth im Gewerbebereich. Das intelligente Stromnetz werde sich hier deshalb zuerst durchsetzen, erwartet er. Aber auch für Privatkunden könnten derartige Angebote langfristig durchaus interessant sein. Für sie gebe es aber noch kaum attraktive Angebote. Kurth fordert daher die Entwicklung von Pilotprojekten. Auch Datenschutzbedenken müssten ernst genommen werden.

(mb)

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