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Ökostrom-Boom: Untergrenze soll negative Strompreise eindämmen

16.12.2010 - 12:19

Die Preise an der Leipziger Strombörse sollen nicht mehr ins Bodenlose fallen können. Die Bundesnetzagentur will das Problem durch eine feste Untergrenze begrenzen. Es entsteht, wenn das Stromangebot aus erneuerbaren Energien stark steigt, die Nachfrage aber niedrig ist.

Strom abnehmen und dafür Geld bekommen - für Strom-Großhändler ist das möglich. Und zwar dann, wenn plötzlich viel Ökostrom aus Sonnen- und Windenergie ins Netz eingespeist, gleichzeitig aber wenig Strom verbraucht wird. Dadurch drehen die Preise an der Leipziger Strombörse EEX schon mal ins Minus. Zum Beispiel am Morgen des 4. Oktober 2009. Da rutschte der Preis laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums auf bis zu minus 500 Euro pro Megawattstunde ab. Starker Wind trieb die Rotoren der Windparks kräftig an, gleichzeitig wurde kaum Strom verbraucht, weil Sonntag war. Negative Strompreise gibt es immer öfter, und das ist ein Problem. Denn wenn die Stromanbieter immer wieder draufzahlen müssen, holen sie sich das Geld am Ende von den Stromkunden zurück.

Negative Preise werden nicht komplett abgeschafft

Die neue Regelung der Bundesnetzagentur sieht jetzt eine Untergrenze vor, die zwischen minus 150 und minus 350 Euro liegt. Ganz abschafft werden sollen die negativen Strompreise aber nicht. Denn sie sind für Bundesnetzagentur-Chef Kurth auch ein wichtiger finanzieller Anreiz für die Energieversorger, stärker in Stromspeicher und in flexibel regelbare Kraftwerke zu investieren. Sie sind unabdingbar für die geplante stärkere Nutzung regenerativer Energien.

Es gibt auch andere Möglichkeiten, massive Schwankungen des Stromangebotes auszugleichen. Zum Beispiel durch einen ungehinderten europaweiten Strombörsenhandel. Dazu wäre allerdings ein Ausbau der grenzüberschreitenden Stromleitungen nötig. Einzelne Spitzen habe man bereits durch einen Verkauf ins Ausland abbauen können, so EEX-Chef Menzel in der Financial Times Deutschland. Er lässt seit Oktober den Elix berechnen, einen Preisindex, der aufzeigt, was möglich wäre, wenn diese Engpässe beseitigt wären. Er umfasst die Marktgebiete Deutschland, Österreich, Frankreich und die Schweiz. An manchen Tagen lag er bereits niedriger als die Preise in den Einzelgebieten, so Menzel.

Erneuerbare Energien kurbeln die Wirtschaft an

Unterdessen hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine volkswirtschaftliche Bilanz der Erneuerbaren Energien gezogen. Demnach sorgen Sonne, Windkraft und Co. bis 2030 für ein zusätzliches Plus beim Bruttoinlandsprodukt von drei Prozent, wenn die Ausbauziele der Bundesregierung erreicht werden. In die Modellrechnung einbezogen wurden nach DIW-Angaben wachstumsfördernde Impulse – wie Investitionen in Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien – ebenso wie kostentreibende Effekte. Zu letzteren zählt die umlagefinanzierte Vergütung für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien ins Stromnetz.

(mb)

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