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Ökostrom: Massiver Ausbau der Stromnetze nötig

24.11.2010 - 15:35

Das Stromnetz muss fit gemacht werden für die erneuerbaren Energien. Bis 2020 braucht der Ökostrom tausende Kilometer neue Leitungen, wie eine Studie der Deutschen Energie-Agentur Dena zeigt. Dabei hinkt der Neubau von Stromleitungen schon jetzt hinter den Planungen her.

3.600 Kilometer neue Hochspannungsleitungen werden in den nächsten zehn Jahren laut der Studie gebraucht - eine Strecke wie vom Nordkap bis nach Bozen. In dieser Basisvariante gehen die Autoren davon aus, dass die bekannten 380.000-Volt-Freileitungen durch das Land gezogen werden. Geschätzte Kosten: 9,7 Milliarden Euro inklusive dem Anschluss von neuen Offshore-Windparks. Die Dena-Forscher haben dabei einen Anstieg des Anteils der erneuerbaren Energien auf 39 Prozent bis 2025 zugrundegelegt.

Der massive Neubau von Stromleitungen wird nötig, weil Ökostrom oft in Windparks vor der Nord- und Ostseeküste oder in Solarzellen auf süddeutschen Hausdächern erzeugt wird – weit weg von den Steckdosen vieler Verbraucher. Zum anderen schwankt die aus Wind und Sonne erzeugte Strommenge – die Energie muss deshalb zum Beispiel zu Pumpspeicherkraftwerken und später zurück transportiert werden. Zudem sorgt der zunehmende europäische Stromhandel für einen erhöhten Transportbedarf.

Der Netzausbau hinkt schon jetzt hinter dem Bedarf her

Ob die Herkulesaufgabe Netzausbau gelingen kann, ist allerdings mehr als fraglich. Denn in der Bevölkerung regt sich Widerstand, wo immer neue Hochspannungsleitungen gebaut werden sollen. Auch Ökostrom-Befürworter wollen nicht unbedingt an einer Freileitungstrasse wohnen. Schon jetzt hinkt der Netzausbau den Zielen weit hinterher: 2005 hatte die Dena einen Bedarf an 850 Kilometern neuer Stromleitungen bis 2015 ermittelt. Davon sind aktuell zur Halbzeit gerade mal 90 Kilometer gebaut.

Alternativen zu den ungeliebten Freileitungen haben die Autoren der Studie auch geprüft. Zum Beispiel den Einsatz neuer Technologien. Dadurch ließe sich der Neubaubedarf auf 1700 Kilometer drücken, gleichzeitig müsste aber tausende Kilometer alte Leitungen für Strom umgerüstet werden. Bis zu 17 Milliarden Euro würde das kosten. Noch teurer käme es, die neuen Kabel unter die Erde zu verlegen. Auch die im Sommer beschlossene Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ändert laut Studie übrigens nichts am Ausbaubedarf.

Akzeptanzoffensive und schnellere Genehmigungsverfahren

Trotz aller Probleme: Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat längst begonnen. Die Mehrheit der Bürger ist nach einer aktuellen Umfrage bereit, für Ökostrom auch mehr zu bezahlen. Dena Chef Kohler fordert deshalb, die Stromnetze dürften nicht zum Flaschenhals werden. Er verlangt eine Akzeptanzoffensive für den Netzausbau. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordert zudem schnellere Genehmigungsverfahren. Umweltschutzverbände kritisierten die Ausbaupläne dagegen als überzogen.

(mb)

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