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Die Ökolabel der Stromanbieter für Ökostrom im Vergleich

04.01.2011 - 12:43

Mit verschiedenen Gütesiegeln werben die Stromanbieter für ihren Ökostrom. Sie sollen beweisen, dass die gelieferte Energie tatsächlich aus erneuerbaren Quellen stammt. Doch die Ökolabel unterscheiden sich deutlich in ihren Anforderungen. Diese Differenzen spiegeln sich im Umweltnutzen der einzelnen Ökostromtarife.

Ökostrom liegt im Trend: Fast 90 Prozent der Deutschen wünschen sich nach einer Umfrage der Umweltorganisation Greenpeace eine Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind und Wasserkraft. Viele Bürger sind auch bereit, für grünen Strom mehr Geld auszugeben als für konventionell erzeugten „grauen“ Strom. Dass sie in ihrem teureren Ökotarif auch tatsächlich Ökostrom erhalten, sollen Ökolabel garantieren, mit denen die Stromanbieter werben. Für Verbraucher ist allerdings nicht auf den ersten Blick erkennbar, welche Anforderungen die Stromerzeuger einhalten müssen und wie grün der angebotene Strom tatsächlich ist.

Unterschiedlicher Nutzen für die Umwelt

Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Die Energie kann aus wirklich emissionsfreier Erzeugung stammen, wie zum Beispiel aus Wind- oder Sonnenenergie, oder aus der Verbrennung von nachwachsenden Rohstoffen. Biogasanlagen sind allerdings nicht unumstritten, weil die Energiepflanzen viel Fläche und Dünger benötigen. Auch die Wasserkraft steht wegen ihrer Auswirkungen auf Landschaft und Tierwelt gelegentlich in der Kritik. Oft wird auch Strom aus besonders effizienten Blockheizkraftwerken oder aus der Verwertung von Abfallprodukten wie Müll oder Grubengas, die ohnehin verbrannt werden müssen, als Ökostrom angeboten.

Einen Unterschied für die Umwelt bedeutet es auch, ob der Ökostrom aus alten, abgeschriebenen Anlagen stammt, die der Stromanbieter auch bisher schon betrieben hat, oder ob die Erzeugungskapazität von Ökostrom ausgebaut wird. Im ersten Fall ändert sich der Strommix im Netz nicht. Nur im zweiten Fall, wenn für jeden neuen Öko-Kunden tatsächlich neue Öko-Kraftwerke ans Netz gehen und weniger Kohle- oder Atomstrom produziert wird, profitiert auch die Umwelt. Manche Umweltexperten raten dazu, nur Ökostrom von Anbietern zu beziehen, die keine konventionellen Kraftwerke betreiben, damit die Gewinne aus dem Öko-Geschäft nicht Atomkonzerne unterstützen.

Verschiedene Anforderungen der Zertifikate

Viele Ökostrom-Angebote beruhen auf so genannten RECS-Zertifikaten. Sie belegen lediglich, dass irgendwo in Europa eine bestimmte Strommenge ökologisch erzeugt wurde und können unter den Stromanbietern gehandelt werden. Ein Kohlekraftwerksbetreiber kann beispielsweise ein solches Zertifikat von einem Wasserkraftwerk in Norwegen kaufen und seinen Kohlestrom dadurch als Ökostrom vermarkten. Der Öko-Erzeuger im Ausland muss seinen Strom im Gegenzug als Kohlestrom vertreiben. Weil derzeit die Nachfrage nach Ökostrom europaweit noch relativ gering ist, sorgen die RECS-Zertifikate im Moment allerdings nur dafür, dass Strom umetikettiert wird – einen Umweltnutzen durch einen Ausbau der Ökostrom-Erzeugung gibt es aktuell nicht.

Strengere Umweltauflagen dokumentiert das Ökolabel "ok Power", das von einem Verein vergeben wird, der von Umweltorganisationen wie dem WWF getragen wird. Es erlaubt zwar den Vertrieb von Ökostrom, der über RECS-Zertifikate eingekauft wurde. Gleichzeitig wird aber auch ein Neubau von Öko-Kraftwerken gefordert, so dass Kunden von Stromtarifen mit dem ok Power-Label sicher sein können, dass mit ihrem Geld tatsächlich umweltschädliche alte Kraftwerke ersetzt werden. Ähnliche Anforderungen stellt auch der TÜV für seine Ökostrom-Label. Noch schärfere Auflagen müssen Stromanbieter erfüllen, um das Ökolabel "Grüner Strom" zu erhalten. Auch dieses Zertifikat, das ebenfalls von einem Zusammenschluss mehrerer Umweltorganisationen vergeben wird, verlangt einen Neubau von Öko-Kraftwerken. Zusätzlich ist beim Grüner-Strom-Label auch der Zertifikatehandel verboten.

Ökostrom oft ohne Mehrkosten möglich

Verbraucher sollten also genau hinschauen, welche Qualität die einzelnen Klimatarife tatsächlich haben. Schließlich wollen Ökostrom-Kunden einen Nutzen für Umwelt und Klima erreichen – und nicht die Kassen der Stromkonzerne füllen. Durch einen Vergleich der verschiedenen Stromanbieter im Internet ist es oft sogar möglich, einen guten Ökotarif zu finden, der nicht teurer ist als der bisherige Stromversorger.

(mb)

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