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Bürger werden für neues Ökostrom-Netz zur Kasse gebeten

09.11.2010 - 18:10

Nach dem Wunsch der EU-Kommission sollen die Verbraucher künftig an den Kosten des Ökostrom-Netzes beteiligt werden. Besonders der Ausbau der entsprechenden Netze wird ein kostspieliges Unterfangen.

Die EU-Kommission will Mitte November einen Entwurf vorstellen, der die Strompreise in ganz Europa beeinflussen könnte. Dies berichtete Welt Online. Sofern die nationalen Regulierer der 27 Mitgliedsstaaten von ihren Kunden Durchgangsgebühren verlangen, will Energiekommissar Günther Oettinger sie dazu verpflichten, Rückstellungen zu leisten. Das so eingenommene Geld soll in die Instandhaltung und insbesondere in die Neuentwicklung der Infrastruktur für Elektrizität investiert werden.

Öko-Strom zur Durchsetzung von Klima-Zielen

Dieses Infrastrukturpaket ist ein Bestandteil des von der EU Kommission geplanten Energie-Aktionsplans 2020. Dadurch sollen laut Oettinger die in Europa dringend benötigten Investitionen in den Bereich der Elektrizitäts-Infrastruktur beschleunigt werden. Die Finanzierung der Infrastruktur soll in die Preisbildung mit einbezogen werden.

Um die klimabezogenen Ziele der Union durchsetzen zu können, ist eine Verbesserung der Infrastruktur im Strom-Bereich ebenfalls dringend nötig. Durch mangelhaften Netzausbau können Verbraucher in vielen Fällen beispielsweise durch Windkraft erzeugte Energie nicht nutzen. "Off-shore-Strom aus der Nordsee nach Köln oder Stuttgart zu bringen kostet Geld, das muss von uns allen bezahlt werden. Wir haben nur Gott und die Bürger, und Gott zahlt nichts", wird Oettinger von Welt Online zitiert.

Mehr Strom aus erneuerbaren Quellen

Wenn es nach der EU geht, soll bis 2020 rund ein Fünftel der Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Deutschland plant sogar eine Deckung von 80 Prozent bis zum Jahr 2050. Werden die bestehenden Energietransportnetze allerdings nicht zusätzlich ausgebaut, wird ein Import von erneuerbaren Energien erforderlich. Oettinger fordert darüber hinaus kürzere Genehmigungsverfahren für die Errichtung von Überlandleitungen innerhalb der EU. Aktuell kann dieses Verfahren bis zu zehn Jahre dauern.

Die Bundesnetzagentur regelt in Deutschland die Einpreisung der Ausgaben für die Instandhaltung und Neuentwicklung der Infrastruktur im Energiesektor. Durchschnittlich 24 Prozent bezahlt der Verbraucher dem Bundesverband für Energiewirtschaft zufolge für das Netzentgelt. Davon fließt etwa ein Drittel in die Infrastruktur. Den Energieunternehmen ist dies jedoch zu wenig. Die Stromanbieter sehen den finanziellen Anreiz als nicht groß genug an, um zusätzliche Kosten für den Netzausbau aufzubringen. Es ist daher durchaus vorstellbar, dass letztlich der Strompreis für die Verbraucher steigt.

(tei)

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