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Ökostrom: Bergwerk soll als Speicher genutzt werden

09.12.2010 - 15:15

Ökostrom ins Bergwerk: Diese Idee haben Forscher auf der Suche nach Speichermöglichkeiten für Strom aus erneuerbaren Energien ins Gespräch gebracht. Alte Stollen und Tagebaue könnten als Pumpspeicherkraftwerke genutzt werden. Gleichzeitig treibt ein europäisches Projekt den Netzausbau voran: Unterseekabel in der Nordsee sollen ein europäisches Energienetz knüpfen.

Jahrzehntelang haben Kumpel im Revier Kohle aus der Tiefe geholt, die dann in Kraftwerken verbrannt und zu Strom gemacht wurde. Jetzt will eine Gruppe von Wissenschaftlern den umgekehrten Weg gehen und Strom von der Oberfläche in den alten Stollen speichern. Die Kohlegruben könnten zu Pumpspeicherkraftwerken umgebaut werden, erklärte Eugen Perau, Professor für Geotechnik an der Universität Duisburg-Essen, im Deutschlandfunk.

Das Prinzip eines Pumpspeicherkraftwerks ist einfach: Wasser wird in ein höher gelegenes Becken gepumpt, wenn viel Strom zur Verfügung steht und wenig verbraucht wird. Im umgekehrten Fall werden die Schleusen geöffnet. Das Wasser rauscht zu Tal, treibt eine Turbine an und gleicht den Strommangel aus. Den dazu nötigen Höhenunterschied gibt es nur im Gebirge – oder in Bergwerken, die oft über tausend Meter in die Tiefe reichen.

Das Revier als riesige Batterie

Der Vorschlag der Wissenschaftler würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen würde er eine sinnvolle Nutzung für die aufgegebenen Bergwerke bedeuten. Ihre Stollen müssen oft ohnehin saniert werden, um einen Einsturz und Schäden an der Oberfläche zu verhindern. Zum anderen könnten auf diese Weise Pumpspeicherkraftwerke gebaut werden, die nicht in entlegenen Gebirgstälern stehen und deren Bau ohne Eingriffe in die Landschaft auskommt.

Die zunehmende Nutzung von Ökostrom braucht derartige Speicher, und sie braucht viel davon. Denn Wind- und Sonnenenergie stehen nicht gleichmäßig zur Verfügung. Und vor allem nicht dann, wenn beispielsweise Millionen Deutsche morgens ihre Kaffeemaschinen einschalten. Da liegt es nahe, den Höhenunterschied der Bergwerke zu nutzen - das Ruhrgebiet als gigantische Ökostrom-Batterie.

Unterseekabel sollen ein europäisches Stromnetz knüpfen

Aber Speicher allein nutzen nichts: Auch die Leitungen müssen ausgebaut werden. Die Windparks vor den Küsten, die Solaranlagen auf dem Festland oder die Speicherkraftwerke in Skandinavien müssen miteinander verbunden werden. Ziel ist ein europäisches Stromnetz, das die Schwankungen der verschiedenen regenerativen Energien ausgleichen kann.

Davon ist der Kontinent noch weit entfernt. Leitungen, die große Mengen Strom weit transportieren können, fehlen weitgehend. Das Netz ist darauf ausgelegt, Strom von großen Kraftwerken in die nahegelegenen Städte zu liefern. Das soll sich jetzt ändern: Zehn europäische Regierungen haben jetzt eine Absichtserklärung unterzeichnet. Im Projekt Seatec wollen sie Tausende Kilometer Hochspannungskabel auf dem Grund der Nordsee verlegen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Die In drei Jahren soll der Plan zur Umsetzung stehen. Die Kosten allerdings sind gewaltig: Sie werden auf 30 Milliarden Euro geschätzt.

(mb)

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