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Gutachten: Atomausstieg ohne Abstriche beim Klimaschutz möglich

07.04.2011 - 17:11

Ein Gutachten von Beratern der Bundesregierung hält einen weltweiten Atomausstieg ohne Abstriche beim Klimaschutz für machbar. Der Energiebedarf könne ohne Atomkraft und fossile Brennstoffe gedeckt werden, heißt es in dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen. Nötig seien aber Veränderungen des Konsumverhaltens, globale Abgaben auf Kohlendioxidemissionen und ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien.

Es geht - das ist die zentrale Botschaft des Gutachtens, das der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen (WBGU) jetzt veröffentlichte. Der Ausstieg aus der Kernenergie ist demnach möglich, ohne dass dafür massenhaft neue Kohlekraftwerke, Ölbrenner und Gasturbinen alle Anstrengungen für den Klimaschutz zunichtemachen müssen. Und zwar nicht nur in der Bundesrepublik allein, was ziemlich sinnlos wäre, sondern global. Die Welt könne und müsse ihren Energiebedarf ohne Atomkraft und fossile Brennstoffe decken, zitiert tagesschau.de aus dem Bericht der Wissenschaftler.

Ein Gesellschaftsvertrag für das 21. Jahrhundert

Es geht aber nicht ohne gravierende Veränderungen. Die erneuerbaren Energien müssten massiv ausgebaut werden, wesentlich schneller als bisher. Auch die nötigen Stromleitungen müssten im Expresstempo durch die Landschaft gezogen werden. Außerdem müsste sich die Menschheit weltweit darauf verständigen, den Ausstoß von Klimakillern wie CO2 mit Abgaben zu belegen, damit sich der Umstieg auf umweltschonende Technologien auch lohnt. Und die Menschen müssten ihr Konsumverhalten überdenken, um den Ressourcenverbrauch zu drosseln. Es gehe darum, einen neuen Gesellschaftsvertrag für das 21. Jahrhundert auszuhandeln, so der Vorsitzende des Beirates, Hans Joachim Schellnhuber.

Zwei Probleme drängen sich dabei geradezu auf: zum einen die Kosten. Energieversorgung und Wirtschaft weltweit auf links zu drehen, würde Unsummen verschlingen. Allerdings seien die langfristigen Umwelt- und Gesundheitsschäden der fossilen Energien viele Milliarden Euro teurer, halten die Wissenschaftler des WBGU dagegen. Hinzu kommt aber ein zweites Problem: Die Staaten der Welt müsste sich erst einmal auf derart weitreichende Klimaschutzmaßnahmen einigen. Auf den zurückliegenden UN-Klimakonferenzen waren aber schon Minimalkompromisse kaum zu erzielen.

Doch Schellnhuber ist trotzdem zuversichtlich. Zum einen wachse weltweit die Einsicht in den Handlungsbedarf, erklärte er gegenüber der ARD. Seine Hoffnung: ein Durchbruch bei der kommenden Klimakonferenz in Südafrika. Und der Wandel werde angesichts endlicher Ressourcen früher oder später ohnehin einsetzen. Notfalls sollten Modellinseln vorangehen und zeigen, dass eine Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen funktionieren könne. Deren technologischer Vorsprung könne sich später bezahlt machen, hofft der Experte.

Die Deutschen wollen für Energiewende und Klimaschutz Opfer bringen

Die Deutschen zeigen sich angesichts des Atomunfalls im japanischen Fukushima jedenfalls opferbereit: Nach einer aktuellen Umfrage, über die die "Welt" berichtet, wollen es zwei Drittel der Bürger hinnehmen, wenn in der Nähe ihrer Wohnung eine der dringend benötigten Hochspannungsleitungen errichtet wird. Fast die Hälfte der Befragten würde jährlich 40 Euro mehr für Strom bezahlen, wenn dadurch die Energiewende beschleunigt wird. Aktuell ist zudem ein regelrechter Run auf Ökostrom zu beobachten. Fraglich allerdings, ob diese Entwicklung anhält, wenn die Ereignisse in Japan länger zurückliegen und tatsächlich höhere Stromrechnungen ins Haus flattern. Vor dem 11. März 2011 gab es nämlich auch schon hohe Zustimmungsraten für umweltfreundliche Stromtarife. Nur: Abgeschlossen wurden diese Verträge in der Praxis dann kaum.

(mb)

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