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Greenpeace: Kürzere Atomlaufzeiten kosten Energiekonzerne Gewinne in Milliardenhöhe

03.05.2011 - 11:05

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Gewinne der Energiekonzerne aus der Nutzung der Kernenergie berechnet. E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall würden demnach bei einem Atomausstieg bis 2020 rund 60 Milliarden Euro entgehen. Von der Bundesregierung fordert Greenpeace deshalb ein klares Ausstiegskonzept. Die Atomkonzerne würden angesichts der hohen Summen um jedes Jahr Laufzeit kämpfen.

Eine Million Euro  - so viel Gewinn erzielt ein deutsches Atomkraftwerk laut Greenpeace pro Tag. Insgesamt würden die vier deutschen Atomkonzerne rund 60 Milliarden Euro einbüßen, wenn alle Meiler bis 2020 abgeschaltet würden, anstatt die ihnen durch die Laufzeitverlängerung zugeteilten Reststrommengen auszuschöpfen. 25 Milliarden würden E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall entgehen, wenn die sieben ältesten Meiler und das Pannenkraftwerk Krümmel, die im Rahmen des dreimonatigen Atom-Moratoriums derzeit stillstehen, endgültig abgeschaltet würden. Der Rest der Summe entfiele auf die kürzeren Laufzeiten der jüngeren AKWs.

Experte: Energiekonzerne werden um Laufzeiten kämpfen

Angesichts der enormen Summen, die für die Energiekonzerne auf dem Spiel stehen, sei es zu erwarten, dass sie um jedes Jahr Laufzeit für ihre gefährlichen, aber profitablen Meiler kämpften, so Tobias Riedl, Atomexperte von Greenpeace. Sie hätten ihre Gewinne in den vergangenen Jahren enorm gesteigert, aber kaum in erneuerbare Energien investiert. Die Kanzlerin müsse daher jetzt ein Energiekonzept mit klaren Abschaltdaten für die einzelnen Atomanlagen vorlegen und so Planungssicherheit für die Energiebranche und die deutsche Wirtschaft schaffen. Darüber hinaus erhöhten klare Abschalttermine die gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiewende.

Merkel müsse sich vor allem vom Konzept der Reststrommengen verabschieden, so Greenpeace. Diese seien bereits nach dem rot-grünen Atomkompromiss genutzt worden, um abgeschriebene Uralt-Meiler über die Zeit zu retten. Den einzelnen Atomkraftwerken waren in den bisherigen Atomgesetzen Strommengen zugeteilt worden, die sie noch produzieren durften. Da einige der ältesten Meiler mit geringer Leistung betrieben wurden, konnten sie länger am Netz bleiben und von der Laufzeitverlängerung profitieren. Sie blieben dadurch bis zum Atom-Moratorium nach Fukushima am Netz.

Kontroverse über den richtigen Zeitplan für den Atomausstieg

Greenpeace hält einen Atomausstieg bis 2015 für machbar. Die Kernkraftwerke sollen dabei durch erneuerbare Energien und moderne Gaskraftwerke ersetzt werden. Bis 2030 könnten nach diesen Vorschlägen auch die großen Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Die Energiekonzerne und Wirtschaftsverbände warnen dagegen vor stark steigenden Stromkosten, vor allem für die energieintensive Industrie, und vor Versorgungsengpässen und Jobverlusten. Die Bundesregierung lässt derzeit zwei Expertenrunden über die Zukunft der Energieversorgung beraten und will Mitte Juni den Atomausstieg neu regeln.

(mb)

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