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Das Gasnetz als riesiger Speicher für Ökostrom

11.01.2011 - 12:20

Überschüssiger Ökostrom soll in Zukunft im Gasnetz gespeichert werden. Nach einem Vorschlag von Forschern und Anlagenbauern soll mit der überschüssigen Energie Methan hergestellt und eingespeist werden. Die vorhandenen Kapazitäten reichen bei weitem aus. Die Kosten sind allerdings noch hoch.

Die eingespeisten Mengen an Ökostrom wachsen schnell, wesentlich schneller als erwartet. Das stellt die Netzbetreiber vor ein Problem: Denn Energie aus Wind und Sonne fällt nicht immer dann an, wenn sie gebraucht wird. Nötig sind also Speicher, die den überschüssigen Strom in nachfrageschwachen Zeiten aufnehmen und in Spitzenlastzeiten wieder abgeben können. Diese Technologien werden umso wichtiger, je stärker die Stromversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt wird. Doch die Kapazitäten der bestehenden Pumpspeicherkraftwerke sind viel zu gering, Neubaupläne provozieren Anwohnerproteste. Auch mit Batterien ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen.

An einer vielversprechenden Lösung für das Problem tüfteln derzeit eine Gruppe von Forschern und ein Anlagenbau-Unternehmen aus Stuttgart, wie die Financial Times Deutschland berichtet. Die Erfinder wollen das Gasnetz als Speicher nutzen. Der überschüssige Ökostrom soll zur Elektrolyse genutzt werden und Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Durch eine Reaktion des Wasserstoffgases mit CO2 soll anschließend Methan erzeugt werden, das einfach ins Erdgasnetz eingespeist und in den Rohren und Kavernen gespeichert werden kann. Die Kapazitäten sind vorhanden, rechnen die Erfinder des Systems vor: Nur ein Zehntel des aktuell im Gasnetz vorhandenen Speicherplatzes reiche als Puffer bereits aus, um 85 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien decken zu können.

Die Idee hat auch aus anderen Gründen Charme: Denn das Öko-Methan kann einerseits wie ganz normales Gas in Heizungen, Industrieanlagen und Autos verbrannt, andererseits aber auch in Gaskraftwerken wieder zur Stromerzeugung in Spitzenzeiten genutzt werden – je nach Bedarf und zudem klimaneutral. Eine Pilotanlage zur Herstellung von Öko-Methan arbeitet bereits seit gut einem Jahr, in zwei Jahren soll die Industriereife geschafft sein. Noch sind die Kosten allerdings höher als bei einem Pumpspeicherkraftwerk mit gleicher Speicherkapazität. Das soll eine Serienfertigung jedoch in wenigen Jahren ändern, hoffen die Wissenschaftler.

Die Zeit arbeitet für die Idee: Denn durch die Benutzung des vorhandenen Gasnetzes lassen sich viel schneller Speicherkapazitäten für Ökostrom aufbauen als durch den Bau von Pumpspeicherkraftwerken, für die außerdem der Platz begrenzt ist. Es müssten lediglich die Gasanlagen der Erfinder angeschlossen werden. Und mit jedem neuen Wind- oder Sonnenkraftwerk wächst der Speicherbedarf. Dennoch ist auch die Idee des Pumpspeicherkraftwerks noch nicht tot: Andere Tüftler wollen die Technik in alten Bergwerksstollen und Tagebauen einsetzen, die ohnehin stabilisiert werden müssen. Den nötigen Höhenunterschied gibt es auch dort. Ohne neuen Platzbedarf in der Natur.

(mb)

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