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Kommentar: Fußball unter Strom - Preiserhöhungen im Schatten der EM

15.06.2012 - 09:10

Freistoß, Flanke, Fanmeile - während einer EM oder WM regiert König Fußball. Die Aufmerksamkeit von Medien und Verbrauchern gehört während des Turniers dem Geschehen rund um den Platz. Das weiß man auch beim Energiekonzern RWE.

Das Essener Unternehmen, das sein Kürzel mit dem örtlichen Fußball-Club Rot-Weiß Essen teilt und dem schon deshalb eine gewisse Affinität zu Deutschlands populärstem Ballsport nicht abzusprechen ist, lieferte jetzt ein denkwürdiges taktisches Manöver: Der Energieriese nutzte den Tag des Gruppenspiels der DFB-Elf gegen die Niederlande, um im Windschatten des „Bratwurst gegen Gouda“-Matches eine kräftige Preiserhöhung für Strom und Gas zu verkünden. Beim besten Willen: So etwas ist nur als Schwalbe der Energiewirtschaft zu werten.

Die unerfreuliche Neuigkeit sollte in Torjubel und Fangesängen untergehen und sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlicht werden. Auf dem Platz hätte sich RWE mit diesem Täuschungsmanöver eine gelbe Karte redlich verdient. Vor allem, weil der Versorger der Schwalbenkönig unter den Gas- und Stromanbietern ist: Bereits während der WM 2010 in Südafrika nutzte RWE das zweite Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft, um eine Preiserhöhung im Windschatten eines internationalen Fußballturniers zu publizieren.

Nun wurde das Etikett des Schwalbenkönigs schon verschiedenen Fußballern umgehängt. Auch RWE steht mit seiner Taktik nicht alleine da. So gaben mehrere Vertriebsgesellschaften des E.ON-Konzerns beispielsweise am 15. Februar 2010 eine Strompreiserhöhung bekannt, die in vielen Regionen Deutschlands in Konfetti und Kamelle untergegangen sein dürfte: E.ON verkündete die Preisaufschläge am Rosenmontag. Wirksam wurden die Änderungen erst am 1. Mai - die gesetzliche Frist zur Bekanntgabe der Preisänderung wäre also erst Mitte März, sechs Wochen vor ihrem Wirksamwerden, abgelaufen.

Eigentlich ein Wunder, dass die Energieversorger noch keine Preisanpassung am Heiligen Abend oder an Silvester verkündet haben. Münchner Stromanbieter könnten den Vorabend des Wiesn-Anstichs nutzen, Unternehmen in Hamburg den Hafengeburtstag. Fraglich ist allerdings, ob dieses Tarnen und Täuschen den Versorgern mehr nutzt oder schadet. Die Taktik ist allzu leicht zu durchschauen. Und wer seine Kunden für dumm verkauft, verspielt leicht ihr Vertrauen.

(gh)

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