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Fukushima: Kernschmelze im Atomkraftwerk und Plutonium im Boden

29.03.2011 - 11:40

Die Lage im havarierten Atomkraftwerk Fukushima I bleibt angespannt. In mehreren Bodenproben vom Kraftwerksgelände wurde hochgiftiges Plutonium nachgewiesen. Das Schwermetall sickert Berichten zufolge weiter ins Erdreich. Es soll aus beschädigten Brennstäben stammen. Die japanische Regierung bestätigte zudem erstmals, dass es in dem AKW eine partielle Kernschmelze gegeben habe.

Es sind Hiobsbotschaften auf Raten, die immer wieder aus dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi dringen: Aus der Anlage ist nach Angaben des Betreibers Tepco Plutonium ausgetreten. Das Schwermetall wurde in fünf Bodenproben nachgewiesen, die bereits in der vergangenen Woche auf dem Kraftwerksgelände genommen worden waren. Die Mengen sollen laut Tepco allerdings für Menschen nicht gesundheitsschädlich sein. Wie Spiegel online unter Berufung auf japanische Behördenkreise berichtet, tritt der hochgiftige Stoff weiterhin aus und sickert ins Erdreich.

Das Plutonium stamme aus Brennelementen, teilte Tepco mit. Genauere Angaben machte das Unternehmen nicht. Block 3 des Kraftwerkes wird mit Mischoxid-Brennstäben betrieben, in denen Plutonium enthalten ist. Geringe Mengen von Plutonium entstehen allerdings auch beim Betrieb von Atomkraftwerken mit normalen Uran-Brennstäben. Weitere Probleme verursacht stark strahlendes Wasser, das im Keller von Reaktor 2 steht und auch außerhalb des Gebäudes in einem Leitungsschacht gefunden wurde. Der japanische Regierungssprecher Yukio Edano sagte, es werde alles getan, damit dieses Wasser nicht ins Erdreich oder das Meer gelange.

Regierung bestätigt partielle Kernschmelze

Zudem räumte die japanische Regierung erstmals ein, dass es in Block 2 zumindest eine teilweise Kernschmelze gegeben habe. Das verstrahlte Wasser sei direkt mit beschädigten Brennelementen in Kontakt gekommen. Man könne jedoch nicht sagen, ob der Reaktordruckbehälter beschädigt oder das Wasser auf anderem Wege ausgetreten sei. Die Kernschmelze sei laut den vorliegenden Informationen aber gestoppt, so Edano. Atomexperten hatten bereits in den vergangenen Wochen erklärt, dass die um das Atomkraftwerk gemessenen radioaktiven Spaltprodukte auf eine Kernschmelze hindeuteten.

Die EU hatte am Freitag Stresstests für die Kernkraftwerke in ihren Mitgliedsstaaten vereinbart. Bundeskanzlerin Merkel will bis Mitte Juni den künftigen Kurs der deutschen Atompolitik abstecken. An diesem Zeitplan will sie auch nach den Wahlerfolgen der Grünen bei den Landtagswahlen in am vergangenen Wochenende festhalten. SPD-Chef Sigmar Gabriel verlangte einen Atomausstieg bis spätestens 2020. Der voraussichtliche künftige grüne Ministerpräsident in Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, will den Umbau des Atomkonzerns EnBW in Richtung regenerative Energien vorantreiben. Das Land hatte im Dezember einen 45-prozentigen Anteil an dem Energieversorger übernommen. Der Chef des Stromversorgers Flexstrom, Robert Mundt, forderte die Politik auf, sich weniger von Energiekonzernen beeinflussen zu lassen und auch alternative Stromanbieter anzuhören.

Angst vor der Strahlung auch in Deutschland

Unter der deutschen Bevölkerung ist die Furcht vor der Strahlengefahr groß. Geigerzähler und Jodtabletten waren bereits in der vergangenen Woche vielerorts ausverkauft. Die Europäische Union verschärfte die Kontrollen von Lebensmittelimporten aus Japan. Experten wiesen wiederholt darauf hin, dass angesichts der großen Entfernung keine direkte Gefahr durch den Unfall in Fukushima drohe. Die Einnahme von Jodtabletten sei daher unnötig und berge im Gegenteil gesundheitliche Risiken.

Ökostrom-Anbieter verzeichnen seit dem Reaktorunglück einen starken Zuspruch. Sie liefern schon heute Strom, der frei von Atomkraft und fossilen Energieträgern erzeugt wurde. Oft sind solche Tarife sogar günstiger zu haben als der Normalstrom im örtlichen Grundversorgungstarif. Verbraucherschützer warnten allerdings, dass nicht jedes Öko-Angebot den Ausbau der regenerativen Energien fördere und so zum Klimaschutz beitrage. Sie rieten Kunden, auf Gütesiegel wie "ok Power" und "Grüner Strom" zu achten. Verbraucher können nachhaltige Öko-Tarife auch gezielt mit dem Ökostromrechner im Internet vergleichen.

(mb)

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