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Fukushima: Atomunfall wird so schlimm bewertet wie Tschernobyl

12.04.2011 - 11:47

Die japanischen Behörden ordnen den Atomunfall in Fukushima jetzt auf der höchsten Stufe 7 der internationalen Skala für nukleare Störfälle ein. Bisher hatte Stufe 5 gegolten. Die Katastrophe wird damit nun als ähnlich gravierend wie das Reaktorunglück von Tschernobyl bewertet. In Deutschland zeichnet sich bereits vor Ablauf des Atomkraft-Moratoriums ein beschleunigter Ausstieg aus der Kernenergie ab.

Tschernobyl gilt nicht länger allein als schwerster Atomunfall in der Geschichte der Menschheit. Auch die Vorfälle in den Reaktoren 1 bis 3 im japanischen Kraftwerk Fukushima I wurden jetzt von der Nisa, der Atomsicherheitsbehörde des Landes, auf Stufe 7 der INES-Skala für nukleare Störfälle eingeordnet. Stufe 7, das bedeutet: Folgen für die Gesundheit von Menschen und für die Umwelt in einem weiten Umfeld des havarierten Atomkraftwerkes. "Wir haben die Einstufung der Schwere auf 7 angehoben, weil die Auswirkungen der Strahlung umfassend sind - in der Luft, im Gemüse, in Leitungs- und Meerwasser", sagte ein Nisa-Sprecher laut Spiegel online.

Zehn Prozent des radioaktiven Materials von Tschernobyl freigesetzt

Die freigesetzten radioaktiven Materialien sollen zehn Prozent der von Tschernobyl betragen. Die Strahlung stammt laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo vor allem aus Reaktor 2, wo es am 15. März zu einer Explosion gekommen war. Das radioaktive Leck könnte jedoch die in Tschernobyl freigesetzte Menge noch übertreffen, so Medienberichte unter Berufung auf die Betreiberfirma Tepco. Die japanische Regierung kündigte an, die Messungen von Radioaktivität auszuweiten. Gestern hatten die Behörden bereits eine Erweiterung der Evakuierungszone um das AKW angewiesen.

Die Lage in den betroffenen Meilern ist weiterhin äußerst instabil. Immer wieder müssen Arbeiter die strahlende Ruine verlassen, weil Nachbeben den Untergrund erschüttern. Immer wieder brennt es. In den Kellern der Anlage blockiert stark strahlendes Wasser weiterhin den Zugang zu wichtigen Technikkomponenten. Gleichzeitig muss die Kühlung der Reaktorkerne aufrecht erhalten werden, um eine weitere Kernschmelze zu verhindern. Gestern war sie nach einem Nachbeben für fast eine Stunde ausgefallen.

Deutschland: Atomausstieg bis 2020?

In Deutschland gilt zwar noch das Atom-Moratorium der Bundesregierung bis Mitte Juni - dennoch fordern immer mehr Stimmen einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie. Selbst der Energie-Branchenverband BDEW, bisher ein Verfechter der Kernenergie, sprach sich inzwischen für einen Atomausstieg bis 2020 aus - und damit für eine Rücknahme der Laufzeitverlängerung. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wollen mit einem Sechs-Punkte-Programm schneller das Atomzeitalter verlassen. Es sieht unter anderem einen schnelleren Ausbau der Windenergie und von Stromtrassen sowie schärfere Effizienzstandards vor.

Deutschland werde beweisen, dass ein schnellerer Atomausstieg ein wirtschaftlicher Vorteil sei, so Röttgen gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger. Er sei zwar nicht zum Nulltarif zu haben, doch nach der Investition werde die Rendite folgen. Er verwies auf die 370.000 Arbeitsplätze, die es bereits jetzt im Bereich der erneuerbaren Energien gebe, und auf die Kosteneinsparungen durch mehr Effizienz. Die soziale Komponente der Strompreise müsse allerdings beachtet werden, so Röttgen. Der Atomausstieg werde kein Spaziergang.

Nach aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes hatten die erneuerbaren Energien 2010 einen Anteil von 16,9 Prozent am Bruttostromverbrauch, die Kernenergie kam auf 23,3 Prozent. Der Anteil von Ökostrom hat sich damit zwar seit 1990 mehr als vervierfacht. In Europa lag Deutschland damit laut Statistikbehörde Eurostat aber nur im hinteren Mittelfeld. Zahlen lagen allerdings europaweit nur für die Zeit bis 2008 vor. Demnach war Österreich mit 62 Prozent Ökostromanteil Spitzenreiter bei der Nutzung regenerativer Energiequellen, Deutschland kam 2008 nur auf 15,4 Prozent. Die höchsten Zuwachsraten seit 1990 gab es in Dänemark, wo der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch von 2,6 auf 28,7 Prozent stieg.

(mb)

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