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Atomunfall in Fukushima: Atomausstieg mit Ökostrom

17.03.2011 - 18:52

Der GAU beherrscht seit dem Atomunfall in Fukushima I die Debatten. Die Forderung nach einem schnellen Atomausstieg wird populär. Auch andere Gründe sprechen dafür, die weitere Nutzung der Atomkraft zumindest in Frage zu stellen. Alternativen gibt es schon heute - allerdings nicht zum Nulltarif.

Die Kernschmelzen von Fukushima I haben die Gefahren der Atomkraft plastisch vor Augen geführt. Ein Restrisiko ist ein zwar geringes Risiko, das aber harte Realität werden kann. Und bei der Atomkraft geht es immer um gewaltige Gefahren. Sie bestehen auch Jahre nach der Kraftwerksabschaltung weiter: Die Anlagen müssen weitergekühlt werden, die Brennstäbe produzieren noch lange Hitze.

In der neuen Atomdebatte, die mit der gestrigen Regierungserklärung der Kanzlerin so richtig begonnen hat, sollten aber nicht nur potentielle Störfälle eine Rolle spielen. Denn wer vom günstigen Atomstrom spricht, lügt sich volkswirtschaftlich gesehen in die Tasche. Der Grund: Subventionen für Atomforschung und Reaktorbau, der teure Rückbau der Anlagen oder die Lagerung und Entsorgung der Abfälle. Die Atomkonzerne tragen zwar einen Teil der Milliardenlasten, vereinbart sind aber meist feste Obergrenzen. Kostensteigerungen gehen voll zu Lasten der Steuerzahler. Die Endlagerfrage des tausende Jahre strahlenden Atommülls ist zudem noch völlig ungeklärt. Er steht momentan in Castoren und Abklingbecken herum - eine Gefahr bei Naturkatastrophen, Flugzeugabstürzen oder Terroranschläge und eine gewaltige Last für unsere Nachfahren. Jede Kilowattstunde Atomstrom vergrößert den Müllberg weiter. Weltweit gibt es aber noch kein einziges Endlager. Auch das spricht dafür, die Nutzung dieser Technologie so schnell wie möglich zu beenden.

Der schnelle Ausstieg ist machbar

Machbar wäre das in sechs bis zehn Jahren, so die Meinung vieler Experten. Schon jetzt sind laut Umweltbundesamt bis zu neun AKWs verzichtbar. Nötig wären allerdings riesige Investitionen in erneuerbare Energien, intelligente Netzsteuerung oder Kraft-Wärme-Kopplung. Laut Spiegel geht es um 230 Milliarden Euro bei einem Ausstieg bis 2020, das wären einige Cent pro Kilowattstunde und Verbraucher. Peanuts allerdings im Vergleich zur Bankenrettung. Und die Kosten relativieren sich: Der Umbau der Energieversorgung ist ohnehin geplant und würde lediglich beschleunigt. Ausgaben für konventionelle Kraftwerke und Brennstoffe würden sinken, Investitionen in Zukunftstechnologien steigen, das Wachstum angekurbelt. Eine ökologische Stromversorgung reduziert außerdem Folgekosten durch Umwelt- und Gesundheitsschäden. Und auch ohne Atomausstieg dürften die Strompreise bis 2020 zulegen.

Ökostrom statt Kernkraft

Auf die Politik warten müssen atomkritische Verbraucher ohnehin nicht: Die Wahl eines Öko-Stromtarifs, der atomstromfrei erzeugt wird und den Ausbau der regenerativen Energien gezielt fördert, setzt ein deutliches Zeichen. Gütesiegel unabhängiger Organisationen stellen dabei sicher, dass der Anbieter seine Versprechen auch einhält. Finden und vergleichen lassen sich nachhaltige Öko-Tarife seit heute mit dem Ökostromrechner. Auch durch ein bewusstes Verbrauchsverhalten können Haushalte die Energiewende unterstützen. Jede Kilowattstunde, die nicht unnötig verschwendet wird, muss auch nicht ersetzt werden - und kann höhere Ausgaben für den Ökostrom ausgleichen.

Allerdings müssten die Deutschen für eine schnelle Energiewende ihre lähmenden Proteste und Einsprüche gegen Windräder, hocheffiziente Kraftwerke und neue Stromleitungen überdenken. Ohne sie könnten nur konventionelle Kraftwerke und Stromimporte die Kernenergie ersetzen. Klima-GAU statt dem Risiko eines atomaren GAUs - das kann niemand wirklich wollen. Hochspannungsleitungen und Windmühlen sind zwar nicht hübsch, müssen aber Mindestabstände zu Wohnhäusern einhalten. Und im Vergleich zu einem explodierenden Atomkraftwerk sind ihre Risiken überschaubar. Die Kernkraft ist zwar relativ einfach ersetzbar. Aber nicht umsonst.

(gh)

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