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EU Energiegipfel: Forderung von Verbänden und Unternehmen nach Netzausbau

03.02.2011 - 19:05

Ein Sondergipfel der EU befasst sich am 4. Februar mit dem Thema Energie. Unternehmen und Verbände machen Druck: Nötig sei mehr Tempo beim Netzausbau, so die Forderung. Ohne leistungsfähige Stromnetze sei auch der Energiebinnenmarkt nicht denkbar. Gebraucht werden schneller Genehmigungsverfahren und viel Geld.

Es könnte ein historisches Treffen werden, zu dem die Vertreter der 27 EU-Mitglieder nach Brüssel reisen. Entweder wegen richtungsweisender Beschlüsse zur zukünftigen Energiepolitik der Union und ihrer Mitgliedsstaaten - oder, weil eine Chance vertan wurde. Denn der Energiesektor steht vor enormen Herausforderungen: Der Anteil der erneuerbaren Energien muss steigen, um die Klimaziele zu erreichen und unabhängiger vom Import von Kohle, Öl und Gas zu werden. Vor allem das Nadelöhr Stromnetz dürfte zum beherrschenden Thema werden.

Herausforderung: mehr Wettbewerb und mehr Ökostrom

Denn derzeit ist das Thema Strom noch eine weitgehend nationale Angelegenheit. Die Leitungen lassen einen internationalen Austausch und Handel von elektrischer Energie kaum zu. Das behindert die Entwicklung eines Strom-Binnenmarktes, wie ihn eine Erklärung fordert, die von 20 Unternehmen und Verbänden der Branche unterzeichnet ist, darunter Siemens, Vattenfall oder die European Wind Energy Association. Gebraucht werde zudem ein Marktregelwerk, so das Papier. Der freie Wettbewerb soll dann für sinkende Strompreise sorgen.

Nötig ist der Netzausbau aber auch, um den Anteil der erneuerbaren Energien zu steigern. Windparks in der Nordsee oder Pumpspeicherwerke in Skandinavien können aktuell nicht einspringen, wenn spanische Solarzellen weniger Strom liefern. Die Leitungen reichen selbst in den einzelnen Mitgliedsstaaten nicht aus, um die Schwankungen der erneuerbaren Energien zu schultern und den Strom in die Ballungszentren zu bringen. Gebraucht wird zudem eine intelligente Steuerung, der Aufbau des Smart Grid. Noch hinkt der Netzausbau aber weit hinter dem Bedarf her. Der deutsche Energie-Branchenverband BDEW verlangt deshalb raschere Genehmigungsverfahren und eine Anerkennung der Ausbaukosten bei der Regulierung der Netzgebühren. Auch der Verband kommunaler Unternehmen, dessen Mitglieder vor Ort tausende Photovoltaik- und Biogasanlagen anschließen müssen, stößt ins gleiche Horn.

Der Netzausbau kostet 140 Milliarden

Die Kosten des Netzausbaus sind gewaltig - mit 140 Milliarden Euro bis 2020 rechnet EU-Energiekommissar Günther Oettinger, um das Stromnetz auf Vordermann zu bringen. Das ist viel Geld - andererseits aber eine Investition in die Zukunft. Denn auch die Kosten für fossile Energieträger sind hoch. Allein die Bundesrepublik importierte 2009 Erdöl und Erdgas im Wert von rund 55 Milliarden Euro. Schon deshalb kann Europa es sich nicht leisten, die Herausforderungen wie beim vorhergehenden Energiegipfel weitgehend beiseite zu schieben. 2006 gab es nur allgemein formulierte Ziele wie das Bekenntnis zur Nutzung erneuerbarer Energien. Für ein historisches Treffen wäre das zu wenig.

(mb)

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