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Energiewende: Wer zahlt die Zeche?

27.08.2012 - 15:25

Dass die Energiewende notwendig und gut ist, bestreitet wohl niemand. Doch angesichts der aktuellen Prognosen von steigenden Strompreisen, stellt sich die Frage: Wer muss am Ende den Preis dafür zahlen? Die Stromindustrie und die Politik schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe.

Die Diskussionen der letzten Wochen zum Thema Energiewende wirken inzwischen wie eine medial inszenierte Version des Spiels vom "Schwarzen Peter“. Einerseits möchte die Politik nicht, dass die Wähler denken, sie treiben den Strompreis in die Höhe. Andererseits möchte die Industrie auch nicht verantwortlich sein und die Verbraucher verärgern. Immer wieder wird neues Öl in das Diskussions-Feuer gegossen.

Verbraucher zahlen Milliarden zu viel

Vergangene Woche etwa sorgte eine Auftragsstudie der Bundestagsfraktion der Grünen für einen Aufschrei bei den Stromversorgern. Der Autor der Studie, Gunnar Harms, hatte sie beschuldigt, ihre Kunden einen höheren Preis zahlen zu lassen, als notwendig wär. Sie würden große Gewinnmargen einfahren, während der Verbraucher eigentlich bis zu zwei Cent pro Kilowattstunde allein in diesem Jahr hätte sparen können. Insgesamt macht das geschätzte drei Milliarden Euro aus, die laut Ansicht von Harms zu viel gezahlt wurden.

EEG-Umlage als Sündenbock

Bisher wurde die Schuld gern auf die EEG-Umlage geschoben. Sie sei seit ihrer Einführung kontinuierlich gestiegen und hätte somit den Strompreis in die Höhe getrieben. Auch das Magazin Der Spiegel beschreibt sie als den „größten Kostenposten der Energiewende“. Denn die staatliche Förderung für Betreiber von Wind-, Solar- und Biogasanlagen bekommen einen fixen, garantierten Preis – auch wenn der tatsächliche Preis an der Börse niedriger ist.

Die Mehrkosten für die höhere Differenz müsse der Verbraucher über die Umlage zahlen, die vermutlich im nächsten Jahr auf fünf bis sechs Cent ansteigt und damit auch den Strompreis teurer macht.  Harms hat dieses Argument in seiner Studie jedoch entkräftet. Seiner Ansicht nach wäre der Strompreis auch ohne die Umlage bisher um einiges höher ausgefallen, als es eigentlich – dank sinkender Einkaufspreise an der Strombörse – für die Konzerne notwendig gewesen wäre.

RWE-Chef Terium: „Wir haben nicht gezockt“

Konzerne, wie RWE und Vattenfall, gehen in die Defensive und schildern in Interviews ihre Sicht der Dinge. In der BILD-Zeitung reagiert Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von RWE, auf den Vorwurf aus der Grünen-Studie:  „Nein. Wir haben gesunkene Preise für Strom auf der Beschaffungsseite, an der Börse, genutzt, um den Anstieg der staatlichen Abgaben und Umlagen aufzufangen. Wir haben nicht ‚gezockt‘“.

Und auf die Schuldzuweisung von Bundesumweltminister Peter Altmaier, dass die Energiewirtschaft die Preise festlege, entgegnet er weiter: Knapp die Hälfte des Strompreises geht auf das Konto des Staates. Hinzu kommt ein knappes Drittel für die staatlich regulierten Netzentgelte“. Die Verantwortung trage zu einem Viertel die Unternehmen, überwiegend jedoch der Staat.

Stromrechnung wird weiter steigen

Auch der Europa-Chef von Vattenfall, Tuomo Hatakka, meldet sich zu Wort. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) antwortet er auf die Frage, wie teuer der Strompreis noch werden könne:  „Der Bau von Wind- und Solarparks, riesige neue Stromleitungen quer durchs Land, neue Kraftwerke, die Flauten bei erneuerbaren Energien ausgleichen können: Allein in den nächsten zehn Jahren sind Investitionen von 150 Milliarden Euro nötig.

Ein Großteil dieser Kosten wird qua Gesetz auf die Stromrechnung umgelegt werden. Ich gehe davon aus, dass die Rechnung für Privatkunden bis 2020 um bis zu 30 Prozent steigen könnte“. Vattenfall würde ja gerne die Preise senken, das läge jedoch nicht in ihrer Hand. Er schiebt die Schuld ebenfalls auf die Regierung und die Gesetzeslage.

Versorger unter Druck setzen

Das Hin- und Herschieben des Schwarzen Peters geht vermutlich auch künftig munter weiter. Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, kommentierte indes die von ihrer Partei in Auftrag gegebene Studie: „Die Stromrechnungen für die privaten Haushaltskunden steigen unaufhaltsam, weil sie von Stromanbietern und der Politik gleichzeitig in die Zange genommen werden“. Das könne so nicht weiter gehen. Sie fordert: „Die Verbraucher müssen verstärkt den Stromanbieter wechseln. Wenn die Wechselquote steigt, werden die angestammten Versorger merken, dass man dieses Kundensegment bei Preissenkungen nicht vergessen darf“.

Anbieterwechsel leicht gemacht

Wer auch immer die Preissteigerungen verursacht, die Verbraucher haben keine Wahl – sie müssen den geforderten Preis für ihren Strom bezahlen. Doch sie haben die Möglichkeit, den Strom- oder Gasanbieter mit dem günstigsten Tarif zu wählen. Die Vergleichsrechner von CHECK24 machen es möglich: Verbraucher finden auf diese Weise leicht den für sie passendsten Anbieter.

(rfi)

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