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Die Energiewende ist teuer - konventionelle Energien auch

17.10.2016 - 10:04

Die EEG-Umlage wird 2017 auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde angehoben – das sind rund acht Prozent mehr als in diesem Jahr. Wie jedes Jahr sind die Proteste groß, die Energiewende sei zu teuer, heißt es von vielen Seiten. Dabei kommen konventionelle Energien den Stromkunden nicht günstiger als Ökostrom – ganz im Gegenteil.
 

Windkraft und Solarenergie sind nicht teurer als konventionelle Energien.
Nicht nur Ökostrom wird staatlich subventioniert.

Auch Atom- und Kohlestrom wird gefördert

Die staatlichen Fördergelder und gesellschaftlichen Folgekosten für Strom aus konventionellen Energien sind im kommenden Jahr rund 1,5mal so hoch wie die Förderung für erneuerbare Energien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Energy. Denn Kohle- und Atomindustrie erhalten staatliche Finanzhilfen, Förderungen und Steuervergünstigungen, die aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Anders als die Ökostrom-Umlage sind diese Kosten jedoch kein ausgewiesener Bestandteil des Strompreises und für Kunden somit alles andere als transparent.
 

Die wahren Kosten werden verschleiert

„Würden die Subventions- und Umweltkosten der konventionellen Energien nach EEG-Methode in die Stromrechnungen eingepreist, müssten private Haushalte rechnerisch statt durchschnittlich etwa 29 Cent dann rund 39 Cent für eine Kilowattstunde Strom bezahlen“, sagt Studienleiterin Swantje Fiedler vom FÖS. „Wir brauchen eine ehrliche und faire Debatte darüber, was unser Strom wirklich kostet und wer diese Kosten in welchem Maße verursacht“, fordert auch Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy.
 

Warum die EEG-Umlage steigt

Vor Kritik an der Höhe der Ökostrom-Umlage sollte zudem berücksichtigt werden, wie diese zustande kommt. Mit der EEG-Umlage wird die Differenz zwischen dem Preis, der für den Strom im Großhandel gezahlt wird, und der EEG-Vergütung ausgeglichen. Befindet sich der Börsenstrompreis wie derzeit im Keller, steigt die Differenz an. Der Börsenstrompreis wiederum wird gedrückt von der Überproduktion. Denn in der Regel wird genug Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt, und dieser hat in deutschen Netzen Vorrang. Die Kohlekraftwerke jedoch produzieren weiter. Der hier produzierte Strom wird dann günstig ins Ausland verkauft.
 

Haushaltskunden zahlen für die Industrie mit

Auch die Tatsache, dass sich stromintensive Betriebe ganz oder teilweise von der EEG-Umlage befreien lassen können, trägt zu deren Anstieg bei. Denn die übrigen Stromkunden – die ohnehin einen teureren Strompreis zahlen als die Industrie – zahlen die EEG-Umlage für diese Unternehmen mit.
 

Solarboom von 2010 wirkt heute noch nach

Hinzu kommt, dass noch immer der Boom nachwirkt, den die Solarwirtschaft vor rund fünf Jahren erlebt hat. Die Vergütung für Solarstrom auf Freiflächen wurde damals mit 28 Cent pro Kilowattstunde sehr hoch angesetzt. Da die Vergütung 20 Jahre lang ab der Inbetriebnahme gilt, hat dies auch heute noch Auswirkungen auf die Höhe der EEG-Umlage. Nicole Weinhold vom Portal Erneuerbare Energien weist jedoch in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass es gerade die hohe Förderung war, die den erneuerbaren Energien weltweit zum Durchbruch verholfen hat. So wurden technologische Fortschritte möglich, die dazu geführt haben, dass die erneuerbaren heute eben nicht mehr teurer sind als fossile Energien. 

(mwa)

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