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EEG-Reform: Das neue Ökostrom-Gesetz

09.06.2016 - 14:33

Am Mittwoch hat die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) das Kabinett passiert. Was müssen Verbraucher beachten? Wird die Energiewende ausgebremst? Wir haben die wichtigsten Änderungen zusammengefasst.
 

Das neue Ausschreibungsmodell

EEG-Reform: Solaranlagen auf dem eigenen Hausdach lohnen sich
Eine eigene Solaranlage lohnt sich nach wie vor.

Bislang erhielten Betreiber von Solar-, Wind-, oder Biogas-Anlagen pro Kilowattstunde Ökostrom gesetzlich festgelegte Einspeisevergütungen. Ab 2019 soll die Förderung über ein Ausschreibungsmodell abwickelt werden. So werden etwa neue Windkraftanlagen nur gefördert, wenn sie sich in einer Ausschreibung gegen andere Projekte durchsetzen können. Dabei erhält derjenige Investor den Zuschlag, der sein Projekt zu den geringsten Fördersätzen realisiert. Die ersten Ausschreibungen sollen ab Mai 2017 beginnen. Bei Biomasse und Solarenergie soll ein ähnlicher Prozess eingeführt werden. Kleine Anlagen bis zu 750 Kilowatt Leistung sind nicht von der Neuregelung betroffen.
 

Ziel der EEG-Reform

Mit den Ausschreibungen sollen Überkapazitäten gedeckelt und die Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren eingedämmt werden. Stromkunden mussten im vergangenen Jahr insgesamt knapp 25 Milliarden Euro für die EEG-Umlage zahlen. Der Anlagen-Ausbau soll zudem etwas verlangsamt werden, um mehr Zeit für den Netzausbau zu haben.

Drosselung des Ökostrom-Ausbaus

Das bisherige Fördersystem wird umgestellt: die bisherige Steuerung über den Preis erfolgt nun über die Strommenge. Es werden feste Ausschreibungsmengen festgelegt, um die sich Anlagenbetreiber bewerben müssen. Konkret wird für Windparks an Land in den ersten drei Jahren eine Höchstmenge von 2.700 Megawatt (MW) vorgeschrieben. Ab 2022 soll die Menge auf 2.800 MW aufgestockt werden. Das entspräche in etwa 600 bis 900 Windräder pro Jahr. In Solarparks dürften insgesamt 600 MW und in Biomasse-Anlagen 150 MW Ökostrom produziert werden. Die Landesregierung Bayerns hat durchgesetzt, dass bei Biogas die Strommenge von 2020 an bis 2022 auf 200 MW erhöht wird.

Bremse für die Energiewende

Die Ökostrom-Branche befürchtet, dass die EEG-Reform die Energiewende ausbremst. Bis 2025 sollen demnach nicht mehr als 45 Prozent des Stroms aus regenerativen Energiequellen stammen. Für die Branche sowie Umweltschutzverbände ist dies ein Rückschlag auf dem Weg zum Ausstieg aus Kohle und Kernkraft. In Bundesländern wie Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, in denen bereits viele Windkraftanlagen errichtet wurden, wird die Ausschreibungsmenge zudem gesenkt. Bleibt zu hoffen, dass auch diese Novelle, so wie bereits die Verschärfungen durch die letzte Reform, die Investoren antreibt, ihre Projekte schneller zu realisieren. Zwar werden die Fördersätze für Windenergie schon jetzt reduziert, dennoch könnte es vor 2017 noch zu einem kleinen Windkraft-Boom kommen. Möglicherweise wird die Obergrenze an Ökostrom so überschritten.

Was sich für Verbraucher ändert

Für Privatleute, die ihre eigenen kleinen Solaranlagen auf dem Hausdach betreiben, ändert sich nicht viel. Anlagen mit einer Leistung bis zu 750 Kilowatt werden weiterhin gesetzlich gefördert. Je nach Anlagengröße beträgt die Förderhöhe zwischen elf und zwölf Cent pro eingespeister Kilowattstunde. Es lohnt sich für Stromkunden also nach wie vor, eigenen Ökostrom zu erzeugen. Schwierig wird es für sogenannte „Bürgerenergie-Modelle“, Genossenschaften, die gemeinsam Windparks betreiben. Denn sie müssen sich ebenfalls an den Ausschreibungen teilnehmen, haben aber großen Investoren gegenüber geringe Chancen. Damit die Bürgerenergie-Gesellschaften nicht auf den Investitionskosten sitzen bleiben, sieht die Regierung hier eine Sonderregel vor. So müssen sie die Genehmigungen erst erbringen, wenn sie den Zuschlag für die Anlage haben.

Eigener Beitrag zur Energiewende

Verbraucher sollten sich von den neuen Regelungen nicht abschrecken lassen. Es lohnt sich weiterhin, Ökoenergie in den eigenen vier Wänden zu produzieren. Sei es mit einem Solardach oder einem Mini-Blockheizkraftwerk. Wer kein Eigenheim hat und trotzdem zum Klimaschutz beitragen möchte, sollte auf Ökostrom umsteigen.

(sst)
 

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