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Windenergie: Vortex verleiht (keine) Flügel

16.06.2015 - 16:46

Weiße riesige Masten stecken in der Erde - was überdimensionalen Baseballschlägern gleicht, soll den Windenergiemarkt revolutionieren: Das spanische Start-Up Vortex will Windkraftanlagen ohne Rotorenblätter bauen. Dafür machen sich die spanischen Ingenieure einen Effekt zunutze, den die meisten Architekten fürchten: die sogenannte Vortizität oder Wirbelstärke.

Dieser aerodynamische Effekt kann hohe Gebäude in so starke Schwingungen versetzen, dass der Beton bricht und Glasscheiben zerspringen. Deshalb versuchen besonders Hochhausarchitekten und Brückenkonstrukteure, den Windströmungen mit besonderen Baumaßnahmen entgegenzuwirken. Die Panik vor der Kraft des Windes ist nicht unbegründet: So brachte der Wirbelstärkeneffekt im Jahr 1940 eine komplette Hängebrücke in den USA zum Einsturz.

Böse Schwingungen - Gute Schwingungen

Vortex: Windräder ohne Flügel
Sehen so die Windräder der Zukunft aus?
Foto: Vortex
Diese Katastrophe war es auch, die den Vortex-Gründer David Suriol auf die Idee brachte, die starken dynamischen Kräfte zu nutzen, statt sie zu umgehen. Das Projekt Bladeless (aus dem Engl: ohne Rotoren) war geboren. Bei den aus Fiberglas und Karbon konstruierten Prototypen verstärkt sich die Wirbelbildung entlang des Mastes sogar noch. Die so gewonnene Energie wird dann wie bei einem herkömmlichen Windrad mithilfe eines Generators in Strom umgewandelt. Ein Vorteil der flügellosen Stelen ist, dass sie auch bei leichter Windstärke funktionieren. So könnten sie auch in windarmen Gegenden zum Einsatz kommen.

Mehr Platz für Mensch und Natur

Ein weiterer Vorzug der neuartigen Windräder ist auch, dass sie nicht so viel Platz benötigen wie gewöhnliche Windkraftanlagen. Laut den Entwicklern könnten mit der neuen Technik doppelt so viele Anlagen auf der gleichen Fläche installiert werden. Zudem fällt das lärmende Drehen der Flügel weg, das Mensch und Tier gleichermaßen stört. Auch Vögel würden nicht mehr zwischen die Rotorblätter geraten, wie es ab und an bei einem normalen Windrad geschieht.

Effizient und günstig

Wenn die Berechnungen der Konstrukteure stimmen, dann lohnen sich die kargen Windmasten auch finanziell. Demnach seien Herstellungs- und Betriebskosten um rund die Hälfte günstiger als bei Standard-Windparks. Zudem gehen die Spanier von bis zu 80 Prozent weniger Wartungskosten aus, da keine beweglichen Teile im Spiel sind und das Material dadurch nicht so schnell ermüdet.

Mit Crowdfunding in die Zukunft

Um auf dem Energiemarkt zu starten, haben die Unternehmer im Juni eine Crowdfunding-Kampagne über die Plattform Indiegogo gestartet. Schon zwei Wochen nach Kampagnenstart haben die Bladeless-Pioniere ihr gewünschtes Finanzierungsziel erreicht: Über tausend Unterstützer haben sich bisher mit mehr als 57.000 US-Dollar an dem Windenergieprojekt beteiligt. Um ihr Pilotprojekt in Indien zu finanzieren, möchten sie noch weitere 90.000 US-Dollar sammeln.

Der eigene Beitrag für die Energiewende

Wer die Energiewende hierzulande unterstützen will, kann Ökostrom beziehen. Denn mit jedem Ökostromkunden mehr, kann der Ausbau regenerativer Energien vorangetrieben werden.

(sst)
 

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