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Atomkraft-Moratorium: mehr Stromimporte und höhere Gaspreise

04.04.2011 - 17:04

Nach dem Atomkraft-Moratorium der Bundesregierung importiert Deutschland zunehmend Strom aus Frankreich und Tschechien. Als Reaktion gehen gleichzeitig die Gaspreise nach oben, Experten rechnen mit einem weiteren Anstieg in der Zukunft. Auch Kohle verteuerte sich nach dem Reaktorunglück.

Seit der vorübergehenden Abschaltung der sieben ältesten Atomkraftwerke importiert Deutschland zunehmend Strom aus dem Ausland. Nach Angaben des Branchenverbandes BDEW floss seit dem 16. März mehr Strom über die Grenze in die Bundesrepublik als umgekehrt. Die zusätzlichen Strommengen stammten demnach vor allem aus Frankreich, wo europaweit die meisten Atomkraftwerke laufen, und aus Tschechien, das kurz hinter der deutschen Grenze das umstrittene AKW Temelin betreibt. In der ersten Monatshälfte war Deutschland dank steigender Ökostrommengen unterm Strich noch Strom-Exporteur.

Warnungen vor Blackouts

Insbesondere in Süddeutschland drohe eine Stromlücke und ein möglicher Blackout, warnte RWE-Manager Fritz Vahrenholt in der "Welt". Der Energiekonzern hatte am Freitag Klage gegen die Abschaltung seines AKW Biblis A eingereicht. Widerspruch kommt von der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die laut Spiegel online von einer künstlichen Debatte sprach. Die Erzeugungskapazitäten in Deutschland reichten mehr als aus, um den Bedarf selbst in Spitzenzeiten zu decken. Die gestiegenen Stromzuflüsse aus dem Ausland erklärten sich dadurch, dass die Strommärkte sich stets mit dem günstigsten Strom versorgten, der zeitweise von den Atomkraftwerken in Frankreich kommen könne.

Solche Szenarien habe es auch vor dem Moratorium bereits gegeben. Ähnlich äußerten sich dem Bericht zufolge auch die Grünen. Die Bundesregierung prüft nach Angaben von Sprecher Steffen Seibert derzeit die Auswirkungen der AKW-Zwangspause auf den Strommarkt. Unterdessen zeigen sich an den weltweiten Energiemärkten die Folgen des japanischen Atomunfalls: Wegen der Abschaltung von Atomkraftwerken und des Aussetzens von Neubauprojekten erwarten die Händler einen höheren Bedarf an fossilen Brennstoffen. Die Gaspreise legten im März laut Financial Times Deutschland im Terminhandel deutlich zu. Investoren spekulieren auf einen weiteren Preisanstieg. Auch der Kohlepreis verteuerte sich nach der Reaktorkatastrophe ebenfalls deutlich. Die Ölpreise hatten wegen der Libyen-Krise ohnehin bereits zu einem Höhenflug angesetzt.

Keine Milliardenverluste trotz Moratorium

Verbraucher müssen in der Zukunft also mit höheren Ausgaben für Energie rechnen. Die deutschen Stromkonzerne könnten dagegen auch bei einer Rücknahme der Laufzeitverlängerung ungeschoren davonkommen. Allein der aktuelle Stillstand der älteren Meiler bedeutet für die Unternehmen zwar täglich Umsatzverluste in Millionenhöhe. Die bereits jetzt deutlich gestiegenen Strompreise im Großhandel können das jedoch ausgleichen, so der FTD-Bericht. Ganz machtlos sind die Verbraucher der Preispolitik der Energieversorger allerdings nicht ausgeliefert: Sie können zu Anbietern wechseln, die günstig Strom liefern - das sorgt für mehr Wettbewerb und drückt die Preise. Ein Bremsklotz für Umweltschutz und Atomausstieg müssen sie dabei nicht sein: Schon jetzt bieten zahlreiche Unternehmen Ökostrom zu marktfähigen Preise an. Kohle- und Ölpreissteigerungen kosten diese Kunden dann nur noch ein Lächeln.

(mb)

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