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Debatte über Atomkraft nach Katastrophe in Japan: Brückentechnologie oder Restrisiko?

14.03.2011 - 14:16

Nach dem Atomunfall in Japan wird in Deutschland wieder über die Sicherheit der Atomkraft diskutiert. Der Eindruck der Katastrophe bestimmt die Debatte. Doch Alternativen zur Kernkraft sind rar.

Eine Naturkatastrophe unvorstellbaren Ausmaßes hat Japan heimgesucht. Tausende Menschen sind tot, hunderttausende obdachlos. Neben aller Betroffenheit hat die Riesenwelle auch ein Thema zurück auf die Tagesordnung gespült, das bereits im Abklingbecken der Geschichte zu liegen schien: die Sicherheit der Atomenergie. Die Störfälle in Fukushima machen klar: Das Restrisiko lässt sich auch in einer westlichen Industrienation nicht ganz ausschließen, weil sich Naturgewalten, Zufall oder Schicksal nicht an Auslegungsgrenzen und Notfallpläne halten.

Die Chance, dass sich ein solcher Störfall auch in Deutschland ereignet, ist sehr gering. Schwere Erdbeben und Tsunamis werden Kraftwerke wie Biblis oder Neckarwestheim eher nicht heimsuchen. Aber auch in Deutschland kann es zu einer Verkettung mehrerer unglücklicher Zufälle kommen. Mahner warnen vor dem Absturz eines großen Flugzeugs auf einen der älteren Meiler. Wahrscheinlich ist das alles nicht. Doch das haben sie in Japan auch gesagt.

Der Atomausstieg ist sicher

Nun sind Rufe nach mehr Atom-Sicherheit wohlfeil. Selbst Politiker aus den Regierungsparteien, die eben noch die Laufzeitverlängerung beschlossen haben, wollen sie jetzt aussetzen oder wenigstens einige alte Meiler abschalten. Doch mit Aktionismus lässt sich eine bezahlbare, umweltfreundliche und sichere Stromversorgung nicht erreichen. Viele Alternativen gibt es ohnehin nicht, und dass Deutschland mittelfristig weg soll von der Atomenergie, ist sowieso schon beschlossene Sache.

Rund ein Fünftel des Stroms stammt hierzulande aus AKWs. Doch womit soll man sie ersetzen? Kohle? Verursacht Unmengen an klimaschädlichen CO2-Emissionen. Auch wenn die Industrie die unterirdische Speicherung des Gases verspricht - wann und ob diese Technik sicher funktioniert und wie teuer sie wird, ist ebenso offen wie die Suche nach einem Atommüll-Endlager. Sonnenenergie? Kostet viel und bringt im Verhältnis dazu wenig Strom. Biomasse? Der Platz auf den Äckern reicht kaum, um alle Autos mit Rübensprit zu betanken.

Bleiben noch Windkraft und Erdgas. Mit Windmühlen wäre eine bezahlbare Stromversorgung hierzulande machbar, schätzen Experten, schnell regelbare Gasturbinen könnten bei Flaute einspringen. Dafür müssten aber nicht nur jede Menge neue Windräder aufgestellt werden. Gebraucht werden auch tausende Kilometer neue Stromleitungen und Stromspeicher.

Erneuerbare gezielt fördern - und Strom sparen

Bei den in Deutschland üblichen Genehmigungsverfahren dauert der Bau einer Hochspannungstrasse derzeit zehn bis zwanzig Jahre. Schon jetzt hinkt der Neubau dem Bedarf hinterher. Hier kann die Politik ansetzen: Schnellerer Ausbau des Stromnetzes, gezielte Förderung derjenigen erneuerbaren Energien, die eine hohe Stromausbeute bieten - und natürlich strenge Sicherheitsregeln für die möglichst kurze Restlaufzeit der Atomkraftwerke. Nötig ist auch eine Abstimmung mit den europäischen Nachbarn, denn Strahlung hält sich nicht an Staatsgrenzen.

Aber auch Verbraucher können aktiv ihren Beitrag leisten. Zum einen durch die bewusste Entscheidung für einen Stromanbieter, der bereits jetzt Energie aus regenerativen Quellen liefert und ihre Nutzung gezielt ausbaut. Der private Atomausstieg kann sich sogar lohnen, wie ein Vergleich zeigt: Im Januar gab es in jeder der 50 größten deutschen Städte mindestens ein Öko-Angebot, das günstiger war als der örtliche Grundversorgungstarif. Zum anderen durch simples Strom sparen: Der bloße Standby-Verbrauch der Elektrogeräte summiert sich zum Beispiel deutschlandweit auf die Stromproduktion eines Atomkraftwerks. Einfach aufstehen und die Glotze ganz ausschalten statt mit der Fernbedienung – schon könnte ein AKW vom Netz.

(gh)

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