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Risikolebensversicherung: Die Stornoquote steigt immer weiter

09.09.2010 - 21:18

Die Zahl der Stornierungen bei der Renten- und Risikolebensversicherung ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Dabei sind frühe Stornos ein Verlustgeschäft für beide Vertragsparteien. Die Gründe für die Kündigungswelle sind vielfältig.

Die globale Finanzkrise hat den Versicherern stark zugesetzt, auch wenn diese oft Zuversicht verbreiten. Anhand der stetig steigenden Anzahl von Stornierungen für Lebens- und Rentenversicherungen wird dies besonders deutlich. Denn im vergangenen Jahr verloren die Versicherungen aufgrund von Vertragskündigungen mehr als sechs Prozent ihrer Beitragssumme. Die Freude über die etwa 6,4 Millionen neu abgeschlossenen Verträge wird daher sicherlich getrübt sein. Und das auch, weil von den frischen Verträgen weniger als ein Achtel über die ersten Jahre hinaus Bestand hat. Dies berichtete „Zeit Online.“ Rein statistisch lösen die meisten Kunden bereits nach sieben Jahren ihre bestehenden Versicherungsverträge auf.

Frühzeitige Stornierungen sind ein Verlustgeschäft – für Versicherung und Kunden

Frühe Stornierungen stellen für beide Vertragspartner ein Verlustgeschäft dar. Einerseits erhält der Sparer eine kaum bedeutende Rückerstattung für die gekündigte Risikolebensversicherung. Vielmehr verursachte sie ihm bis zu diesem Zeitpunkt nur Kosten. Andererseits sinken auch die Einnahmen der Versicherungsgesellschaft, da diese hohe Provisionen an Vermittler zahlen, um die Policen überhaupt erst zu verkaufen. Zu guter Letzt werden so auch immense Kosten verursacht, die zu Lasten derer gehen, die ihren Vertrag bis zum Ende der Laufzeit besparen.

 

Die wachsende Zahl der frühen Vertragsauflösungen ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen. Laut Jochen Ruß, dem Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften, geraten die Sparer oft in eine finanzielle Notlage und müssen deshalb bestehende Versicherungen aufkündigen. Zusätzlich trage die Schnelllebigkeit der Gesellschaft dazu bei, dass sich die Verbraucher nicht mehr langfristig an ein Versicherungsunternehmen binden wollen. Zusätzlich ist oftmals eine falsche Beratung verantwortlich für eine frühzeitige Kündigung. Denn Verträge, die nicht der eigentlichen finanziellen Gesamtlage entsprechen, werden relativ schnell wieder storniert.

Fondsgebundene Verträge erhöhen das Stornorisiko

Auch zwei neue Phänomene tragen zu der Stornowelle bei. Erstens hat die Regierung den Wechsel von Verträgen zur Riester-Rente erleichtert. Das führte dazu, dass Vermittler damit Geld verdienen, indem sie die Versicherten „umdecken“. Dies bedeutet, dass sie die Kunden aus ihren alten Verträgen heraus und direkt in neue Versicherungen hinein buchen. Einen Vorteil bietet dies nur für diejenigen Kunden, die einen Vertrag mit niedriger Rendite abgeschlossen hatten. Dass die Vermittler hier kräftig mitverdienen, liegt auf der Hand.

 

Vordergründig sind jedoch die fondsgebundenen Versicherungen für die vielen Stornierungen ausschlaggebend. Diese sollten Kunden dieselbe Sicherheit bieten wie eine klassische Versicherung und zusätzlich an den Renditen des Aktienmarktes beteiligen. Das Konzept ging auf, die Verkaufszahlen stiegen – jedoch nur bis zur Finanzkrise. Denn bei den alten Policen ist der Garantiezins sicher, während die Kunden bei fondsgebundenen Verträgen komplett vom Aktienmarkt abhängig sind. Da der Kunde genau nachvollziehen kann, welchen Wertverlust er hinnehmen muss, sind diese Verträge deutlich anfälliger für eventuelle Stornierungen.

Dubiose Angebote am Zweitmarkt

Auch die Entwicklung des Zweitmarktes, auf dem einige Anbieter die Policen der Versicherten aufkaufen und weiterführen, trug wenig zur Entspannung der Lage bei. Die Käufer zahlten mehr für den Vertrag als die Versicherung selbst und hielten dadurch die Stornierungszahlen niedrig. Doch im Zuge der Wirtschaftskrise brach der Zweitmarkt nahezu völlig zusammen. Mittlerweile beherrschen etliche fragwürdige Ankäufer den Zweitmarkt. Diese lösen die bestehenden Verträge der Risikolebensversicherung auf und spekulieren mit dem Geld am Aktienmarkt. Erst dann soll das Geld an die Kunden mit dem Versprechen einer hohen Rendite ausgezahlt werden. Oft genug ist dies jedoch nicht der Fall und die Kunden gehen leer aus. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnte bereits eindringlich vor solch zwielichtigen Offerten.

 

(tei)

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