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Salvador de Bahia - das afro-brasilianische Herz des WM-Landes

04.07.2014 - 12:34

Die deutsche Nationalelf hatte gleich zu Beginn gegen Portugal das Vergnügen, am Samstag laufen die Niederlande und Costa Rica zum Viertelfinale in der Arena Fonte Nova in Salvador de Bahia auf. Die ehemalige Hauptstadt Brasiliens ist mit ihrer einzigartigen Kultur auch abseits der Fußball-Weltmeisterschaft eine Reise wert. 1551, nur zwei Jahre nach der Gründung, lebten bereits 50 afrikanische Sklaven in der Küstenstadt, schnell entwickelte sie sich zu einem Zentrum des Sklavenhandels im portugiesischen Kolonialreich. Heute leben fast drei Millionen Menschen in der größten Stadt im nordöstlichen Brasilien. In kaum einer anderen Region haben Afrobrasilianer und ihre Kultur einen so hohen Stellenwert wie hier.

Wer bei einer Reise zur WM nach Brasilien nicht nur Fußballpartien sondern auch den von afrikanischen Sklaven entwickelten Kampftanz Capoeira erleben will, muss in Salvador lediglich mit offenen Augen durch die Straßen gehen. Der Karneval der Metropole ist nach den Umzügen von Rio de Janeiro der zweitgrößte Straßenkarneval der Welt. Neben diesen Klassikern der brasilianischen Kultur gibt es in Salvador zahlreiche weniger bekannte afrobrasilianische Kulturformen zu entdecken. Günstige Flüge nach Salvador sind von Frankfurt, Hamburg und Stuttgart aus ab etwa 650 Euro erhältlich.

Capoeira und Candomblé – die Klassiker von Salvador

Der Stadtteil Pelourinho mit seinen bunten, historischen Häusern.
Ob sich die Capoeira tatsächlich erst als Verteidigungstechnik von afrikanischen Sklaven in Brasilien oder bereits in Afrika entwickelt hat, ist aufgrund fehlender Belege bis heute umstritten. Sicher ist, dass der Kampftanz entscheidend von der Sklaverei während der portugiesischen Kolonialzeit geprägt wurde und dort seinen typischen dreigliedrigen Aufbau erhielt. Dieser setzt sich aus Kampf, Musik und der „Roda“, dem Kreis, in dem die Capoeira praktiziert wird, zusammen. Bis heute stammen viele der Capoeira-Lieder, die bei spontanen Kämpfen in den historischen Gassen von Salvador zu hören sind, noch aus der Sklaverei.
Da die aus Afrika stammenden Arbeiter unter unmenschlichen und unter strenger, scharf bewaffneter Aufsicht auf den Zuckerrohrfarmen lebten, entstand die Capoeira als Verteidigungsform und als Ritual der Hoffnung. Die Sklaven mussten sich ohne jegliche Waffen gegen ihre scharf bewaffneten Aufseher verteidigen. Um Bestrafungen zu vermeiden, verbargen die Arbeiter ihre Kampftechniken in einem Tanz.
 

Quickinfos Salvador

Flugdauer ca. 14 Stunden
Hotelkosten DZ ab ca. 17 Euro/ Nacht
Stadion Arena Fonte Nova
Fanmeile Jardim de Aláh
Beste Reisezeit Mai – Oktober
Verkehrsmittel Mietwagen Brasilien
Währung brasilianischer Real
Einreisedokument gültiger Reisepass
Landessprache Portugiesisch

Mithilfe der Musik und rhythmischen Bewegungen vermieden sie es, den Argwohn der Aufseher zu erwecken. Bis heute ist Malícia – die Verschlagenheit, Schläue und Kriegslist – ein zentrales Element der Capoeira. Die Kampftechnik selbst hat sich mit ihren eleganten, akrobatischen Elementen, Drehtritten und der Musikalität von Salvador aus auf der ganzen Welt verbreitet.

Genau wie die Capoeira ist auch der Candomblé afrikanischen Ursprungs – mit einer spezifisch brasilianischen Note. Die Sklaven von Salvador mischten ihre verschiedenen Glaubensrichtungen wie Yoruba, Bantu und Ifé vordergründig mit dem Katholizismus der Portugiesen, um ihre Religion trotz des Verbots der Kolonialherren ausüben zu können. Sie ordneten jeder Gottheit – den sogenannten Orixá – einen oder eine Heilige zu. Der Candomblé ist somit, wie der Voodoo in Haiti und die Santería in Kuba, ein klassisches Beispiel für Synkretismus.

 

Feste, Sehenswürdigkeiten und Strände: Festa do Bonfim, Pelourinho, Porto da Barra

Salvador ist bekannt für seine schönen Strände.
Eine der wichtigsten Feierlichkeiten des Candomblé ist die „Festa do Bonfim“. Sie beginnt jedes Jahr am zweiten Donnerstag nach dem Dreikönigstag am 6. Januar. Die Gläubigen versammeln sich vor der Basilika Conceição da Praia und ziehen von dort aus in einer Prozession in die acht Kilometer entfernte Igreija Nosso Senhor do Bonfim – der bekanntesten katholischen Kirche von Salvador. Für die Prozession kleiden sich zahlreiche „bahianas“ in traditionelle, weiße Trachten mit Turbanen und langen, weitgeschnittenen Röcken. Sobald die „Damen aus Bahia“ die Bonfim-Kathedrale erreichen, waschen sie den Aufgang zur Kirche und den davorliegenden Platz mit aromatisiertem Wasser, tanzen und singen Lieder auf Yoruba. Jedes Jahr schließen sich zehntausende Gläubige und Touristen der „Lavagem do Bonfim“ an, zu Deutsch die Waschung von Bonfirm. Als Glücksbringer binden Sie bunte Bänder an den Zaun vor der Kirche.

 

Aber auch abseits von Capoeira, Karneval und der Festa dem Bonfim ist Salvador eine Reise wert: Der historische Stadtteil Pelourinho mit seinen bunten Kolonialbauten gehört komplett zum Weltkulturerbe der UNESCO. Bis 1835 fungierte Pelourinho auch als Sklavenmarkt, im Anschluss entwickelte sich das Viertel zum berühmtesten Künstler- und Musikerviertel von Salvador. Am besten nutzen Reisende direkt den so bekannten wie markanten Aufzug „Elevador Lacerda“, um von der Unterstadt in die Oberstadt und nach Pelourinho zu gelangen.

Wer sich nach so vielen neuen Eindrücken und Klängen einfach nur erholen möchte, kann an der Porto da Barra die Seele baumeln lassen. Der palmengesäumte Sandstrand ist einer der bekanntesten von Salvador. Mit einem eiskalten Caipirinha und leckerem Abendessen von den Ständen, die den Strand säumen, können Reisende den Sonnenuntergang direkt am Meer genießen.

(jwö)

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