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EU ohne England: Was der Brexit für Reisende ändert

29.06.2016 - 08:30

Brexit
Zwar haben sich 52 Prozent der Briten für den Brexit ausgesprochen, das Referendum ist jedoch rechtlich nicht bindend.
Die Europäische Union und die halbe Welt sind schockiert, dass die Briten tatsächlich für den Austritt aus der EU gestimmt haben. Doch während Banken und Airlines um ihre Gewinne bangen, könnte ein Nicht-EU-Staat England Urlaubern aus Europa einige Vorteile bringen. Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten rund um das Thema Reisen zusammengetragen, die vom Brexit betroffen sein könnten.

Alles kann, nichts muss

Generell sei vorab gesagt, dass alles hier vorerst nur im Konjunktiv steht, denn noch ist der Austritt Englands aus der EU nicht rechtskräftig beschlossen. Erst wenn der neue englische Premierminister im Herbst die „Scheidungspapiere“ einreicht, geht es ans Eingemachte. Dann wird über den weiteren Umgang miteinander verhandelt. Der tatsächliche Austritt erfolgt laut Lissabonner Verträgen dann nach zwei Jahren, als frühestens im Herbst 2018.

Brauche ich ab 2018 ein Visum für England?

Reisepass
Auch nach dem Austritt aus der EU dürfte brauchen Urlauber vermutlich nur einen Reisepass. Eine Visapflicht für EU-Bürger ist unwahrscheinlich.
Erste und wichtigste Frage für Reisende ist natürlich: Brauche ich nach dem Brexit ein Visum, wenn ich nach London oder eine andere englische Stadt fliegen will? Experten gehen nicht davon aus, dass England ein Interesse daran haben könnte, die Visafreiheit europäischer Bürger einzuschränken. Dass Sie einen Personalausweis oder Reisepass mit sich führen müssen, ist bereits jetzt der Fall, da England zwar Teil der EU aber nicht zum sogenannten Schengen-Raum gehört, in dem – mit Ausnahmen – an den Grenzen keine Passkontrollen mehr stattfinden. Vermutlich dürfte das Inselkönigreich daher eine ähnliche Regelung mit der EU treffen wie Norwegen oder die Schweiz. Hier dürfen sich EU-Bürger bis zu 90 Tage ohne Visum aufhalten, zudem reicht theoretisch der Personalausweis. Das Auswärtige Amt rät jedoch – vor allem bei längeren Besuchen – den Reisepass mitzuführen. Einige Behörden und Banken in Norwegen akzeptieren den EU-Ausweis nicht.

Wird der Urlaub jetzt teurer?

Hier ein ganz klares: Jein. Vor allem die Luftfahrtbranche ächzt unter dem negativen Votum der Briten gegen die EU, denn während England aktuell als Mitglied von der Liberalisierung des Binnenmarktes profitiert, fällt dieses Privileg mit dem Brexit weg.
Easyjet Flieger am Flughafen
Müssen britische Airlines ihre Landerechte in der EU bald teuer bezahlen? Das dürfte das Aus für Suoer-Billigticktes nach England bedeuten. © Easyjet
Dann müssten sich britische Carrier wie British Airways oder Easyjet wie etwa die Golf-Carrier Emirates und Qatar in Europa um Landerechte bemühen und diese teuer erkaufen. Doch auch dem irischen Billigflieger Ryanair droht Ärger. Zwar bleibt die Gesellschaft mit Sitz in Dublin Teil der EU, doch hat der Low-Coster einen Großteil seiner Flotte aktuell an englischen Airports stationiert. Da die Engländer nach dem Brexit auch von EU-Airlines Landegebühren eintreiben könnte, wären Ticketpreise von 9,99 Euro für einen Flug von Deutschland nach London nicht mehr realistisch. Aus diesem Grund hatte Easyjet bereits kurz nach Bekanntwerden des Brexit-Votums die EU-Kommission um „den Verbleib des Vereinigten Königreichs im Luftverkehrs-Binnenmarkt der EU gebeten. Ein durchaus realistisches Szenario, immerhin befindet sich der größte europäische Airport London Heathrow in England, auf den viele Zubringer in Europa zugeschnitten sind. Abgesehen von leicht steigenden Ticketpreisen profitieren Europäer beim Urlaub auf der Insel jedoch eher vom Brexit.

Kann ich bei Reisen nach England sogar sparen?

London Skyline
Durch eine Abwertung des Britischen Pfund gegenüber dem Euro könnte Urlaub auf der Insel für EU-Bürger nach dem Brexit billiger werden.
Durchaus! Durch die wirtschaftliche Ungewissheit und die drohende Abkopplung vom Finanzmarkt der EU, ist das Britische Pfund in den letzten Tagen dramatisch im Kurs gefallen. Die Schwankungen gingen sogar so weit, dass britische Urlauber aus EU-Ländern wie Griechenland davon berichten, dass Banken sich weigerten, Pfund in Euro zu tauschen oder Geld von britischen Konten auszuzahlen. Als Grund nannten die Institute, dass es von den Banken wohl kurzzeitig keinen gültigen Wechselkurs gab. Auch wenn sich die Lage wieder stabilisiert hat, erwarten Finanzexperten eine deutliche Abschwächung des Pfunds im Vergleich zum Euro. Die Folge: Für unser Urlaubsbudget bekommen wir auf der Insel deutlich mehr als bisher. Die etwaigen Mehrkosten für Flugtickets holen wir bei den Ausgaben für Hotel, Verpflegung, Unterhaltung oder einen Mietwagen in London locker wieder rein.
Übrigens: Sie sollten nach dem Brexit für Ihren Englandurlaub auch etwas Geld für eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung einplanen. Reicht Ihre Chipkarte der gesetzlichen Versicherung, sofern Sie in England zu einem einen Arzt begeben, der für den National Health Service (NHS) arbeitet. Für Privatversicherte wird es hingegen keine Unterschiede geben.

Brauche ich für England dann einen Internationalen Führerschein?

Anmietung eines Mietwagens
Für den Mietwagen in England reicht wohl auch künftig der EU-Führerschein.
Nichts ändern dürfte sich nach Herbst 2018 auch beim Thema Auto fahren auf der Insel. In vielen Ländern der Welt berechtigt Sie auch heute schon der EU-Führerschein zum Fahren eines Autos. Dies sollte auch in England nach dem Austritt aus der EU der Fall sein. Zwar empfiehlt das Auswärtige Amt in einigen Ländern trotzdem das Mitführen eines internationalen Führerscheins (zum Beispiel in einigen Bundesstaaten der USA), für England gilt dies aber als sehr unwahrscheinlich. Aufgrund bestehender wirtschaftlicher Verflechtungen und der Nähe zur EU dürften die Briten auch nach dem Brexit den EU-Führerschein anerkennen.

Fluggastrecht und Entschädigungen bei Verspätungen

Nicht mehr anerkannt wird Ihr Anspruch auf Entschädigungen bei verspäteten Flügen. Eine EU-Verordnung verdonnert Airlines aktuell noch dazu, je nach Strecke und Verspätung 250 bis 600 Euro Entschädigung zu zahlen. Was für Fluggesellschaften mit Sitz in der EU generell gilt, greift bei Nicht-EU-Carriern immerhin auf Flügen ab europäischen Airports. Wenn Sie mit Easyjet nach dem Brexit Flüge von Deutschland nach London buchen, haben Sie auf dem Rückflug auch bei stundenlanger Verspätung oder gar Annullierung kein Recht auf Entschädigung. Das gleiche gilt dann auch für unzählige Transatlantikflüge via London.
Frau telefoniert
Durch den Brexit könnten die ab 2017 abgeschafften Roaminggebühren England ab 2018 in England wieder eingeführt werden.

Auch nach Brexit keine Roaminggebühren

Der Jubel war groß, als das EU-Parlament im Herbst 2015 die Roaming-Gebühren endgültig abgeschafft hat. Ab kommendem Jahr sollen Verbraucher innerhalb der EU ohne Zusatzkosten Telefonieren und per Smartphone oder Tablet im Netz surfen können. Auch in England ist das im Falle des Brexits möglich, allerdings nur von 2017 an bis zum voraussichtlichen EU-Austritt im Herbst 2018. Die Entscheidung darüber, wie es danach weiter geht, liegt dann nicht mehr in Brüssel, sondern bei den Netzanbietern. Hoffnung macht immerhin die Tatsache, dass bei aktuellen Europa-Tarifen bereits Nicht-EU-Staaten wie die Schweiz und Norwegen inbegriffen sind. Diese Regelung könnte nach dem Brexit auch für England gelten.

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