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Urteil: Vertrauliches Lästern über Chef ist kein Kündigungsgrund

08.04.2014 - 10:00

Äußert sich ein Arbeitnehmer den Kollegen gegenüber abfällig über den Chef, rechtfertigt dies nicht zwingend eine fristlose Kündigung wegen Beleidigung des Vorgesetzten. Das zeigt ein kürzlich veröffentlichtes Urteil des Arbeitsgerichts Essen.

Im verhandelten Fall war eine Angestellte seit über 17 Jahren in einem Unternehmen tätig. Bei einer Firmenübernahme wurde ihr angeboten, unter unveränderten Arbeitsbedingungen in einer anderen Gesellschaft der Unternehmensgruppe zu arbeiten. Gleichzeitig stellte der neue Chef sie frei und erteilte ihr Hausverbot für ihren bisherigen Arbeitsplatz.

Wenige Wochen später kündigte der neue Vorgesetzte ihr fristlos. Seine Begründung: Sie habe sich in Telefongesprächen mit mehreren Kollegen beleidigend über ihn geäußert. Dies sei eine Verletzung seiner Ehre und rechtfertige daher die fristlose Kündigung.

Gekündigte klagt mit Erfolg gegen fristlosen Rauswurf

Das sah die Arbeitnehmerin anders und reichte eine Kündigungsschutzklage ein, um vor Gericht ihr gutes Recht durchzusetzen – mit Erfolg. Zwar schloss sich das Arbeitsgericht Essen der Meinung des Arbeitgebers an, dass grobe Beleidigungen von Vertretern des Unternehmens grundsätzlich eine fristlose Kündigung rechtfertigen.

Voraussetzung für eine Ehrverletzung durch eine Beleidigung sei jedoch, dass das Lästermaul davon ausgehen muss, dass das Opfer der bösen Worte von den Äußerungen erfahren wird. Dies war nach Ansicht des Gerichts im verhandelten Fall jedoch nicht so.

Arbeitnehmer müssen Chef nicht mögen

Der Grund: Die Angestellte hatte die ihr vorgeworfenen Telefonate ausschließlich mit Kolleginnen und Kollegen geführt, mit denen sie seit Jahren vertraut und teilweise sogar befreundet war. Daher durfte sie auf deren Verschwiegenheit vertrauen. In der Urteilsbegründung heißt es weiter, dass Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet sind, nur positiv über ihren Vorgesetzten zu denken. Somit müssten sie sich auch in ihrem Privatleben nicht zwingend ausschließlich positiv über ihn äußern.

Diese und ähnliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Chef und Angestellten landen nicht selten vor Gericht. Juristisch und finanziell auf der sicheren Seite ist man im Fall der Fälle mit einem leistungsstarken Versicherungsschutz für arbeitsrechtliche Konflikte.

(kro)

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