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Rechtsschutz: Versicherung soll durch Rabatte billiger werden

11.08.2010 - 22:55

Die Rechtsschutzversicherer bieten Rabatte auf die Selbstbeteiligung, wenn sich Kunden von Juristen vertreten lassen, die einen Kooperationsvertrag mit der jeweiligen Assekuranz geschlossen haben. Die Anwälte selbst stehen dieser Entwicklung eher misstrauisch gegenüber.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger möchte durch die Stärkung der außergerichtlichen Mediation die Zahl der Gerichtsprozesse senken. Dies berichtete gestern „Welt Online“ unter Berufung auf einen kürzlich vorgelegten Referentenentwurf. Hauptsächlich bezieht sich der Entwurf auf Auseinandersetzungen im Bereich Familien-, Miet- und Nachbarschaftsrecht.

Bei den Anwälten stößt die Justizministerin jedoch auf Widerstand. Jede außergerichtliche Einigung würde den Advokaten Mandate kosten. Weitere Einnahmeverluste kämen den Anwälten auch deshalb ungelegen, da sie durch die Rechtsschutzversicherer bereits unter Bedrängnis geraten sind. Denn rund ein Drittel der deutschen Rechtsschutzversicherungen bietet ihren Kunden Preisnachlässe, wenn sie sich im Streitfall vom Versicherungsunternehmen beraten lassen, bevor sie einen Anwalt aufsuchen.

Ähnlich wie die KFZ Versicherungen, die Kooperationen mit Werkstätten abgeschlossen haben und ihren Kunden Beitragsrabatte gewähren, wenn diese etwaige Schäden von einem Partnerbetrieb beheben lassen, wollen nun auch die Rechtsschutzversicherer auf diese Weise ihre Ausgaben reduzieren. Einer Hochrechnung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge, müssen die Versicherungen aktuell Verluste hinnehmen.

Schadenfreiheitsrabatt bei Rechtsschutz-Tarifen

Beispielsweise ist eine geringere Selbstbeteiligung für Rechtschutzversicherte möglich. Beim „M-aktiv“ Komplett-Tarif der DEURAG halbiert sich etwa die Selbstbeteiligung, wenn der Kunde einen Anwalt wählt, der mit der DEURAG kooperiert. Jedoch zahlt diese Rechtsschutzversicherung nur dann für einen Anwalt, wenn eine zuvor angestrengte außergerichtliche Vermittlung gescheitert ist. Auch bei der Concordia erhält man einen Rabatt von 50 Prozent auf die Selbstbeteiligung, wenn man sich für einen Partner-Anwalt der Assekuranz entscheidet.

 

Die LVM passt sich noch weiter den Gepflogenheiten der KFZ Versicherung an: Kunden werden auch für die Rechtsschutzversicherung Schadenfreiheitsrabatte geboten. Nach drei Jahren ohne von der Versicherung zu regulierendem Rechtsstreit sinkt der Beitrag um zehn Prozent. Dies bleibt auch bestehen, wenn für ein Gerichtsverfahren ein Anwalt aus der Kooperation herangezogen wird.

Die HUK-Coburg hat dagegen ein gestaffeltes System mit Schadenfreiheitsrabatt entwickelt. Hier sinkt die mit 150 Euro veranschlagte Selbstbeteiligung nach zwei Jahren ohne Rechtsstreit um ein Drittel. Nach weiteren zwei Jahren sinkt die Selbstbeteiligung um nochmals 50 Euro, nach insgesamt sechs Jahren ohne Rechtsschutzfall entfällt die Selbstbeteiligung komplett. Eine Rückstufung lässt sich ausschließen, wenn Kunden auf anwaltliche Erstberatung, eine außergerichtliche Vermittlung oder einen von der HUK-Coburg empfohlenen Anwalt zurückgreifen.

Geteiltes Echo bei den Juristen

Die Juristen sind vom Vorgehen der Rechtsschutzversicherer wenig begeistert. Laut dem Deutschen Anwaltsverein (DAV) kann ein Jurist nicht in allen Fällen durch eine Mediation ersetzt werden. Beispielsweise sei dies im Verkehrsrecht problematisch. Vor allem sieht man beim DAV auch die Gefahr, dass bestimmte Anwälte von den Versicherern ausgegrenzt würden.

 

Das genossenschaftlich strukturierte Netzwerk APRAXA zeigt sich hingegen offen für die Zusammenarbeit mit den Versicherungsgesellschaften. In der APRAXA sind deutschlandweit etwa 650 Kanzleien aus den Bereichen Rechtsbeistand, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung organisiert.

(tei)

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