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Nebenjob: Was ist erlaubt, was kann der Chef verbieten?

11.09.2014 - 08:00

Viele Arbeitnehmer bessern abends oder am Wochenende ihr Einkommen mit Nebenjobs auf. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat sich in Deutschland die Zahl der Erwerbstätigen mit Zweitjob in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdreifacht - inzwischen haben rund drei Millionen Bundesbürger mehr als eine Arbeitsstelle. Wir verraten Ihnen, worauf Sie achten sollten, um Stress mit Ihrem Chef wegen eines Nebenjobs zu vermeiden.

Grundsätzlich kann jeder Arbeitnehmer einen Zweitjob annehmen – der Arbeitgeber darf dies im Arbeitsvertrag nicht generell ausschließen. Erlaubt sind jedoch Klauseln, die Sie dazu verpflichten, vor der Aufnahme eines Nebenjobs Ihren Chef zu fragen. Je nach Vertragsformulierung müssen Sie ihn lediglich über Ihre Zweittätigkeit in Kenntnis setzen oder explizit sein Einverständnis einholen.

In jedem Fall sollten Sie vorab einen genauen Blick in Ihren Arbeits- oder Tarifvertrag werfen. Wenn Sie auf der sicheren Seite sein wollen, sollten Sie sich von Ihrem Chef eine schriftliche Genehmigung für Ihren Zweitjob einholen.

Kein Nebenjob bei der Konkurrenz

Wichtig: Sie dürfen grundsätzlich keine Nebentätigkeit annehmen, die eine direkte Konkurrenztätigkeit zu Ihrem Erstjob darstellt. Stellen Sie beispielsweise für einen Paketdienstleister Sendungen zu, dürfen Sie nach Feierabend nicht für ein konkurrierendes Logistikunternehmen Pakete ausliefern.

Zudem muss Ihr Vorgesetzter auch keine Nebenbeschäftigungen akzeptieren, die sich negativ auf Ihre Arbeitskraft auswirken. Sind Sie etwa tagsüber ständig erschöpft von Ihrem nächtlichen Zweitjob als Hotelportier und nur bedingt leistungsfähig, muss Ihr Chef das nicht hinnehmen und kann Ihnen die Nachtarbeit untersagen.

Arbeitszeitgesetz muss beachtet werden

Eine weitere Beschränkung ist durch das Arbeitszeitgesetz definiert. Demnach darf jeder Arbeitnehmer grundsätzlich nur acht Stunden täglich und 48 Stunden pro Woche arbeiten - bei einem Zweitjob neben einer Vollzeitstelle kann diese Grenze schnell überschritten sein. Da Ihr Arbeitgeber auch für die Einhaltung dieses Gesetzes verantwortlich ist, kann er Nebentätigkeiten untersagen, wenn die Höchstarbeitszeit dadurch übertroffen wird.

Ob ein Zweitjob während der Urlaubszeit erlaubt ist, hängt dagegen meist vom Einzelfall ab. Wer beispielsweise nur ein paar Stunden zusätzlich am Wochenende arbeitet, kann sich besser erholen als jemand, der während seines Urlaubs jeden Tag Zementsäcke auf einer Baustelle schleppt. Letztere Tätigkeit dürfte daher beim Arbeitgeber auf wenig bis gar kein Verständnis treffen.

Krankgeschrieben ist nicht gleich krankgeschrieben

Wissenswert: Eine Krankschreibung im Erstjob bedeutet nicht automatisch, dass Sie auch im Nebenjob pausieren müssen. Denn eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gilt immer nur für eine bestimmte Tätigkeit. So kann beispielsweise ein hauptberuflicher Busfahrer, der wegen eines gebrochenen Beins krankgeschrieben ist, trotzdem noch eine Nebentätigkeit in einem Callcenter ausüben. Wenn der Zweitjob die Genesung nicht gefährdet, können Sie ihn also auch bei einer Krankschreibung durchaus weiterführen.

Bei Stress mit Ihrem Chef wegen Ihrer Nebenbeschäftigung oder aus anderen Gründen können Sie im Ernstfall versuchen, vor Gericht Ihr gutes Recht durchzusetzen. Dabei hilft Ihnen eine leistungsstarke Rechtsschutzversicherung. Achten Sie beim Abschluss darauf, den Baustein Arbeitsrechtsschutz in den Leistungsumfang mit aufzunehmen.

(kro)

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