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Mietrecht: Bei diesen Mängeln können Sie bis zu 100 Prozent Mietminderung durchsetzen

27.03.2013 - 11:00

Penetranter Lärm, Schimmelbefall, kein warmes Wasser? Viele Faktoren können die Wohnqualität erheblich beeinträchtigen. Mietmängel müssen Sie jedoch nicht hinnehmen. Im ersten Teil unserer Reihe zum Thema Mietminderung verraten wir Ihnen anhand ausgesuchter Gerichtsurteile, bei welchen Mietmängeln Sie bis zu 100 Prozent Mietminderung durchsetzen können.

Zu den Mietmängeln, die häufig zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen Mieter und Vermieter führen, gehört der Heizungsausfall. Verschiedene Gerichtsurteile zugunsten der Mieter zeigen, dass bei einer kalten Wohnung wegen der defekten Heizung im Einzelfall eine Mietminderung von 100 Prozent von den Richtern als gerechtfertigt erachtet wird.

Vermieter muss Funktionsfähigkeit der Heizung erhalten

So urteilte beispielsweise das Landgericht Hamburg, dass für den Aufenthalt von Menschen vorgesehene Räume ohne Heizmöglichkeit in den Herbst- und Wintermonaten beziehungsweise von September bis Februar praktisch unbenutzbar sind. Im konkreten Fall ließ die Vermieterin die ausgefallene Heizung trotz Mangelanzeige des Mieters nicht reparieren, obwohl dies nach Ansicht des Gerichts ihre Pflicht gewesen wäre.

 

In einem anderen Fall, der vor dem Landgericht Berlin verhandelt wurde, war der Gasanschluss einer Mietwohnung während der Heizperiode defekt. Die Folge: Der Mieter konnte nicht mehr heizen, kochen und hatte kein warmes Wasser zum Duschen ─ nach Ansicht des Gerichts Grund genug für eine hundertprozentige Mietminderung.

Doch auch bei einer lediglich eingeschränkten Beheizbarkeit der Wohnung kann mitunter eine Mietminderung um 100 Prozent erzielt werden. Dies ist beispielsweise gegeben, wenn noch andere Mängel wie Löcher in der Zimmerdecke und eine unbenutzbare Gartentreppe die Wohnqualität beeinträchtigen. Dies geht aus einem Urteil des Landgerichts Wiesbaden hervor.

Weitere Gründe für eine hundertprozentige Mietminderung

Eine gänzliche Aussetzung der Mietzahlung kann unter anderem auch bei einem vollständigen Ausfall der Elektrik infolge eines Kabelbrandes vor Gericht durchgesetzt werden. Im konkreten Fall ließ der Vermieter die Stromleitung trotz der Schadensmeldung des Mieters nicht reparieren. Dadurch war die Wohnung praktisch unbrauchbar, so das Amtsgericht Neukölln.

 

Auch wer unter enormem Mäusebefall in seiner Stadtwohnung leidet, kann die Mietzahlungen vollständig verweigern, so das Amtsgericht Brandenburg an der Havel. Zwar müsse bei der Berechnung des Minderungsanspruches berücksichtigt werden, wie stark das Mäuseaufkommen ist. Jedoch dürfe sich der Mieter einer Stadtwohnung diesbezüglich weniger tolerant zeigen als der Mieter einer Wohnung auf dem Land, da Mäuse nach Ansicht des Gerichts in der Stadt theoretisch leichter vermieden werden können.

Schimmelbefall ist ebenfalls ein guter Grund für Mietminderung

Ein weiterer möglicher Grund für eine hundertprozentige Mietminderung ist ─ laut einem Urteil des Amtsgerichts München ─ starker Schimmelbefall in der Wohnung. Im verhandelten Fall hatte ein Gutachten den Schluss nahegelegt, dass die Mieterin den Schimmel nur durch permanentes Lüften vermeiden könne. Dies, so die Richter, sei ihr aber nicht zuzumuten.

 

Weitere Mietmängel, bei denen bereits vor Gericht eine Mietminderung von 100 Prozent durchgesetzt werden konnte, sind beispielsweise das Ausspionieren des Mieters durch einen venezianischen Spiegel, das Fehlen der per Mietvertrag zugesicherten Einbauküche oder die Unbewohnbarkeit einer Wohnung nach einem Brand.

Auch Bauarbeiten können Mietminderung rechtfertigen

Des Weiteren können Bauarbeiten Mietminderungen rechtfertigen. In einem Fall, der vor dem Landgericht Hamburg verhandelt wurde, befand sich die Wohnung des Mieters direkt unter dem Dachgeschoss, das ausgebaut wurde. Im Zuge der Bauarbeiten hatte er unter anderem mit intensivem Lärm-, Gestank- und Staubaufkommen zu kämpfen. Er durfte deshalb die Miete um 80 Prozent mindern.

 

Wer nicht ungestört ein- und durchschlafen kann, weil die Schlafzimmerheizung störende Tick- und Knackgeräusche von sich gibt, hat ebenfalls ein Recht auf Mietminderung, wie ein Urteil des Landgerichts Mannheim zeigt. Nach Ansicht des Gerichts konnte das Schlafzimmer dadurch nicht mehr zu seinem eigentlichen Zweck genutzt werden. Die Höhe des Minderungsbetrags wurde auf 75 Prozent des Mietwerts des Schlafzimmers festgesetzt.

Mit einer Rechtsschutzversicherung finanziell und juristisch abgesichert sein

Mietmängel sind vielfältig und können grundsätzlich jeden Mieter früher oder später betreffen. Wer im Streitfall mit dem Vermieter nicht alleine dastehen will, tut gut daran, eine Rechtsschutzversicherung mit inkludiertem Mietrechtsschutz abzuschließen. Diese stärkt Ihnen als Mieter bei Bedarf finanziell und juristisch den Rücken. Leistungsstarke und dennoch günstige Tarife finden Sie mit dem Rechtsschutzversicherung Vergleich von CHECK24.

Unsere Mietmängel-Staffelung:

(kro)

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