0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Werbungskosten: Die Absetzbarkeit von häuslichen Arbeitszimmern

17.07.2014 - 18:00

Jeder lohn- oder einkommenssteuerpflichtige Bürger freut sich über jede einzelne Ausgabe, die sich bei der jährlichen Steuererklärung geltend machen lässt, um die Steuerlast zu senken und in den Genuss einer Rückzahlung zu kommen. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Kosten, die dem Erwerb, der Sicherung und dem Erhalt von Einnahmen dienen. Diese Ausgaben werden als Werbungskosten bezeichnet.

In der Regel lassen sich von einem sozial- und lohnsteuerpflichtigen Arbeitnehmer beispielsweise folgende Ausgaben als Werbungskosten von der Steuer absetzen: Bewerbungs-, Fortbildungs- und Fahrtkosten, Kosten für Arbeitskleidung, Fachliteratur, Werkzeuge, Beiträge für eine berufliche Unfallversicherung und Rechtsschutzversicherung sowie Kosten für ein Arbeitszimmer und dessen Ausstattung.

Da die Absetzbarkeit von häuslichen Arbeitszimmern gesetzlich nicht eindeutig geregelt ist, kommt es bei dieser Art von Werbungskosten immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen dem Steuerpflichtigen und den Finanzbehörden. Um den Konfliktfall (Steuer-Rechtsschutz) zu klären, wird meist auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zurückgegriffen. Ein kürzlich veröffentlichtes Urteil präzisiert nun die Absetzbarkeit von häuslichen Arbeitszimmern.

BFH-Urteil zu häuslichen Arbeitszimmern

Nach ständiger Rechtsprechung des BFH gilt grundsätzlich jede Räumlichkeit als „anderer Arbeitsplatz“, wenn diese sich für Büroarbeiten eignet. Nach aktueller Rechtslage können für ein häusliches Arbeitszimmer bis zu 1.250 Euro als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden, wenn für die berufliche oder betriebliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Diese Möglichkeit besteht nicht, wenn ein Raum außerhalb der eigenen Wohnung für die Arbeit extra angemietet wird.

In einem Fall hatte eine Pfarrei ihrem Pfarrer im Erdgeschoss des Pfarrhauses einen Arbeitsraum zur Verfügung gestellt. Die Räume im Obergeschoss sollten zu Wohnzwecken genutzt werden. Da jedoch die Räumlichkeiten im Erdgeschoss nach Ansicht des Pfarrers aufgrund von Baumängeln nicht nutzbar waren, richtete er sich im Obergeschoss ein häusliches Arbeitszimmer ein. Die Kosten dafür wollte er von der Steuer absetzen – ohne Erfolg. Als der Pfarrer vor dem Finanzgericht München (FG) die Absetzbarkeit einklagen wollte, wies das Gericht die Klage ab.

Das FG war der Ansicht, dass dem Pfarrer im Erdgeschoss genügend Räume zur Verfügung gestanden hätten, um sich dort ein Arbeitszimmer einzurichten. Der Bundesfinanzhof hat jedoch das Urteil aufgehoben und den Fall zur Neubewertung an das Finanzgericht zurückverwiesen. Das Gericht müsse feststellen lassen, ob aufgrund von Sanierungsarbeiten tatsächlich eine Gesundheitsgefährdung bestand, sodass ein Arbeiten im Erdgeschoss nicht möglich war. Sollte dies der Fall sein, sei das alternativ eingerichtete Zimmer im Obergeschoss als häusliches Arbeitszimmer anzuerkennen.

(mtr)

Weitere Artikel: